Überwachungsprogramm Prism: Die wackeligen Dementis von Larry Page und Mark Zuckerberg

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Facebook-Chef Zuckerberg: "Ich habe nichts von Prism gewusst"

Larry Page und Mark Zuckerberg geben sich ahnungslos: Die Chefs von Google und Facebook wollen nichts vom NSA-Überwachungsprogramm Prism gewusst haben. Doch nach Erkenntnissen der "New York Times" geben sie nicht die ganze Wahrheit preis.

San Francisco/Berlin - Google-Mitgründer Larry Page gibt sich empört. "What the..." hat er seinen Blog-Eintrag in der Nacht zum Samstag überschrieben. "Wir sind keinem Programm beigetreten, das der US-Regierung oder irgendeiner anderen Regierung direkten Zugang zu unseren Servern gewähren würde", beteuert Page. Auch eine Hintertür für die staatlichen Datenschnüffler gebe es nicht. Von der Existenz des Prism-Überwachungsprogramms will der Vorstandschef von Google erst am Donnerstag erfahren haben.

"Jede Anschuldigung, dass Google Informationen über die Internetaktivitäten in derart großem Rahmen weitergibt, ist völlig falsch", schreibt Page. Er verweist darauf, dass sein Unternehmen Anfragen der Regierung in einem Transparenzbericht offenlegt, wann immer es die Gesetze zulassen.

"Sichere Portale" statt Hintertüren

Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dementierte die Anschuldigungen gegen sein Unternehmen persönlich. Facebook habe nie eine Anfrage zum Zugriff auf seine Server erhalten. Der 29-Jährige versicherte zudem, dass sich seine Firma "aggressiv" gegen jede Anfrage gewehrt habe. Daten würden nur im Falle gesetzlicher Anordnungen herausgegeben.

Die beiden Unternehmer widersprechen damit den Informationen, die sich aus geheimen Unterlagen der NSA ergeben. Die Dokumente, aus denen "Guardian" und "Washington Post" zitieren, legen nahe, dass Google bereits seit Januar 2009 Teil des Prism-Programms ist. Die Google-Tochter YouTube folgte im September 2010. Seit Juni 2009 sollen die Geheimdienstler Zugriff auf die Facebook-Daten haben.

Ein Bericht der "New York Times" vom Samstag beschreibt, wie das System für die Datenübergabe an den Geheimdienst ausgesehen haben könnte: Demnach hat die US-Regierung mit Google und Facebook über die Errichtung "separater, sicherer Portale" verhandelt, die zumindest zum Teil auf Servern der Unternehmen liegen sollten. Diese Portale hätten dann wie ein Briefkasten für angeforderte Daten funktioniert. Das Unternehmen legt die Daten dort ab, der Geheimdienst kann dann frei darauf zugreifen.

Stillschweigen über Geheimdienstanfragen

Die auf diese Weise übermittelten Daten sollten jedoch erst übermittelt werden, nachdem Juristen der betreffenden Unternehmen die Rechtmäßigkeit der Anfrage überprüft hatten. Der Geheimdienst hätte damit außerdem nur Zugriff auf einen Teil der Unternehmensserver. In jedem Fall hätten Google und Facebook damit aber der Regierung den Zugriff auf ihre Nutzerdaten erleichtert.

Die "New York Times" lässt offen, ob diese Pläne tatsächlich umgesetzt worden sind. Facebook soll aber so ein System für die Anfrage nach und den Austausch von Informationen errichtet haben.

Sollte dies wirklich der Fall gewesen sein, wären die Dementis von Zuckerberg und Page zumindest irreführend. Denn auch wenn die Unternehmen rechtlich zur Weitergabe von Daten nach dem amerikanischen Auslandsspionage-Gesetz (Fisa) verpflichtet sind, stehen sie nicht in der Pflicht, den US-Geheimdiensten den Zugriff auf diese Daten zu erleichtern. Genau das haben sie aber möglicherweise getan - ganz ohne dass die Agenten einen direkten Zugang oder eine Hintertür für die Server benötigten.

Die Internetunternehmer verschweigen möglicherweise auch aus rechtlichen Gründen das volle Ausmaß ihrer Zusammenarbeit mit der NSA. Jene Angestellten, die mit der Beantwortung von Geheimdienstanfragen befasst sind, müssen laut Gesetz nämlich über ihre Zusammenarbeit Stillschweigen bewahren - auch gegenüber ihren Kollegen. Damit ist es durchaus möglich, dass Page und Zuckerberg die Wahrheit sagten, als sie behaupteten, noch nie vom Prism-Projekt gehört zu haben.

syd/dpa

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1.
enni3 08.06.2013
Zitat von sysopLarry Page und Mark Zuckerberg geben sich ahnungslos: Die Chefs von Google und Facebook wollen nichts vom NSA-Überwachungsprogramm Prism gewusst haben. Doch nach Erkenntnissen der "New York Times" geben sie nicht die ganze Wahrheit preis. Zuckerberg und Page dementieren Kenntnis über NSA-Programm Prism - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/zuckerberg-und-page-dementieren-kenntnis-ueber-nsa-programm-prism-a-904505.html)
Ach ja Herr Zuckerberg? Sie sammeln jedes Bit und Byte Ihrer Nutzer für die Werbeindustrie. Sie maßen sich an, jedwedige Daten der Nutzer als Ihr Eigentum anzusehen (nicht endgültig löschbar). Und dann wollen Sie uns erzählen, Sie hätten nicht an die NSA geliefert, wo die Sie als Lieferanten führen. Wenn Sie gesagt hätten, es wäre nix geliefert worden, weil es keinen Gewinn bringt, hätte ich es Ihnen vielleicht noch glauben können, aber so?
2. C h a n g e
mehrgedanken 08.06.2013
Zitat von sysopLarry Page und Mark Zuckerberg geben sich ahnungslos: Die Chefs von Google und Facebook wollen nichts vom NSA-Überwachungsprogramm Prism gewusst haben. Doch nach Erkenntnissen der "New York Times" geben sie nicht die ganze Wahrheit preis. Zuckerberg und Page dementieren Kenntnis über NSA-Programm Prism - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/zuckerberg-und-page-dementieren-kenntnis-ueber-nsa-programm-prism-a-904505.html)
Yes Mr President, this will really change the world! Wo war jetzt noch gleich der Unterschied zu China, Russland, Nord-Korea und so?
3.
OneTwoThree 08.06.2013
Zitat von sysopAuch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dementierte die Anschuldigungen gegen sein Unternehmen persönlich. Facebook habe nie eine Anfrage zum Zugriff auf seine Server erhalten. Der 29-Jährige versicherte zudem, dass sich seine Firma "aggressiv" gegen jede Anfrage gewehrt habe.
Ach, die Anfragen, die es nie gab, wurden jedesmal abgewehrt. Klingt für mich recht überzeugend oder so ähnlich.
4. Es wird ...
spiegelleser987 08.06.2013
Zitat von sysopLarry Page und Mark Zuckerberg geben sich ahnungslos: Die Chefs von Google und Facebook wollen nichts vom NSA-Überwachungsprogramm Prism gewusst haben. Doch nach Erkenntnissen der "New York Times" geben sie nicht die ganze Wahrheit preis. Zuckerberg und Page dementieren Kenntnis über NSA-Programm Prism - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/zuckerberg-und-page-dementieren-kenntnis-ueber-nsa-programm-prism-a-904505.html)
Es wird Realität. Bald haben wir 1984. Und mit der Googlebrille kann man jeden verfolgen. Den Tipp hätte man George Orwell geben können. Oder wusste er das schon und hat sich nur nicht getraut, den Tipp in sein Buch aufzunehmen.
5. Zwei Möglichkeiten
spiegelleser_12345 08.06.2013
Zitat von sysopLarry Page und Mark Zuckerberg geben sich ahnungslos
Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: 1. Sie wußten wirklich nichts davon => Sie sollten abtreten 2. Sie kannten die Vorgänge genau => Sie sollten abtreten
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