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Weltbank-Bericht: Wer vom Internet profitiert - und wer nicht

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Corbis

Microsoft-Veranstaltung in Kenia (Archivbild): Chancen ungleich verteilt

Bildung, Wachstum, Wohlstand - die Erwartungen an die digitale Revolution sind groß. Nun hat die Weltbank einen Bericht zur globalen Wirkung des Internets vorgelegt. Er fällt in weiten Teilen ernüchternd aus.

Die digitale Revolution ist keine politisch-gesellschaftliche Revolution - zumindest, wenn man einem neuen Bericht der Weltbank glaubt. Darin heißt es, das Internet stelle die herrschenden Verhältnisse nicht auf den Kopf, Entwicklungs- und Schwellenländer könnten ihre Rückstände keineswegs in Rekordzeit aufholen.

Stattdessen verteile das Netz seine Chancen äußerst unfair: Vor allem reiche westliche Länder profitierten davon, online zu sein, erklärt die Weltbank in "Die Dividende der Informationstechnologie", einem Werk mit 359 Seiten. Die Autoren warnen außerdem: Mit der Digitalisierung entstünden neue Ungleichheiten.

Immerhin: Einiges hat das Internet laut Weltbank bewirkt. So habe es in vielen Ländern dazu geführt, dass es mehr Wachstum, bessere Möglichkeiten und neue Geschäftsfelder gebe, heißt es in dem Bericht - ein Versprechen, das große Tech-Unternehmen gern und oft machen und damit auch versuchen, teils fragwürdige Geschäftspraktiken zu rechtfertigen.

Aber: Für ökonomisch schwache Länder seien die wirtschaftlichen Folgen der digitalen Revolution weniger bedeutend gewesen als erhofft, schreiben die Weltbankautoren. Die Auswirkungen auf die weltweite Produktivität sowie die Möglichkeiten für die arme Bevölkerung und die Mittelklasse seien hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Wir müssen verhindern, dass eine neue sozial benachteiligte Klasse entsteht", warnt deshalb Weltbank-Chefökonom Kaushik Basu.

Die Forderung der Autoren: Flexibilität

In vielen Ländern wachse die Ungleichheit zwischen Arm und Reich, halten die Autoren fest. Damit nehmen sie die Kritik etwa des Ökonomen Thomas Piketty auf, der in seinem Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert" vor einer wachsenden Kluft bei der Vermögensverteilung warnte. Die Automatisierung mancher typischer Mittelschichtberufe sei dabei, den Arbeitsmarkt auszuhöhlen, warnt der Weltbank-Report.

Viele Autoren haben in den vergangenen Jahren ähnliche Thesen vertreten, etwa die Ökonomen Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson ("The Second Machine Age") oder der eher polemisch argumentierende britische Autor und Ex-Unternehmer Andrew Keen. Schon 2013 sorgten die Forscher Michael Osborne und Carl Benedikt Frey von der Oxford University mit der Prognose für Aufsehen, von 700 analysierten Berufen in den USA sei fast die Hälfte in den kommenden Jahren vom Aussterben bedroht.

Um solchen Entwicklungen zu begegnen, müsste die Schulausbildung umstrukturiert werden, so die Autoren der Weltbank. Kinder müssten schon früh mehr kognitive und sozio-emotionale Fähigkeiten und damit Flexibilität trainieren, "denn weniger als die Hälfte der Schulkinder von heute werden in einem Beruf arbeiten, der jetzt schon existiert". Lebenslanges Lernen sei besonders für die schon am weitesten entwickelten Gesellschaften unabdingbar, die besonders schnell altern.

Warnung vor Monopolen

Die Digitalisierung befördere aber auch im Netz "natürliche Monopole". Das wiederum beeinträchtige den Wettbewerb und verschaffe bereits etablierten Digitalunternehmen einen Vorteil. Gleichzeitig hätten es staatliche Stellen oft schwer, in Zeiten rapiden Wandels faire Bedingungen zu garantieren, wie die Autoren mit einem unverhohlenen Verweis auf Uber und Airbnb festhalten: "Regulierer tun sich schwer, die Sicherheit von Verbrauchern und die Interessen von Arbeitnehmern in einer Welt sicherzustellen, in der das größte Taxiunternehmen keine Autos und das größte Beherbergungsunternehmen keine Immobilien besitzt."

Ob ein Land das Internet zum Vorteil seiner Bevölkerung nutzen kann, hängt dem Bericht zufolge nicht allein von der Digitalisierungsstrategie ab. Wichtig sei es vor allem, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen die Chancen des Netzes nutzen könnten: Wenn in einem Land die Korruption blüht und es keine verlässliche Justiz gibt, dann werden Start-ups es schwer haben, ihre Geschäftsidee an den Markt zu bringen. Wer zu den 20 Prozent der Weltbevölkerung gehört, die nicht lesen und schreiben können, wird es wohl nie ins Netz schaffen.

Außerdem erlaube das Netz repressiven Regimen mehr Überwachung: Mancherorts, so die Autoren, "helfen digitale Technologien eher dabei, die Bürger zu kontrollieren, statt ihnen mehr Macht zu verleihen".

Es gibt aber auch positive Beispiele

Der Weltbank-Report zeigt aber auch, wo es gut läuft. Demnach belegen etwa die Beispiele Indien und Indonesien, dass die staatliche Verwaltung vom Netz profitieren kann: Digitalisierte Auftragsvergabe habe dort dazu geführt, dass sich die Infrastruktur ganzer Regionen deutlich verbessert habe, weil die Aufträge transparenter und effizienter vergeben würden.

An mehreren Stellen geht der Bericht außerdem auf die Situation von Frauen ein. Sie hätten es besonders schwer, online teilzuhaben: In manchen Ländern würden sie daran gehindert, ins Netz zu gehen oder sich als Digitalunternehmerinnen zu versuchen. In Südasien besäßen zum Beispiel weit weniger Frauen als Männer ein Smartphone. Dabei biete das Internet gerade Frauen Chancen, die sie vorher nicht gehabt hätten. Online könnten sie leichter Zugang zum Arbeitsmarkt finden und sich besser mit anderen Frauen vernetzen, heißt es in dem Bericht.

60 Prozent der Weltbevölkerung sind offline

Dass Vernetzung positive Veränderungen voranbringen kann, finden also auch die Autoren des Weltbank-Berichts. Das Problem: Immer noch sind fast 60 Prozent aller Menschen weltweit offline. "Während jeden Tag vier Milliarden Google-Suchanfragen gestartet werden, haben vier Milliarden Menschen auf der Welt überhaupt keinen Internetzugang."

Noch größer erscheine die digitale Kluft beim schnellen Breitbandinternet. Zugriff auf solche Datenverbindungen - immerhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - hätten nur 15 Prozent der Weltbevölkerung.

Dennoch sei ihre wichtigste Botschaft eine andere, so die Autoren in der Kurzfassung des Berichts (PDF): "Wenn analoge Entwicklungen digitale Investitionen nicht ergänzen, werden die Auswirkungen unbefriedigend bleiben."

Mit Material von AFP

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insgesamt 71 Beiträge
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1. Hmm, ja
silenced 14.01.2016
Ganz genau, und bei dem Punkt: "Noch größer erscheine die digitale Kluft beim schnellen Breitband-Internet. Zugriff auf solche Datenverbindungen - immerhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - hätten nur 15 Prozent der Weltbevölkerung." muss man leider dazusagen, daß man in Deutschland zu den 85% gehört, die da keinen Zugriff drauf haben.
2.
marcw 14.01.2016
Das Netz "verteilt seine Chancen" nicht. So ein Unsinn. Es ergeben sich Chancen, welche ergriffen werden müssen.
3. Merkwürdig
erzrotti 14.01.2016
Ja, glaubt denn alle Welt, das Internet ist das Allheilmittel? Soll sich der schwarze Bauer in Afrika den Tag über mit Leidensgenossen aus aller Welt im Netz treffen? Oder auf ne Freundschaftsanfrage der Saatgutmafia warten? Der muss sein Feld richtig bestellen und zur Zeit ernten. Das geht seit tausenden von Jahren ohne App! Und mal ehrlich: Ist das Leben durch das Internet wirklich schöner geworden?
4. Ein logisches Ergebnis.
Knack5401 14.01.2016
Wer will bei uns im Westen schon, dass uns die andere Hälte der Welt überholt? Und kein oder kaum Netz gegenüber Breitbandnetzen in den Zentren ist ein Umstand, der gleichfalls in allen Bundesländern beklagt wird. Viel tut sich da trotz vollmundiger Versprechen der Politiker nicht. Die Folgen in der Entwicklung der Bundesländer können wohl dem Artikel größtenteils entnommen werden. Oder wieso wird die soziale und technische Kluft zwischen dem Land und den großen Städten in Deutschland immer größer?
5. Wo soll der Skandal sein?
sarkasmis 14.01.2016
Computer wurden im Westen entwickelt (Turing, Zuse etc.), das Internet ebenfalls und zwar von einem Briten am Cern auf Basis des US Militärnetzes? Was soll falsch dran sein, dass Somalia davon weniger profitiert. Das Internet fischt den Somalis nichts weg und gräbt nicht nach Bodenschätzen. Es heizt auch nicht das Klima. Dass in Afrika viel im Argen liegt hat viele, vor allem hausgemachte Gründe aber es ost sicher nicht das Internet daran schuld.
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