Klage gegen Musikpiraten: Gema will echte Namen oder Geld

Der Verein Musikpiraten hat ein Album mit Liedern unter Creative-Commons-Lizenz herausgebracht. Weil zwei Künstler nur unter Pseudonym auftreten, klagt nun die Gema. Sie fordert echte Namen.

Protest gegen die Gema in Berlin: Anfang Juli stehen die Musikpiraten vor Gericht Zur Großansicht
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Protest gegen die Gema in Berlin: Anfang Juli stehen die Musikpiraten vor Gericht

Hamburg - Es geht auch ohne Gema: Der Verein Musikpiraten hat im vergangenen Jahr einen Sampler mit 19 Liedern veröffentlicht, deren Künstler sich nicht von der Verwertungsgesellschaft vertreten lassen - sondern ihre Songs unter eine Creative-Commons-Lizenz gestellt haben. Das heißt, man kann die Lieder verwenden, zum Teil sogar für kommerzielle Zwecke, ohne dass man dafür an die Gema zahlen muss.

Nun hat die Gema die Musikpiraten verklagt, die erste Verhandlung vor dem Amtsgericht Frankfurt soll am 9. Juli stattfinden. Es geht um das Lied "Dragonfly" von der Band Texasradiofish, das laut Musikpiraten im Dezember 2010 auf Ccmixter veröffentlicht wurde, einer Plattform für Musik unter Creative-Commons-Lizenz.

Doch weil die beiden Musiker der Band nur unter den Pseudonymen Electronico und ElRon XChile auftreten, kann die Gema nach eigenen Angaben nicht prüfen, ob sie die beiden Künstler nicht womöglich doch vertritt - oder eine der weltweit angeschlossenen Verwertungsgesellschaften. Den Nachweis, dass keine Gema-Lizenzpflicht auf der CD ist, muss der Hersteller erbringen.

Doch die Gema besteht auf bürgerlichen Namen, weswegen man sich nun vor dem Amtsgericht sieht. "Ich gehe davon aus, dass das Gericht diese Forderung der Gema um die Ohren hauen wird", wird Musikpiraten-Chef Christian Hufgard in einer Mitteilung zitiert. Das deutsche Urheberrechtsgesetz sehe explizit die Möglichkeit der pseudonymen und anonymen Veröffentlichung vor.

Tatsächlich können sich Künstler bei der Gema mit einem Pseudonym registrieren. "Trotzdem brauchen wir immer auch den bürgerlichen Namen", sagt Gema-Sprecher Peter Hempel. "Die Gefahr einer Verwechslung ist sonst einfach zu hoch." Das sehen die Musikpiraten allerdings anders. "Wenn ein Pseudonym nicht in der Datenbank der Gema gefunden werden kann, dann darf sie dafür auch kein Geld verlangen", so Hufgard.

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insgesamt 107 Beiträge
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1. Echte namen?
harald_töpfer 26.06.2012
Zitat von sysopWeil zwei Künstler nur unter Pseudonym auftreten, klagt nun die Gema. Sie fordert echte Namen.
Was sind denn all die "Künstlernamen"?
2. Unfassbar
efka526 26.06.2012
Wenn ich sowas lese wie hier dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln... Die GEMA legt es darauf an, in Schutt und Asche gelegt zu werden. Die Arroganz dieser Vampire ist einfach gigantomanisch. Und fragt mal Künstler, was sie von der GEMA haben... Nichts... Ein Freund von mir ist seit 30 Jahren Musiker, in seinem Genre sehr bekannt, hat abertausende Platten verkauft aber von der GEMA nur wenige Cent effektiv bekommen. Das ganze System ist auch nicht reformierbar sondern gehört zerschlagen und eine Alternative zur fairen Entlohnung von Künstlern aufgebaut. Und da behauptet die GEMA, Google würde zB 20 PR-Leute unterhalten, die gegen die GEMA "hetzen". Aha. Alles klar. Durch die Handlungen dieses Dinosauriers, der seit 1933 (sic!) dieses Land auf gut deutsch verarscht werden mehr Menschen Gegner der GEMA als durch Millionen PR-Fuzzies von Google und DEHOGA und co...
3. Typisch GEMA
Marut 26.06.2012
Da sieht man mal wieder, wie die Gema drauf ist. Da veröffentlichen die Musikpiraten ein paar Stücke, an denen keiner etwas verdienen will, die Autoren und Komponisten verzichten freiwillig und dann kommt die GEMA und kann das nicht akzeptiere. Nun, das ist ja auch kein Wunder, wenn man weiß, dass das meiste Geld, das die GEMA kassiert, in den eigenen Kassen verbleibt; im eigenen Apparat versickert. So kann sie es natürlich nicht akzeptieren, dass da Musiker, indem sie auf ihre eigenen Honorare verzichten, letztendlich den Gewinn der GEMA angreifen. Hier wird wieder einmal deutlich, dass die GEMA nicht im Interesse der Musiker auftritt, sondern überwiegend im eigenen. So lange es die Musiker nicht schaffen, sich von einer solch unseriösen Vermarktungsorganisation zu trennen, dürfen sie sich nicht wundern, dass die Diskussion über die Urheberrechte so ablehnend verläuft. Das Musik-Kopierer weiß ja, dass er nicht in erster Linie die Musiker schädigt, sondern überwiegend eine Gesellschaft von Raffzähnen. Man kann nur hoffen, dass das Gericht der GEMA ihre Klage um die Ohren haut, und ein klarstellendes Urteil fällt.
4.
chalchiuhtlicue 26.06.2012
Mich würde einmal interessieren, was die GEMA eigentlich an ihrer Arbeit verdient? Wieviel von den eingenommenen Gelder bleibt bei diesem "Serviceprovider" denn hängen? Wieviel verdienen die Spitzenfunktionäre der GEMA? Solch stures und verbohrtes Handeln kennt man nämlich meist von Berufsverbänden mit Zwangsmitgliedschaften (Ärztekammern, Handwerkskammern etc.), die kaum Leistungen für ihre Zwangsmitglieder erbringen, diese meist eher noch gängeln, dafür dann aber grotesk hohe Mitgliedsgebühren verlangen und sich selbst so ein sehr gutes Auskommen ermöglichen (abgesehen von einer Bestandssicherheit, die sonst kein Mensch hat). Falls jemand zu den Einnahmen der GEMA unddem, was die GEMA selbst daran verdient, Zahlen und Quellen kennt, wäre ich für einen Hinweis dankbar!
5. Was efka526 geschrieben hat,
sir_popper 26.06.2012
kann ich nur bestätigen und unterstützen. Es macht einen fassungslos, mit welcher gnadenlosen Arroganz und jeder Abwesenheit von Gespür diese Monopol-Organisation ihre Interessen (und sonst gar keine!) durchsetzt. Eigentlich müsste man (auch Politiker) fragen: Wer stoppt diesen Moloch? Aber in einem Land mit so einer verkommenen Regierung ist das wohl ziemlich sinnlos...
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