YouTube und Gema: Warum Deutschland schwarz sieht

Von

6. Teil: Was ist die Kernfrage beim Gema-Gebührenstreit?

Es geht einerseits ums Geld - die Gema nennt das YouTube-Angebot zu niedrig, YouTube nennt die Gema-Forderungen unangemessen. Aber es geht um etwas Grundsätzliches: Nach welchem Modell werden die Gebühren berechnet? Die Gema will eine Mischung: YouTube soll einen festen Betrag je Abruf eines Werks bezahlen (die sogenannte Mindestvergütung). Zudem soll YouTube einen festen Anteil des auf die Musiknutzung zurückzuführenden Nettoumsatzes an die Gema bezahlen (die sogenannte Regelvergütung).

Was bei der Mindestvergütung anfällt, wird mit der Regelvergütung verrechnet. Wenn also die Mindestvergütung höher ist, muss YouTube nur diese Summe bezahlen. Wenn die Regelvergütung höher ist, wird nur diese Summe fällig.

Doch YouTube möchte sich nicht auf die von der Gema geforderte Mindestvergütung je Abruf einlassen. Google argumentiert, werbebasierte Hosting-Plattformen wie YouTube würden Künstlern eine Möglichkeit bieten, mit ihren Werken über die Beteiligung an den Werbeerlösen Einnahmen zu erzielen. Die Gema-Forderung entspreche nicht dem YouTube-Geschäftsmodell.

Die Gema verlangt eine vergleichweise hohe Mindestvergütung je Abruf bei Diensten mit hoher Interaktivität wie YouTube (Direktabruf einzelner Tracks nach Suche, Überspringen einzelner Titel usw.). Der Regeltarif sieht 0,006 Euro je Abruf vor, YouTube könnte bei einem Vertrag vielleicht einen Rabatt aushandeln, aber diese fixe Summe wäre bei den Millionen Abrufen dennoch ein wirtschaftliches Risiko für YouTube.

Eine Beispielrechung: Laut der Internet-Marktforschungsfirma Comscore riefen deutsche Nutzer im April 2011 bei YouTube 3,8 Milliarden Videos ab. Einmal angenommen, 50 Prozent davon sind Musikvideos, deren Autoren die Gema vertritt: Dann müsste YouTube für die Videoabrufe in diesem Monat 11,4 Millionen Euro als Mindestvergütung an die Gema überweisen - diese Summe muss man erst mal mit Online-Werbung verdienen.

Bei der fixen Summe je Abruf als Mindestvergütung orientiert sich die Gema an ihren Tarifen für Download-Angebote im Netz (0,091 Euro pro Einzeltitel verlangt die Gema). Auch bei Streaming-Abos nimmt die Gema eine feste Mindestsumme (0,75 Euro je Monat und Endkunde). Keine Frage: Bei diesen Bezahlangeboten ist eine feste Summe für den Betreiber weniger riskant als bei einem rein werbefinanzierten Dienst wie YouTube. Die Gema argumentiert mit der Interaktivität: Anders als bei Radios könnten Nutzer bei YouTube gezielt heraussuchen, was sie hören wollen, daher sei eine höhere Mindestvergütung nötig.

Zu den Verhandlungen und konkreten Zahlen äußern sich weder YouTube noch Gema, nur so viel: "Dieser Tarif ist für werbefinanzierte Hosting-Plattformen wie YouTube nicht geeignet", sagt Google-Sprecher Oberbeck.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Copyrights
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.