Zwei-Klassen-Internet: Telekom-Chef stellt Netzneutralität in Frage

Das wird noch für Ärger sorgen, auch mit der Bundesregierung: Telekom-Chef René Obermann behält sich vor, künftig mehr Geld von Anbietern datenintensiver Internet-Dienste zu fordern. Das aber verstößt gegen das Prinzip der Netzneutralität - zu dem sich Berlin immer wieder bekannt hat.

René Obermann: "Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig" Zur Großansicht
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René Obermann: "Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig"

Hamburg - Die Deutsche Telekom will Anbieter von datenintensiven Diensten wie Google und Apple künftig stärker zur Kasse bitten. "Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig", sagte Telekom-Chef René Obermann dem "Manager Magazin". Wenn die Telekom besondere Netzsicherheit oder höchste Übertragungsqualität zum Beispiel für Musik oder Video biete, müsse dies "auch differenziert bepreist werden". Entsprechende Diskussionen mit Dienste-Anbietern wie Google seien angestoßen. Es ist nicht das erste Mal, das Obermann entsprechende Wünsche formuliert.

Einige Telekomkonzerne planen in Zukunft mit differenzierten Tarifen mehr Geld für höhere Datenvolumina auf ihren Netzen zu bekommen. Bei den Mobilfunkanbietern zeichnet sich ein Trend ab, die Datentarife fürs mobile Internet nach unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu staffeln. Vodafone hat bereits Anfang des Jahres einen Tarif für eine höhere Bandbreite eingeführt. Bei der Deutschen Telekom ist dazu noch keine Entscheidung gefallen.

Mit seinen Äußerungen bereitet Obermann jedoch eine Auseinandersetzung vor, die im Ende auch zu einem Konflikt zwischen dem ehemaligen Staatskonzern und der Bundesregierung führen könnte. Denn die sogenannte Netzneutralität, also die Gleichberechtigung von Inhalten bei der Netz-Durchleitung unabhängig von Art oder Anbieter der Inhalte, steht als Grundsatz sogar im Schwarz-Gelben Koalitionsvertrag. Man werde "die Entwicklung (...) sorgfältig beobachten und nötigenfalls mit dem Ziel der Wahrung der Netzneutralität gegensteuern", heißt es im Vertrag. Diverse Kabinettsmitglieder haben in Reden und Grundsatzpapieren seitdem immer wieder Bekenntnisse zum Prinzip Netzneutralität formuliert. Gestaffelte Tarife für Netzwerk-Leistungen erster und zweiter Klasse widersprechen diesem Prinzip diametral.

In den USA wird diese Debatte bereits seit Jahren erbittert geführt, aber auch US- Präsident Obama hat sich deutlich zum Prinzip der Netzneutralität bekannt.

Im Gespräch mit dem "manager magazin" wiederholte Obermann außerdem frühere Aussagen zum Thema Übernahmen. Die Deutsche Telekom will künftig vor allem mit eigenen Internetprodukten in neue Auslandsmärkte expandieren. So sollen beispielsweise die Produkte der konzerneigenen Load-Familie Musik, Spiele, Filme und Software zum Herunterladen sowie die Angebote der Scout-24-Gruppe verstärkt im Ausland angeboten werden. Auf diese Weise könne der Bonner Konzern weitere Märkte erschließen, ohne ein eigenes Netz zu kaufen, sagte Obermann. "Diese smarte Expansion ziehen wir milliardenschweren Zukäufen vor." Kleinere Akquisitionen, etwa im Internetbereich, seien indes weiterhin denkbar.

cis/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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1. Wer Regeln durchsetzen will muss Gesetze erlassen
ajf00 21.07.2010
Zitat von sysopDas aber verstößt gegen das Prinzip der Netzneutralität - zu dem sich Berlin immer wieder bekannt hat.
Ist doch laecherlich der Artikel, wenn "Berlin sich dazu bekannt" haette, dann haetten sie ein Gesetz gemacht. Man kann fuer oder gegen Netzneutralitaet sein, aber wenn wir uns als Gesellschaft fuer Netzneutralitaet entscheiden, dann muessen unsere demokratisch gewaehlten Vertreter eben ein entsprechendes Gesetz erlassen. Nichts tun und sich dann beklagen, dass ein profitorientiertes Privatunternehmen innerhalb des gesetzlichen Rahmens seine Moeglichkeiten nutzt Geld zu verdienen ist dumm. Das gilt beim Thema Netzneutralitaet genauso wie bei der Regulierung der Finanzmaerkte.
2. Wie jetzt?
gilbrator 21.07.2010
das bezahle ich doch als Kunde mit meiner monatlichen Telefonrechnung?! Wieso kassieren die denn jetzt zweimal ab?!
3. NEIN! Bloss nicht!
sikasuu 21.07.2010
Nein nicht diese Nummer. Ich habe nicht viel für Apple, Google und Co... überig, (sie machen Geschäft auf Kosten anderer) aber das Modell zu Ende gedacht heißt doch: Erst zahlen die, dann bekommen sie auch die versprochene Bandbreite, und wenn es dann eng wird, werden die Normalanwendungen gedrosselt, weil ZAHLENDE Kunden bevorzugt werden. Willkommen bei Mail-Laufzeiten von > 1 Tag. Forumszugriffen wie zu Modemszeiten..... Wir haben schon genug "unechte Flatrate" und gelogene Geschwindigkeiten. Wenn das durchkommt ist das Netz kaputt, Dann wird nur noch geroutet wer zahlt. Internet als Medium für Firmen die das Geld haben und "dusselige" User die vor dem Rechner wie vor der Glotze sitzen. Nein danke! Die Telkos sollten sich ein anderes Modell ausdenken, wie sie an den Gewinnen der Inhaltsanbiter partizipieren können. Netzneutalität ist das Rückrad des Netzes. Diese Ideen sind der Tot für dan Netz. Brummelige Gruesse Sikasuu
4. schlechter Dienst
SBasker 21.07.2010
Zitat von sysopDas wird noch für Ärger sorgen, auch mit der Bundesregierung: Telekom-Chef René Obermann behält sich vor, künftig mehr Geld von Anbietern datenintensiver Internet-Dienste zu fordern. Das aber verstößt gegen das Prinzip der Netzneutralität - zu dem sich Berlin immer wieder bekannt hat. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,707695,00.html
Wenn der Telekom-Chef die Netzneutralität anzweifelt, dann erweist er seinem Unternehmen einen sehr schlechten Dienst. Gerade die Telekom ist auch auf die Sympathie der Internet-Nutzer angewiesen. So werden Kunden nur verschreckt und abgestoßen: Customer-Relationship-Management bedeutet, dass ein Unternehmen konsequent auf seine Kunden ausgerichtet wird (http://www.plantor.de/2010/cobra-crm-pro-2010-software-von-menschen-fuer-menschen/).
5. Tikom
wasissn 21.07.2010
Die Telekom war schon seit 1990 ein Hemmschuh bei der Entwicklung des Internets. Der durch die Telekom daruch angerichtete volkswirtschaftliche Schaden ist sicher enorm. Man erinnere sich an deren proprietären Dienste, die noch nicht einmal Email-kompatibel waren. Nur durch den Druck der Kunden ist man überhaupt auf die offenen WWW-Standards gegangen. Einem geschützten quasi Staatskonzern sind offene Strukturen und Wahlmöglichkeiten der Kunden schon immer ein Dorn im Auge gewesen und sind es auch heute noch, man denke nur an das eifoon.
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