Bewährungsstrafe für YouTube-Star ApoRed entschuldigt sich vor Gericht für "Bomben-Prank"

Der YouTube-Star ApoRed hat mit einer vermeintlichen Bombe Menschen vor laufender Kamera in Panik versetzt. Jetzt findet er seinen "Prank" nicht mehr lustig - und ist zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

ApoRed bei einem Auftritt
imago/ Future Image

ApoRed bei einem Auftritt

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Als Ahmad Ahadi alias ApoRed im Juni 2016 nahe dem Hamburger Hauptbahnhof ein neues Video aufnahm, erschien ihm seine Idee noch gelungen: "Die Reaktionen waren heute mal wieder ultralustig, Mann", sagt der YouTuber und Rapper am Schluss des Clips "Bomben-Prank", der ihm spätestens durch das Hochladen auf YouTube, gut zweieinhalb Wochen später, noch eine Menge Ärger einbringen sollte.

Zunächst sah sich der 23-Jährige nämlich mit einem YouTube-Shitstorm konfrontiert, vor allem, weil sein Video an jenem Tag im Netz landete, als der Anschlag von Nizza passierte. Der Videomacher nahm den Clip daraufhin wieder offline. Und jetzt, über ein Jahr später, musste sich ApoRed auch noch vor dem Amtsgericht Hamburg für seine Aktion und den Clip verantworten.

"Das war sehr, sehr dumm von mir", sagt der YouTuber im Saal 292 einer Frau, die Zeugin wie Betroffene seines Streichs (im Netzvideo-Slang: Prank) geworden war.

Sie werde das Vorgefallene "niemals vergessen", sagt die Frau, "das Gefühl zu denken, dass das Leben gleich vorbei sein wird". Auch zwei weitere Zeugen schildern, wie sehr ihnen das Erlebte zugesetzt hat, teils bis heute. Nach ihren Aussagen bittet ApoRed jeden von ihnen um Entschuldigung, er spricht von einer dummen, kindischen Aktion.

Eine Tasche zum Schocken

Was beim Dreh genau geschehen war, lässt sich leicht nachvollziehen, es ist ja auf Video festgehalten: Vor Gericht ging es vor allem um eine Passage am Anfang des "Bomben-Prank"-Clips, die ApoRed dabei zeigt, wie er eine schwarze Tasche in Richtung mehrerer Passanten wirft, die an einem Geldautomaten warten.

"30 Sekunden habt ihr alle Zeit. Rennt lieber, wenn euer Leben was wert ist", sagt ApoRed im Video dazu, einige der Umstehenden ergreifen die Flucht.

Panik war offenbar die gewünschte Reaktion gewesen. "Wir pranken heute Leute mit 'ner Tasche und tun so, als wenn's eine Bombe wäre", erklärt im Video eingangs der Fitnesstrainer Jan H., der ebenfalls vor der Kamera zu sehen war. ApoRed antwortet ihm: "Ich hoffe, die denken, das ist 'ne Bombe."

"Keine böse Energie"

ApoRed betonte nun, bei seiner Aktion sei "keine böse Energie" dabei gewesen. Am Ende wird er trotzdem zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, mit einer Auflage von 200 Arbeitsstunden. "Ihnen fehlt offenbar jedes Gespür dafür, was geht und was nicht geht", sagt ihm die Richterin. Schlechter Geschmack sei kein Ausdruck für das, was ApoRed getan habe.

Verurteilt wird ApoRed wegen Körperverletzung, Nötigung und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Drehpartner Jan H. soll wegen Beihilfe zum Genannten 120 Tagessätze zahlen, wogegen H. nach Auskunft seines Anwalts Rechtsmittel einlegen will. Beide Urteile sind bislang nicht rechtskräftig.

Bei ApoRed, zuvor schon einmal wegen Körperverletzung verurteilt, kommt noch ein Verstoß gegen § 33 des Kunsturhebergesetzes dazu: Denn - anders als bei vielen Fernsehproduktionen - waren die unverpixelt im Video auftauchenden Zeugen nicht gefragt worden, ob das heimlich aufgenommene Material mit ihrer Reaktion veröffentlicht werden darf.

Nicht die erste schlechte Idee

Ob das Urteil gegen ApoRed die deutsche Pranker-Szene auf YouTube in irgendeiner Weise verändert, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen zeigen. Ähnliche Ideen wie die von ApoRed jedenfalls hatte es schon vor dem Hamburger "Bomben-Prank" gegeben.

In München etwa hatte die Polizei bereits im Mai 2016 - also vor dem Dreh von ApoRed - eindringlich davor gewarnt, Prank-Videos aufzunehmen, die im Bereich der Bedrohungen und Straftaten enden. Der Anlass waren seinerzeit zwei Afghanen, die ebenfalls für einen Videodreh so getan hatten, als stünde ein Anschlag bevor.

Grundsätzlich dürfte für YouTube aber wohl weiter gelten: Je wilder, je dreister, je krasser eine Idee, desto größer das Interesse der oftmals sehr jungen Zuschauerschaft an dem Video.

Beruf: "Unterhalter im Internet"

Erahnen lässt sich das daran, dass der "Bomben-Prank" von ApoRed nur eine von mehreren umstrittenen Aktionen des YouTubers war, der als Beruf "Unterhalter im Internet" angibt. 2016 hatte sich der Videomacher gemeinsam mit Leon Machère - auch er ist in Hamburg für teils geschmacklose Pranks berühmt-berüchtigt - nachts und ohne Erlaubnis unter anderem in einem Ikea, einem McDonald's und einem Cinemaxx-Kino aufgehalten, natürlich mit laufender Kamera.

Auf SPIEGEL-Anfrage bestätigten diese Woche sowohl McDonald's als auch das Cinemaxx, dass seinerzeit jeweils Anzeigen erstattet worden seien. Eine Entschuldigung oder eine andere Kontaktaufnahme seitens der YouTuber habe es bis heute nicht gegeben. Von Ikea heißt es, man habe ebenfalls Anzeige erstattet, das Verfahren sei aber mittlerweile vom Gericht eingestellt worden.

Für manchen Fan von ApoRed dürfte das Urteil im Hamburger Prozess übrigens auch eine gute Nachricht sein. Denn der YouTuber ist nun wieder frei und kann auch wieder neue Videos drehen, welcher Art auch immer.

ApoRed hatte bis zum Mittwoch gut zwei Wochen in Untersuchungshaft verbringen müssen, weil er zum ersten Hauptverhandlungstermin im September nicht erschienen war. Daraufhin war ein Haftbefehl erlassen worden, der nun ausgesetzt wurde. Die Anwältin von ApoRed erklärte, der Videomacher habe den Termin versäumt.



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