Wie ein Lehrer für das Verbot argumentiert - Friedrich Huneke aus Hannover gehört zu der relativ kleinen Gruppe, die für ein Verbot von gewalttätigen Computer- und Videospielen plädiert. Er berichtet aus seinem Berufsalltag als Lehrer: "Die Ursachen von Gewalt unter Jugendlichen sind selbstverständlich vielfältig, aber jeder, der mit Kindern und Jugendlichen pädagogisch reflektierend umgeht, kennt auch Prägungen durch Nachahmung und Peergroup-Verhalten. Falsche Identitäten setzen sich aus vielen Mosaiksteinen zusammen - mediale Vorbilder gehören dazu, wie ich es auch täglich an einigen Schülern explizit sehe."
Wie ein Pazifist für Killerspiele wirbt - Stephan Peery hat bei sich selbst keine negativen Folgen feststellen können. Er schreibt: "Ich bin mit dem ominösen Spiel "Counter-Strike" aufgewachsen. Spiele es schon seit der ersten Beta, da war ich 15. Nun bin ich 20, Zivildienstleistender aus Überzeugung und streng pazifistisch. Komischerweise hat mich das Killerspiel nicht zum Killer gemacht."
Misstrauen gegenüber der Wissenschaft - K. Weigang möchte die Debatte nicht den Forschern überlassen: "Das Argument, gewalttätige Computerspiele hätten keinen Einfluss auf das reale Verhalten von Jugendlichen, kann ich so nicht gelten lassen. Wie wollte man so einen Einfluss nachweisen? Dazu müsste man eine große Gruppe von Jugendlichen diese Spiele zwangsweise spielen lassen, und einer anderen Gruppe zwangsweise vorenthalten. Ca. 15 Jahre später könnte man dann feststellen, in welcher Gruppe mehr Gewaltverbrechen durchgeführt wurden. Natürlich wird es keine solchen Studien geben. Aber wenn man etwas empirisch nicht beweisen kann, heißt das noch lange nicht, dass kein Zusammenhang besteht. Und im Einzelfall kann man sowieso nie sagen, was die Auslöser waren. Für mich ist es aus tiefstem Herzen unverständlich, wie man sich mit der virtuellen Tötung anderer Menschen vergnügen kann."
Erkenntnisse aus der Wissenschaft - Thomas Mikl schreibt gerade an seiner Diplomarbeit - zum Thema Onlinespiele. Er ist überzeugt, dass "diese sogenannten Killerspiele keinen Menschen dazu bringen Amok zu laufen oder gar abzustumpfen". Er findet, in der Debatte um Medienverbote wird mit zweierlei Maß gemessen: "Gewaltsportarten wie 'Fight Night' oder Boxkämpfe sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (ARD), wo ein Gegner blutüberströmt im Ring liegt, oder Fechten, wo es ja tatsächlich um das 'Erstechen' des Gegners geht, bleiben davon unbehelligt."
Kampf gegen Mobbing - David Larwa aus Waghäusel sucht nach den Gründen für den Amoklauf von Emsdetten - dass Spiele daran Schuld sind, glaubt er nicht: "Der Amokläufer hat den Grund seiner 'Rache' doch selbst gesagt. Es ist von ALLEN Gewalttätern in der Schule derselbe Grund: Ausgrenzung, Hänseleien, Unterdrückung, hervorgerufen durch das äußere Erscheinungsbild oder von einem gesellschaftsuntypischen Verhalten. Anstatt Ballerspiele oder manchmal auch Rockstars zu verteufeln, sollte man der kollektiven Unterdrückung von Minderheiten oder einzelnen Personen den Nährboden entziehen und endlich die Schuluniform einführen (oder wenigsten einen Dresscode)!"
Kampf gegen illegalen Waffenbesitz - Jörg Mengwasser aus Berlin findet, dass die Prioritäten in der Debatte falsch gesetzt werden: "Die Politiker sollten sich, anstatt über das Verbot von Ballerspielen zu diskutieren, darüber unterhalten, wie es zu vermeiden wäre, dass solche jungen Leute an Sprengstoff-fähige Chemikalien und Waffen kommen!!"
Kampf für mehr Mitmenschlichkeit - Maja Nicole Gliesche ist ebenfalls der Meinung, dass die Diskussion über die Tat in eine falsche Richtung läuft: "Vielleicht kommt ja mal einer der Damen und Herren Politiker auf die Idee, statt eines sinn- und wirkungslosen Verbotes ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das die Menschen verpflichtet, aufmerksam und respektvoll miteinander umzugehen. Das wäre zwar auch nicht viel wirkungsvoller, würde aber zeigen, dass man kapiert hat, wo das eigentliche Problem liegt. Alle der Amokläufer fühlten sich als Loser und Verlierer, hatten keine Freunde und fühlten sich wertlos und unverstanden. Wie kann das die Umwelt nicht mitkriegen und nicht darauf reagieren? Das kann leider nur daran liegen, dass jeder für sich allein kämpft und keiner bereit ist, sich um einen anderen Menschen zu kümmern."
Ursachen und Zusammenhänge verwechselt - Hendrik Siefert, selbst Medienwissenschaftler, beschäftigt sich in seiner Zuschrift ebenfalls mit der These, wonach Medienkonsum zu Gewaltbereitschaft führt: "Diese Kernaussage der einen Seite der Debatte wird, wenn denn überhaupt empirisch argumentiert wird, hauptsächlich auf Korrelationskoeffizienten gestützt. Diese weisen aber nur auf Zusammenhänge hin und sind gänzlich ungeeignet, Ursachenzuschreibungen zu belegen. Schaut man hingegen auf die realen Verhältnisse (fast jeder Amokläufer hat Computerspiele gespielt - fast kein Computerspieler läuft Amok), so liegt der umgekehrte Schluss nahe: dass nämlich der Faktorenkomplex, der die Lebensumstände eines Amokläufers prägt, unter anderem Computerspielekonsum begünstigt."
Auslöser und Folgen verwechselt - Horst Riedewald schreibt: "Diverse Politiker zäumen hier das Pferd von hinten auf. Menschen werden nicht gewaltbereit durch 'Killerspiele', sondern gewaltbereite Menschen spielen zumeist auch diese 'Killerspiele' - allerdings genauso wie die anderen Millionen, die weder Amoklauffantasien haben noch gewalttätig sind. Ich selbst (20 Jahre alt) habe bis vor kurzem auch sogenannte 'Killerspiele' gespielt, aber inzwischen das Interesse verloren. Überraschenderweise bin ich nie gewalttätig geworden. Meiner Meinung nach wird hier von den Politikern eine kostengünstige/kostenlose Lösung gesucht, um das Volk zu beruhigen, denn Schulpsychologen kosten Geld."
Eltern sind gefordert - Oliver Gehler, Inhaber einer Druckerei in Düren, betont die Verantwortung des Elternhauses: "Ich selber konsumiere Konsolenspiele schon seit Anfang der achtziger Jahre, als mein Vater mir einen VCS 2600 zum Geburtstag schenkte. Diesem Hobby bin ich bis heute verbunden geblieben, es ermöglicht mir als Unternehmer zu später Stunde eine gewisse Zeit der Entspannung. Dass bestimmte Spiele entsprechend ihrer Darstellung nicht in die Hände von Jugendlichen oder gar Kinder gehören ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Aber es obliegt alleine den Erziehungsberechtigten dafür Sorge zu tragen. Als Vater von zwei Söhnen bin ich mir nicht nur dieser Verantwortung sehr bewusst."
cis
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