Von Konrad Lischka
Das ist schwierig zu beurteilen. Eine sehr niedrige Mindestvergütung je Stream oder eine reine Umsatzbeteilung würde es Firmen wie Google erleichtern, neue Geschäftsmodelle wachsen zu lassen. Ein solches Zugeständnis der Gema wäre eine Wette auf die Zukunft: Sie ermöglichen jetzt ein werbefinanziertes Angebot und verzichten dafür vielleicht auf Einnahmen. Dafür wächst der Online-Werbemarkt im Musikvideoumfeld rasant, weil die Clips Reichweite bringen. Und irgendwann ist die neu geschaffene Umsatzquelle insgesamt viel größer als mögliche Verluste anderswo. Hinzu kommt die PR-Wirkung von kostenlos zugänglichen Musik-Clips: Sie könnten Zuschauer dazu bringen, Musik neuer Künstler anderswo zu kaufen - doch garantiert ist das nicht.
Diese Wette will die Gema offenbar nicht eingehen. Für eine hohe Mindestvergütung spricht, dass die Anreize für Plattformen wie YouTube sonst vielleicht nicht im Sinne der Komponisten und Autoren sind: Bei niedriger Mindestvergütung kann eine Plattform beachtliche Gewinne durch Werbung erzielen, auch wenn der Gesamtumsatz bei weitem nicht so hoch ist, wie Urheber das von Bezahlangeboten gewöhnt sind.
Conrad Fritzsch, Geschäftsführer des Internetmusiksender Tape.tv, hat Verständnis für diese Argumentation der Urheber, an die seine Firma über die Gema zahlt. Fritzsch sagt: "YouTube schafft hohe Reichweiten, gerade mit Stars. Doch die Pre-Roll-Werbeerlöse sind vergleichsweise gering." Einen allein auf Umsatzbeteiligung aus Pre-Rolls basierenden Deal nennt der Unternehmer für die Urheber "eine Wette auf die Vermarktungsleistung der Plattformen, die nicht aufgehen kann".
Tape.tv hat eine Vereinbarung mit der Gema, über Details gibt das Unternehmen keine Auskunft. Nur so viel sagt Fritzsch: "Wir machen kein klassisches On-Demand, Tape.tv ist eher wie Musikfernsehen, das man mit einem Klick personalisieren kann. Wir zeigen Clips basierend auf dem Geschmack der Nutzer." Man kann bei dem Sender nicht nur gezielt Video X von Star Y abrufen, sondern Clips, die dem ähnlich sind - das spricht dafür, dass die Gema von Tape.tv eine niedrigere Mindestvergütung je Stream verlangt (wenn überhaupt), weil die Interaktivität nicht so hoch wie bei YouTube ist.
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