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26. Juni 2012, 18:11 Uhr

Klage gegen Musikpiraten

Gema will echte Namen oder Geld

Der Verein Musikpiraten hat ein Album mit Liedern unter Creative-Commons-Lizenz herausgebracht. Weil zwei Künstler nur unter Pseudonym auftreten, klagt nun die Gema. Sie fordert echte Namen.

Hamburg - Es geht auch ohne Gema: Der Verein Musikpiraten hat im vergangenen Jahr einen Sampler mit 19 Liedern veröffentlicht, deren Künstler sich nicht von der Verwertungsgesellschaft vertreten lassen - sondern ihre Songs unter eine Creative-Commons-Lizenz gestellt haben. Das heißt, man kann die Lieder verwenden, zum Teil sogar für kommerzielle Zwecke, ohne dass man dafür an die Gema zahlen muss.

Nun hat die Gema die Musikpiraten verklagt, die erste Verhandlung vor dem Amtsgericht Frankfurt soll am 9. Juli stattfinden. Es geht um das Lied "Dragonfly" von der Band Texasradiofish, das laut Musikpiraten im Dezember 2010 auf Ccmixter veröffentlicht wurde, einer Plattform für Musik unter Creative-Commons-Lizenz.

Doch weil die beiden Musiker der Band nur unter den Pseudonymen Electronico und ElRon XChile auftreten, kann die Gema nach eigenen Angaben nicht prüfen, ob sie die beiden Künstler nicht womöglich doch vertritt - oder eine der weltweit angeschlossenen Verwertungsgesellschaften. Den Nachweis, dass keine Gema-Lizenzpflicht auf der CD ist, muss der Hersteller erbringen.

Doch die Gema besteht auf bürgerlichen Namen, weswegen man sich nun vor dem Amtsgericht sieht. "Ich gehe davon aus, dass das Gericht diese Forderung der Gema um die Ohren hauen wird", wird Musikpiraten-Chef Christian Hufgard in einer Mitteilung zitiert. Das deutsche Urheberrechtsgesetz sehe explizit die Möglichkeit der pseudonymen und anonymen Veröffentlichung vor.

Tatsächlich können sich Künstler bei der Gema mit einem Pseudonym registrieren. "Trotzdem brauchen wir immer auch den bürgerlichen Namen", sagt Gema-Sprecher Peter Hempel. "Die Gefahr einer Verwechslung ist sonst einfach zu hoch." Das sehen die Musikpiraten allerdings anders. "Wenn ein Pseudonym nicht in der Datenbank der Gema gefunden werden kann, dann darf sie dafür auch kein Geld verlangen", so Hufgard.

ore

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