Web-Pranger: "Nazi-Leaks" kündigt neue Veröffentlichungen an
Die erste Aktion wurde scharf kritisiert, trotzdem wollen Anonymous-Anhänger auch künftig mutmaßliche NPD-Unterstützer outen. Ein Sprecher kündigte gegenüber dem SPIEGEL weitere Veröffentlichungen an.
Hamburg - Anhänger des Web-Kollektivs Anonymous haben es auf Nazi-Sympathisanten abgesehen. Unter dem Namen "Operation Blitzkrieg" wurden schon mehrfach Neonazi-Websites blockiert oder gehackt. In der vergangenen Woche haben Unbekannte ein Internetportal in Betrieb genommen, auf dem Daten mutmaßlicher Unterstützer der rechten Szene zu finden sind: Namen, Adressen, Telefonnummern. Auf der Internetseite sind auch angebliche Spenderlisten der NPD und Kundenlisten einschlägiger Versandhändler abrufbar.
Der Deutsche Journalisten-Verband, aber auch Initiativen wie "Netz gegen Nazis" hatten die ungeprüften Veröffentlichungen persönlicher Informationen verurteilt. Doch der Kritik zum Trotz: "Nazi-Leaks" will weiter machen.
Ein Sprecher des umstrittenen neuen Internetangebots begründete in einem Computer-Chat mit dem SPIEGEL den Start der Seite mit den Taten der Zwickauer Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) und kündigte weitere Veröffentlichungen an. Das Kernteam der Aktivisten bestehe aus fünf bis zehn Personen, sie hätten die meisten Datensätze nicht selbst neu beschafft, sondern lediglich zusammengetragen, sagte er.
Der Sprecher, der anonym bleiben wollte, aber Kontrollfragen beantworten konnte, sprach von "berechtigter Kritik". Die Gruppe werde künftig die "Filter verbessern", aber auf jeden Fall weitermachen: "Es wird mehr folgen, auch aus dem internationalen Bereich."
"Einfach mal alles zentral anbieten"
Nach Bekanntwerden der Taten des NSU hätten die Aktivisten entschieden, "es wäre angebracht, einfach mal alles zentral anzubieten". Nach der eigenen politischen Verortung gefragt, sagte der Sprecher, die Gruppe heiße Linksextremismus genauso wenig gut wie den von rechts.
"Wir sind Anonymous", so der "Nazi-Leaks"-Mann, und damit Teil des losen internationalen Hacker-Kollektivs, das erstmals mit einer größeren Aktion gegen Ziele in Deutschland in die Öffentlichkeit drängt.
Der rechtsextremen Szene kommen regelmäßig interne Daten abhanden; mehrfach wurden in der Vergangenheit Tausende E-Mails der NPD veröffentlicht. Im Rahmen der "Operation Blitzkrieg" war im August eine Liste mit Nutzern der Neonazi-Website Blood and Honour ins Netz gestellt worden.
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