Internationale Studie Was halten Sie von Whistleblowern?

Mitarbeiter von Firmen und Behörden gehen ein großes Risiko ein, wenn sie Interna an die Öffentlichkeit bringen, um Unrecht oder Korruption aufzudecken. Eine internationale Studie soll nun herausfinden, wie es um den Ruf der Whistleblower bestellt ist.

Protest gegen Whistleblower-Verfolgung in London (Symbolbild): Interna ausplaudern?
dpa

Protest gegen Whistleblower-Verfolgung in London (Symbolbild): Interna ausplaudern?


Hamburg - Bradley Manning sitzt für seinen angeblichen Verrat im Gefängnis. Der junge Soldat soll derjenige gewesen sein, der WikiLeaks Hunderttausende geheime Dokumente weitergereicht hat, das wirft im die Anklage vor. Die Veröffentlichung der Regierungsinterna sorgte weltweit für Schlagzeilen, der mutmaßliche Enthüller könnte bei einer Verurteilung für immer weggesperrt bleiben.

Ein extremes Beispiel. Aber auch wer Firmeninterna weiterreicht, muss mit juristischen Konsequenzen rechnen - selbst wenn dadurch Korruption oder andere Rechtsverstöße öffentlich gemacht werden. Denn gegenüber dem Arbeitgeber gilt eine Treuepflicht, wer diese verletzt, kann seinen Job verlieren. Der Verräter mit guten Absichten gilt oft nicht als ehrenwerter Whistleblower, sondern als Denunziant, zumindest vor dem Arbeitsgericht.

Eine Studie der australischen Universitäten Griffith und Melbourne soll nun zeigen, wie es weltweit um die öffentliche Meinung zu Whistleblowern bestellt ist. Die Medienwissenschaftlerin Suelette Dreyfus hat den "World Online Whistleblowing Survey" gestartet. In der ersten Phase der Studie wurden mehr als 1200 Menschen zufällig ausgewählt und von einem Marktforschungsinstitut befragt.

Erste Ergebnisse für Australien zeigen, dass 81 Prozent der Bevölkerung sich mehr Unterstützung für Whistleblower wünschen - und keine Bestrafung. Allerdings glauben nur 55 Prozent, dass es einen Unterschied machen würde, wenn sie Fehlverhalten in ihrem Unternehmen oder in ihrer Organisation öffentlich machen würden. Und ebenfalls rund die Hälfte, 53 Prozent, sehen die Aufdeckung von internem Fehlverhalten als "allgemein akzeptiert" an.

An der Online-Befragung der zweiten Phase können Internetnutzer weltweit teilnehmen. Am Montag ist die deutsche Version online gegangen. Achtung: Wenn Sie diesen Artikel in Ihrer Firma oder Behörde lesen und sich nicht sicher sind, wie ihr Arbeitgeber den Abruf einer Whistleblower-Umfrage bewertet, rufen Sie diesen Link vorsichtshalber nicht aus dem Firmen-Netzwerk auf.

In Deutschland gibt es Bestrebungen, Whistleblower juristisch abzusichern. Die SPD hat dazu ein sogenanntes Hinweisgeberschutzgesetz in den Bundestag eingebracht. Auch Grüne und Linke wollen die Tippgeber besser schützen und dazu bestehende Gesetze anpassen. Im Gegensatz zur SPD, die mit ihrem Gesetz Arbeitnehmer absichern will, möchten Linke und Grüne auch Staatsbediensteten das Hinweisgeben ermöglichen und dazu das Beamtenrecht anpassen.

Die Regierungskoalition will davon allerdings bisher wenig wissen. Wenn das Hinweisgeberschutzgesetz nach der Sommerpause in letzter Lesung im Bundestag behandelt wird, werden Union und FDP es durchfallen lassen. "Kein Handlungsbedarf", heißt es bei der Union. Die FDP-Fraktion teilt mit, dass das Anschwärzen von Vorgesetzten nicht zu einer konstruktiven Unternehmenskultur beitrage. Daher plädieren man "für den Vorrang einer innerbetrieblichen Klärung".

Die Ergebnisse des "World Online Whistleblowing Survey", der von der australischen Forschungsgesellschaft Australian Research Council gefördert wird, könnten allerdings weitere Argumente für die bessere Stellung von Hinweisgebern liefern.

ore

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
conny2, 30.07.2012
1. Von Whistleblowern...
Zitat von sysopdpaMitarbeiter von Firmen und Behörden gehen ein großes Risiko ein, wenn sie Interna an die Öffentlichkeit bringen, um Unrecht oder Korruption aufzudecken. Eine internationale Studie soll nun herausfinden, wie es um den Ruf der Whistleblower bestellt ist. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,844540,00.html
Angesichts vieler auch von den höchsten Stellen verschleierter Rechtsverstöße ist Whistleblowing ein erfreuliches Zeichen von Widerstand. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass z.B. aus Wichtigtuerei falsche Behauptungen gestreut werden können, mit möglicherweise verheerenden Wirkungen. Das kann man nicht gutheißen. Ich bin daher dafür, im Falle des Whistleblowing genau hinzugucken: Greift der Whistleblower einen relevanten Missstand von öffentlichem Interesse auf und sind seine Behauptungen richtig, sollte er entschuldigt sein. Anderenfalls sollte er sich verantworten müssen. Das Risiko, ob sich das eine oder das andere andere als zutreffend erweist, muss er selbst tragen.
Möglw. 30.07.2012
2. Sehr gut
Zitat von conny2Angesichts vieler auch von den höchsten Stellen verschleierter Rechtsverstöße ist Whistleblowing ein erfreuliches Zeichen von Widerstand. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass z.B. aus Wichtigtuerei falsche Behauptungen gestreut werden können, mit möglicherweise verheerenden Wirkungen. Das kann man nicht gutheißen. Ich bin daher dafür, im Falle des Whistleblowing genau hinzugucken: Greift der Whistleblower einen relevanten Missstand von öffentlichem Interesse auf und sind seine Behauptungen richtig, sollte er entschuldigt sein. Anderenfalls sollte er sich verantworten müssen. Das Risiko, ob sich das eine oder das andere andere als zutreffend erweist, muss er selbst tragen.
Sehr gut formuliert! Danke an SPON für den Link. Mich würden mal Computermodelle interessieren, die berechnen, wie eine/unsere Wirtschaft leidet, wenn z.B. keine Schmiergelder bezahlt würden; die Hälfte der DAX- und MDAX-Konzerne würde vermutlich aus ihren Indizes fliegen. Die Betriebsräte würden erst Sturm laufen - und später wegen ausbleibendem Geschäft Sozialpläne zur Massenentlassung unterzeichnen müssen...
Grestorn 30.07.2012
3.
Zitat von Möglw.Sehr gut formuliert! Danke an SPON für den Link. Mich würden mal Computermodelle interessieren, die berechnen, wie eine/unsere Wirtschaft leidet, wenn z.B. keine Schmiergelder bezahlt würden; die Hälfte der DAX- und MDAX-Konzerne würde vermutlich aus ihren Indizes fliegen. Die Betriebsräte würden erst Sturm laufen - und später wegen ausbleibendem Geschäft Sozialpläne zur Massenentlassung unterzeichnen müssen...
Das durch Schmiergeldzahlungen in bestimmte Richtungen umgelenkte Geschäft würde ja trotzdem stattfinden, nur eben von anderen Firmen, die lieber über Preis und Qualität punkten wollen als über "gute Connections". Ich sehe da keinen Schaden für die Wirtschaft, ganz im Gegenteil. Nur wo es darum geht, ein Geschäft im Inland zu halten dass man ohne Schmiergeld ins Ausland verlieren würde, wäre das anders. Deswegen muss Korruption natürlich international bekämpt werden.
denkdochmal 30.07.2012
4. So wenig wie die Frau oder der Herr "Chef"
Zitat von sysopdpaMitarbeiter von Firmen und Behörden gehen ein großes Risiko ein, wenn sie Interna an die Öffentlichkeit bringen, um Unrecht oder Korruption aufzudecken. Eine internationale Studie soll nun herausfinden, wie es um den Ruf der Whistleblower bestellt ist. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,844540,00.html
auf ihre/seine Zuträger verzichten mag, so sehr sind die Wistleblower notwendig, um wenigstens einen Teil des Schmutzes ans Licht zu bringen. Der Spruch, daß man den Verrat, aber nicht den Verräter liebt, trifft hier in keiner Weise zu, im Gegenteil! Könnte man sich nun auch noch auf die Justiz verlassen, wäre das insgesamt ein förderungswürdiger Ansatz.
loncaros 30.07.2012
5.
War natürlich klar, dass Schwarz-Geld bei einem weiteren Gesetz gegen Korruption in den oberen Etagen blockt.
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