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08.12.2006
 

Wir spielen Wii

Verrückte Kaninchen im Märchenwald

Von Carsten Görig

Zum Verkaufsstart der neuen Nintendo-Konsole gibt es mit "The Legend of Zelda" ein wunderbares Märchen, mit "Rayman Raving Rabbids" einen bizarren Witz und mit "Wii Sports" die Geheimwaffe, mit der Nintendo die Menschheit zum Spielen bringen möchte. Eine Übersicht zum Start.

Eine Konsole ist nur so gut wie ihre Spiele. Das ist eine Binsenweisheit, denn Spaß machen schließlich nicht Grafikchip und Prozessor, sondern das, wofür man sie verwendet. Bei Nintendos Wii sind diese Bauteile nicht so leistungsfähig wie bei den großen Geschwistern, der Xbox 360 und der Playstation 3, die in Europa erst im kommenden Frühjahr herauskommt – dafür aber gibt es ein neues Bedienungskonzept. Und das ist bei vielen der Titeln, die zum Start erscheinen, gut in Szene gesetzt worden.

Am schönsten wohl bei "The Legend of Zelda – The Twilight Princess". Das ist ein zauberhaftes Märchen, in dem ein Junge loszieht, um die Welt vor dem Untergang zu retten. Das klingt nicht neu, doch das Spiel ist stimmig, die Atmosphäre toll, die Optik einzigartig. Das fällt vor allem bei Dingen auf, die man noch nie in Spielen gemacht hat.

Wenn das erste Mal die Angel ausgeworfen wird zum Beispiel: Das geschieht, indem man mit dem nach Fernbedienung aussehenden Controller der Wii, die echte Wurfbewegung imitiert und dann sanft zieht, Fische lockt, bis sie anbeißen. Und sie dann mit großem Schwung an Land holt. Lange könnte man dasitzen und angeln, wenn nicht die große Aufgabe warten würde. Und man nicht durch ein wunderschönes Land ziehen, Kämpfe bestehen und Rätsel lösen müsste. Die unter Fans absolut legendäre "Zelda"-Serie hat mit der neuen Inkarnation einen neuen Gipfelpunkt erreicht.

Tennisschläger, Angel, Bowlingkugel, Schwert

Während "Legend of Zelda" für Anfänger ein vielleicht zu komplexes Spiel ist, kommen diese mit dem der Konsole beiliegenden "Wii Sports" auf ihre Kosten. Das ist ein Spiel, das in zweckmäßig niedlicher Optik daherkommt. Was nichts ausmacht, denn hier geht es vor allem um den Controller, der wie ein Sportgerät eingesetzt wird. Er kann zum Tennisschläger werden, wenn man ihn in einer Hand hält, dreht man ihn leicht, lassen sich ein Slice oder Topspin schlagen. Oder man benutzt ihn als Bowlingkugel. Stellt kurz den Winkel ein, in dem geworfen werden soll und holt dann aus.

Nur loslassen sollte man das "Wiimote" genannte Bedienteil nicht, sonst könnte es wertvolles Inventar zerstören. Eher Spielerei als wirkliches Spiel ist "Wii Play". Mit seinen zehn kurzen Games wie Tontaubenschießen oder Laserhockey ist es eine Art interaktive Gebrauchsanleitung für die Bedienung der Konsole. Da ihm allerdings eine weitere Wiimote beiliegt und dieses Paket kaum teurer ist als ein einzelnes Gerät, lohnt sich der Kauf – allerdings nur, wenn man öfter mit Freunden spielt.

Wunderbar sinnfrei, anarchisch, saukomisch

Das allerdings empfiehlt sich dringend – vor allem bei "Rayman Raving Rabbids", einem Spiel, dass einen durch seine Absurdität unter Umständen tatsächlich zum lachen bringt. Wer einmal mit über Kopf kreisendem Controller Kühe geworfen, als Fledermaus fliegend Schweine eingefangen oder falsch singenden Chorknaben eine gelangt hat, weiß warum.

"Rayman Raving Rabbids" ist wunderbar sinnfrei, anarchisch und dazu angetan, sich vor den Mitspielern fuchtelnd und mit den Armen wedelnd einfach zum Affen zu machen. Nebenbei zeigt es im Schnelldurchlauf, was mit der Wii alles möglich sein kann. Wer bizarre Spielideen liebt und nicht auf das durchgedrehte "Wario Ware" von Nintendo selbst warten mag, ist hier bestens bedient.

Eher konventionell ist "Red Steel", eine Mischung aus Shooter und Schwertkampfspiel. Das funktioniert ganz einfach: Mit der sogenannten Nunchuck-Erweiterung des Controllers in der linken Hand, in die auch ein Joystick eingebaut ist, steuert man die Figur durch die Gänge, mit der Wiimote wird geschossen oder ein Schwert geführt.

"Red Steel" ist eher ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird als ein wirklich überragendes Spiel. Manchmal ist es spannend und herausfordernd, manchmal wirkt es etwas lustlos und man bekommt das Gefühl, dass "Red Steel" vor allem etwas beweisen soll: Dass die Wii nicht nur eine Kinderkonsole mit Rumhampelei ist, sondern auch erwachsene Action bringt. Das macht "Red Steel" ganz gut.

Nicht nur neue Spielwelten sind es, die für die Wii aufgebaut werden. Viele Spiele sind Fortsetzungen bekannter Reihe. Mal sind sie gut auf die Wii abgestimmt wie das Affenkugel-Game "Super Monkey Ball: Banana Blitz", das Skaterrennen "Tony Hawk's Downhill Jam" oder der Weltkriegsshooter "Call of Duty 3". Mal sind es recht einfache Umsetzungen mit Zusatzfeatures wie beim Rennspiel "Need for Speed Carbon". Wenn eine Konsole nur so gut wie ihre Spiele ist, dann ist die Wii auf jedem Fall auf einem guten Weg.

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