Zensur im Netz Google droht neuer Ärger in Australien und Brasilien

Nicht nur in China wehrt sich Google gegen staatliche Eingriffe: In Brasilien muss das Unternehmen Strafe zahlen, weil auf einer Seite des Unternehmens Jugendliche beleidigt werden - und in Australien plant die Regierung den Aufbau eine Zensurinfrastruktur.

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Smartphone mit Google-Suche: Freies Internet für maximalen Gewinnfluss
dpa

Smartphone mit Google-Suche: Freies Internet für maximalen Gewinnfluss


China gilt als Feind des Internets und der freien Meinung, ein ausgeklügelter Filter und die obligatorische Selbstzensur schränken das Web ein. Google hat sich der Zensur in dem Land gerade entzogen, schließlich bedrohen Eingriffe in den Informationsfluss langfristig die geschäftlichen Interessen des Such- und Werbekonzerns. Doch nicht nur China gängelt das Netz - in Australien wird gerade ein Gesetz vorbereitet, nach dem vom Internet nur noch ein Kindernetz übrigbleibt. Seiten, die sich kein Alterslabel auf die Seite pappen wollen, werden gesperrt und dürfen erst nach einer Altersprüfung zugänglich gemacht werden.

Darüber hinaus gibt es Inhalte, die im australischen Netz ganz verboten werden sollen: Dazu gehören Kinderpornografie, Anleitungen zu Straftaten und Drogenherstellung und -konsum sowie Anstiftungen zum Terrorismus. Zuständig für die Sperren sind, so der Plan der Regierung, die Provider. Damit unterscheidet sich das australische Kindernetz deutlich von der deutschen Variante des Jugendschutzes im Internet.

Google erklärte, man halte das Vorhaben für bedenklich. Weil Australien als liberale Demokratie gelte, könnten andere Länder auf das Land verweisen und so ihre eigene Internetzensur rechtfertigen. Auch wenn Google es nicht offen ausspreche, der Vergleich zu China drängt sich auf, schreibt Arstechnica. Die Organisation Reporter ohne Grenzen beobachtet die Zensurpläne Australiens und zählt das Land als Anwärter für einen Platz in der Negativliste "Feinde des Internets".

Während Google in Australien die Auswirkungen der Filterinfrastruktur nur mittelbar betrifft, hat ein Gericht in Brasilien das Unternehmen direkt ins Visier genommen: Google muss Bußgelder zahlen. Solange auf Orkut, einem dem Unternehmen gehörenden sozialen Netzwerk ähnlich wie Facebook, zwei bestimmte Gruppen mit beleidigendem Inhalt zugänglich sind, werden umgerechnet 2100 Euro Strafe am Tag fällig. In den beiden genannten Gruppen werden den Angaben zufolge zwei Jugendliche beleidigt.

Geldstrafe für Beleidigungen in Brasilien

Das Gericht forderte den Internetkonzern zudem auf, künftig die Einrichtung von beleidigenden Seiten zu verhindern. Das Argument von Google Brasilien, dafür nicht über genügend technische Mittel und Personal zu verfügen, wies das Gericht mit Verweis auf die bisherige Selbstzensur des Konzerns in China zurück. In der Volksrepublik habe Google schließlich auch schon entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Erst kürzlich waren hochrangige Google-Manager von einem Gericht in Italien verurteilt worden, weil auf einer Videoplattform des Unternehmens ein Prügel-Clip abrufbar war. Googles Position zu derlei Verurteilungen: "Das ist, als ob man Angestellte eines Postdienstleisters belangen will, weil mit der Post auch Hassbriefe verschickt werden."

Diese Urteile bedrohen nicht nur Googles Geschäftsmodell: Denn die Betreiber von Portalen, in denen Nutzer eigene Inhalte hochladen, wollen nicht jede Veröffentlichung vorab kontrollieren. Der hohe Personalaufwand ließe sich kaum refinanzieren. Sie setzen stattdessen auch auf die Hilfe ihrer Nutzer: Entdecken diese etwas Anstößiges, können sie es dem Betreiber zur Kontrolle melden. Schreitet der Portalbetreiber nur schnell genug ein, entgeht er einer Haftung.

Mit Material von AFP

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Forum - Google und China - die richtige Entscheidung?
insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
avollmer 23.03.2010
1. Fortschritt
Es ist in so weit ein Fortschritt, dass die Informationen über existierende Angebote im Web jetzt auch in China in Landessprache verfügbar sind. Dass die eigentlichen Angebote regulär nicht angewählt werden können hat sich gegenüber bisher nicht geändert. Aber das ist ein anderes Thema und für den interessierten Festlandschinesen ein nicht unlösbares Problem. Aber die Verfügbarkeit der Information, dass und wo eine Information existiert, ist ein Fortschritt.
berntie 23.03.2010
2. Ja
Zitat von sysopEs klingt wie ein Befreiungsschlag, doch Googles Umzug nach Hongkong bringt den chinesischen Nutzern nicht die Internet-Perestroika. An Stelle des Web-Konzerns übernimmt nun die staatliche Filtersoftware direkt den Zensurjob. War es von Google dennoch die richtige Entscheidung?
Googles Motivation ist natürlich nicht der ehrenhafte Kampf für Meinungsfreiheit. Aber die Entscheidung an sich ist natürlich nur zu begrüßen, auch wenn die Motive fragwürdig sein mögen.
Hollymoonstar 23.03.2010
3. Ein Witz
Der Western gleich W China gleich C W sagt zu C: Ihr sollt nun alle universellen (westlichen) Normen akzeptieren, Menschenrechte, Demokratie, Freiheit, aber außer dem gleichen Lebensstandard wie im Western! C sagt W: Nein, ganz deutliches Nein, wir akzeptieren alle westlichen scheinheiligen Normen einschließlich der Freiheit und Demokratie nicht, die einzige Ausnahme ist aber der gleiche Lebensstandard wie im Western!
Meckermann 23.03.2010
4. Western
Zitat von HollymoonstarDer Western gleich W China gleich C W sagt zu C: Ihr sollt nun alle universellen (westlichen) Normen akzeptieren, Menschenrechte, Demokratie, Freiheit, aber außer dem gleichen Lebensstandard wie im Western! C sagt W: Nein, ganz deutliches Nein, wir akzeptieren alle westlichen scheinheiligen Normen einschließlich der Freiheit und Demokratie nicht, die einzige Ausnahme ist aber der gleiche Lebensstandard wie im Western!
Bei Western muss ich an John Wayne denken...
Peter Werner 23.03.2010
5.
Gemäß dieser (begrüssenswerten) Logik müsste sich google auch aus Deutschland zurückziehen. Auch hier werden zahlreiche Suchergebnisse zensiert; erkennbar an "aus Rechtsgründen sind xxx Ergebnisse entfernt" in der Fußzeile der Suche.
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