WikiLeaks-Gründer offline Ecuador bestätigt Internetsperre für Assange

WikiLeaks hatte Ecuador vorgeworfen, den Internetzugang von Julian Assange eingeschränkt zu haben. Die Regierung in Quito bestätigt das nun: Grund sei die Einmischung der Enthüllungsplattform in den US-Wahlkampf.

Ecuadors Botschaft in London
AP

Ecuadors Botschaft in London


Ecuadors Außenministerium hat die temporäre Sperrung des Internetzugangs für WikiLeaks-Gründer Julian Assange bestätigt - und mit den Veröffentlichungen über US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton begründet. "Die Regierung Ecuadors vertritt den Grundsatz der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Länder, sie mischt sich nicht in Wahlprozesse ein, und sie unterstützt keine bestimmten Kandidaten", teilte das Ministerium mit.

WikiLeaks habe eine Vielzahl von Dokumenten veröffentlicht, die Einfluss auf den Wahlkampf in den USA hätten. Am Asyl für Assange halte man zwar fest. Aber gemäß der eigenen Richtlinien habe man "vorübergehend den Zugang zu seinen Kommunikationssystemen in der Botschaft im Vereinigten Königreich" eingeschränkt.

Bereits am Tag zuvor hatte WikiLeaks der Regierung von Ecuador vorgeworfen, Assanges Internetverbindung unterbrochen zu haben. Zugleich beschuldigte die Enthüllungsplattform US-Außenminister John Kerry, Druck auf Ecuador ausgeübt zu haben. US-Außenamtssprecher John Kirby wies diese Vorwürfe am Dienstag zurück. Zwar sei die US-Regierung seit Langem über WikiLeaks "besorgt", doch habe sie mit dem Vorgang nichts zu tun.

WikiLeaks-Gründer Assange lebt seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London, um sich einer Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Dort will ihn die Justiz zu Vorwürfen der Vergewaltigung befragen. Der 45-jährige Australier befürchtet nach eigenen Angaben, von Stockholm in die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm ein Prozess wegen Geheimnisverrats drohen würde.

WikiLeaks veröffentlicht seit Wochen E-Mails, die von Hackern beim Vorstand der US-Demokraten erbeutet wurden. Die Enthüllungen über Clinton werden vom Kandidaten der US-Republikaner, Donald Trump, immer wieder für Attacken im Wahlkampf genutzt.

Hinter dem Angriff werden Hacker mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst vermutet. Assange wies die Vorwürfe zurück, mit Moskau gemeinsame Sache zu machen und Trump zu helfen (hier lesen Sie Sascha Lobos Kolumne zum Absturz der Enthüllungsplattform und ihrem Wahlkampf für Trump).

SPIEGEL-Interview mit Assange

aar/dpa

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