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18. Januar 2013, 14:43 Uhr

Google-Chef gegen Apple und Facebook

Larry Page teilt aus

Apple erntete einen Seitenhieb - und Facebook eine Ohrfeige: Google-Chef Larry Page hat in einem großen Interview mit der Zeitschrift "Wired" gleich zwei Konkurrenten kritisiert. Das Interview erschien kurz nach Facebooks Ankündigung einer eigenen Suchmaschine.

Mountain View - "Wired"-Autor Steven Levy ist selbst eine Art Star. Mit "Hackers" schrieb er in den frühen Achtzigern ein Buch, das bis heute als eine Art verspätetes Gründungsmanifest der Hackerbewegung gilt, mit "In the Plex" legte er 2011 eine Art Unternehmensbiografie des Suchmaschinenkonzerns Google vor. Nun hatte Levy die Gelegenheit, Google-Chef Larry Page zu befragen. Dabei ging es ausführlich über Pages Visionen für seine Firma - und ein bisschen auch um die Konkurrenz. An der ließ Page kaum ein gutes Haar.

Der erste Seitenhieb traf Apple. Interviewer Levy sprach Page auf ein berühmt gewordenes Zitat aus der Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson an. Jobs sei bereit gewesen, gegen Googles Android-Betriebssystem "in einen Atomkrieg zu ziehen". Auf den Jobs-Satz angesprochen antwortete Page lapidar: "Und wie gut funktioniert das?" Android hat Apples iOS auf dem Markt der mobilen Betriebssysteme längst überholt. Auf die Nachfrage, ob er den Marktanteil von Android für "entscheidend" halte, antwortete Page dann aber nur, diplomatisch: "Android ist sehr erfolgreich, und wir sind davon ganz begeistert." Immerhin ist Apple für Google-Apps ein wichtiger Partner.

Im Zusammenhang mit dem Durcheinander um eine Maps-Anwendung in Apples neuestem Betriebssystem iOS 6 kritisierte Page später dann aber doch noch Apples Politik einer geschlossenen, stark von dem Unternehmen selbst kontrollierten Plattform. Geschlossene, zentral kontrollierte Plattformen, sagte Page, ohne Apple oder Facebook explizit zu erwähnen, seien "ein Rückschritt": "Es gibt Firmen, die alles einzäunen wollen, und das behindert den Fortschritt." Früher, im offenen Web, sei alles einfacher gewesen.

"Facebook leistet wirklich schlechte Arbeit"

Natürlich sprach Levy Page auch auf Google+ und den Konkurrenten Facebook an. Da konnte sich der Google-Gründer eine Spitze dann doch nicht verkneifen. Facebook sei "in diesem Bereich", gemeint waren die sozialen Aspekte des Netzes, "sehr stark". Dann machte er eine drastische Einschränkung: "Sie leisten bei ihren Produkten aber wirklich schlechte Arbeit." Leider fragte Levy offenbar nicht nach, was er damit genau meinte, jedenfalls ist eine Nachfrage und eine Antwort darauf in der veröffentlichten Version des Interviews nicht zu finden.

Es sei gar nicht nötig, "dass ein anderes Unternehmen scheitert, damit wir erfolgreich sind". Er sei "sehr zufrieden" mit der Entwicklung von Google+: "Viel davon ist von unseren Mitbewerbern kopiert worden, deshalb glaube ich, dass wir da gute Arbeit leisten."

Facebook hat erst am Dienstag seine eigene Suchfunktion vorgestellt, die Graph Search. Damit lässt sich die gewaltige Datenbank mit Informationen über Menschen und deren Vorlieben durchsuchen, die Facebook mit seiner Milliarde Mitglieder längst darstellt. Damit die Graph Search auch andere Anfragen beantworten kann, kooperiert Facebook mit Microsofts Suchmaschine Bing. Die Kombination erinnert an das, was Google heute schon Social Search nennt: Die Kombination von Ergebnissen der Websuche mit personalisierten Resultaten und Hinweisen auf zur Suchanfrage passenden Antworten aus dem eigenen digitalen Freundeskreis.

Ob Page zum Zeitpunkt des Interviews allerdings schon genau wusste, was Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als neuerliche Kampfansage an Google aus dem Hut zaubern würde, ist unklar: Geführt wurde das Gespräch schon Ende 2012.

cis

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