Suchmaschinen-Säuberung Wikipedia macht Google-Löschungen öffentlich

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs hat Google begonnen, bestimmte Suchergebnisse auf Wunsch Betroffener zu entfernen. Darunter sind auch Wikipedia-Artikel. Die Online-Enzyklopädie macht nun öffentlich, welche - es ist von "Zensur" die Rede.

Wikipedia: Google-Löschungen öffentlich gemacht
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Wikipedia: Google-Löschungen öffentlich gemacht


Was man bei Wikipedia von den Löschanträgen an Google auf Basis eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs hält, macht der entsprechende Eintrag im Angebot der Online-Enzyklopädie unmissverständlich klar. "Zwangszensur ist inakzeptabel, aber Zwangszensur ohne Benachrichtigung ist unentschuldbar", heißt es da. Im Geiste dieser Grundhaltung veröffentlicht die Online-Enzyklopädie nun, welche ihrer Artikel von Google-Löschanträgen betroffen sind.

Das geht, weil Google den Betreibern von Websites - auch dem SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE - mitteilt, wenn deren Inhalte aus bestimmten Suchergebnislisten entfernt werden. Ein Beispiel: Max Mustermann möchte nicht mehr mit einem Artikel über fanatische Mitglieder von Kleintierzüchtervereinen in Verbindung gebracht werden. Er stellt einen Antrag an Google, dem wird stattgegeben. Das hat zur Folge, dass künftig bei Google-Suchen nach "Max Mustermann" der entsprechende Artikel nicht mehr angezeigt wird. Stattdessen bekommt der Suchende einen Hinweis angezeigt, dass hier möglicherweise ein Link entfernt wurde. Das Angebot, in dem der Artikel stand, bekommt einen Hinweis, dass dieser konkrete Artikel aus einigen Sucherergebnislisten entfernt wird. Es wird aber nicht mitgeteilt, um welche konkreten Suchbegriffe ("Max Mustermann") es dabei geht.

Die Betroffenen dürfte der Vorgang nicht erfreuen

Darauf weist auch Wikipedia hin: "Wir wissen nicht, wer um die Entfernung gebeten hat. Man sollte nicht annehmen, dass der Gegenstand des Artikels den Antrag gestellt hat, da auch andere die Möglichkeit haben könnten, eine Entfernung zu verlangen."

Die Liste der betroffenen Wikipedia-Artikel ist bislang kurz: Es geht um zwei englischsprachige, zwei italienische und drei niederländische Wikipedia-Artikel, alle bislang veröffentlichten Lösch-Hinweise kommen von Google - die neue Regelung betrifft theoretisch alle Suchmaschinen.

Diejenigen, die die Löschanträge gestellt haben, dürften über die Veröffentlichung nicht allzu erfreut sein - die entsprechenden Artikel lassen oft Rückschlüsse darüber zu, wer in dem jeweiligen Eintrag ein Interesse daran haben könnte, dass die Information nicht mehr so leicht auffindbar ist.

Nach eigenen Angaben erhielt Google bis Mitte Juli insgesamt 91.000 Anträge, in denen das Entfernen von 328.000 Links gefordert wurde. Der Konzern macht keine Angaben dazu, wie viele der Anträge bereits abgearbeitet wurden. Auch Links auf SPIEGEL-Texte hat Google aus einigen Suchanfragen entfernt. Ende Juli erklärte Google, etwa 30 Prozent der Anfragen seien abgelehnt worden, in rund 15 Prozent der Fälle habe man den Antragsteller um zusätzliche Informationen gebeten.

cis



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