Brasilien Zuckerberg tobt wegen WhatsApp-Sperre

Brasilien hat zeitweise den Messaging-Dienst WhatsApp blockiert. Potenziell betroffen waren 93 Millionen Nutzer. Mark Zuckerberg, der Chef des Mutterkonzerns Facebook, kritisierte die Gerichtsanordnung scharf.

Facebook-Chef Zuckerberg (Archivbild): "Das ist ein trauriger Tag für Brasilien"
REUTERS

Facebook-Chef Zuckerberg (Archivbild): "Das ist ein trauriger Tag für Brasilien"


Update, 17.20 Uhr: Die seit Donnerstagfrüh in Brasilien geltende Blockade des Internetdienstes WhatsApp ist von einem Gericht aufgehoben worden. Ein Richter des Gerichtshofs des Bundesstaates Sao Paulo bezeichnete die Maßnahme als "unangemessen". Eine Geldstrafe sei angebrachter als Dutzende Millionen an Nutzern zu bestrafen, betonte Richter Xavier de Souz. Kurz nach der Entscheidung funktionierte der Dienst wieder. Insgesamt dauerte die Blockade rund 14 Stunden an. (mbö/dpa)

Es folgt unsere Meldung vom Nachmittag:

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat eine Blockade des zu seinem Unternehmen gehörenden Dienstes WhatsApp in ganz Brasilien scharf kritisiert. "Das ist ein trauriger Tag für Brasilien", schrieb Zuckerberg am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite. "Brasilien ist bisher ein Verbündeter gewesen bei der Schaffung eines offenen Internets."

Es könne nicht sein, dass die Entscheidung einer Richterin "jede Person in Brasilien bestraft, die WhatsApp benutzt". Er sprach von mehr als 100 Millionen Betroffenen. Er forderte sie auf, die Stimme zu erheben.

Seit 23.30 Uhr in der Nacht zu Donnerstag ist der Nachrichtendienst lahmgelegt. Die Blockade war von einem Gericht in São Bernardo do Campo im Bundesstaat São Paulo für 48 Stunden angeordnet worden. Das Gericht hatte die Telefon- und Internetunternehmen dazu kurzfristig aufgefordert.

Streit über Herausgabe von Daten

Hintergrund ist ein Strafverfahren, in dem WhatsApp nicht kooperiert haben soll. Womöglich geht es um die Herausgabe von Daten oder Chat-Protokollen zu mutmaßlich kriminellen Handlungen. Im Februar war eine landesweite Blockade noch von einer Berufungsinstanz zurückgewiesen worden. Damals ging es laut Medienberichten um die Herausgabe von Daten im Zusammenhang mit einem Pädophilie-Fall.

Dieses Mal folgen die führenden Telefongesellschaften Vivo, Tim, Claro, und Oi notgedrungen der Anordnung. Mit der Blockade nutzt das Gericht technische Sperrmöglichkeiten in einer bisher beispiellosen Größenordnung, um Druck auf den Anbieter auszuüben, damit dieser Daten seiner Nutzer herausgibt. Wenn sonst soziale Medien wie Twitter oder YouTube in manchen Ländern blockiert werden, geschieht dies eher, um den Zugang zu unliebsamen Inhalten oder Daten zu erschweren.

Brasilien gilt als eines der Länder mit den meisten WhatsApp-Nutzern. Laut dem US-Branchendienst TechCrunch beträgt ihre Zahl dort 93 Millionen. Weltweit sollen rund 900 Millionen Menschen WhatsApp nutzen.

Mit dem Dienst können unter anderem kostenlos Nachrichten, Fotos, Videos und Sprachmitteilungen versendet werden. Facebook hatte den Dienst 2014 für mehr als 20 Milliarden Dollar gekauft.

fab/AFP/dpa

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