Von Johannes Sträter
"Die Mothman Prophezeiungen", USA 2002. Regie: Mark Pellington. Darsteller: Richard Gere, Laura Linney. FSK: 12 Jahre. Format: 2,35:1 (16:9). Preis: 3,30 Euro
Damit wir bloß nicht denken, alle Dämonen mit der Silvesterknallerei vertrieben zu haben, führt uns der Journalist John Klein (Richard Gere) in diesem Film nach Point Pleasant, einem Kleinstadtkaff, in dem er nicht nur auf rätselhafte Weise Visionen seiner verstorbenen Frau erlebt, sondern auch die unerklärlichen Erscheinungen eines rotäugigen, geflügelten Wesens. Immer noch vom Tod seiner Frau traumatisiert, taucht John in die mysteriöse Atmosphäre der vom "Mottenmann" heimgesuchten Kleinstadt ein und versucht gleichzeitig verzweifelt, das Rätsel dahinter zu verstehen. Mit subtilem Horror und ungewöhnlichen Bildideen umgesetzter Mystery-Thriller, der wunderbar zur Jahreszeit passt.
Hintergrund: Mit dem "Mottenmann" nahm sich der neben feinen Gruselwerken ("Arlington Road") auch für seine U2-Videos bekannte Mark Pellington eine Figur zur Brust, die den Ort "Point Pleasant" im US-Staat Virginia berühmt machte: Zwischen November 1966 und Dezember 1967 soll dort mehr als 100 mal ein fast zwei Meter großes Flügelwesen gesichtet worden sein, UFOs tauchten auf, fleißige Regierungsbeamte, so genannte "Men in Black", vertuschen das alles angeblich, und schließlich kamen auch noch 46 Menschen beim Zusammenbruch einer Brücke ums Leben - auch dafür soll der Mottenmann verantwortlich gewesen sein.
Ob Hysterie oder echtes unerklärliches Phänomen, der Mottenmann ist längst so etwas wie Point Pleasants Nessie und ein fester Bestandteil der Populärkultur. Bis heute werden Mottenmann-Festivals organisiert , Museen eingerichtet, Statuen aufgestellt und natürlich wird fleißig weiter an der Legende gestrickt - auch auf etlichen Webseiten, von denen die Wikipedia die Wichtigsten erschließt. Der Autor John Keel recherchierte 1975 das Phänomen, machte es durch Veröffentlichung seines Buches "The Mothman Prophecies" überregional bekannt und lieferte im Jahr 2000 auch das dazugehörige Filmdrehbuch, in dem er sich selbst als Journalist von Richard Gere verkörpern lässt.
Moderner Mythos, Verschwörungstheorie oder paranormales Phänomen? Sachlich kontern die, die solche Dinge gern nüchtern sehen: Folgt man den Biologen, aber auch den amerikanischen Ureinwohnern aus der Region, soll der Mottenmann zwar nur eine seltene Eulenart sein, doch genau weiß das natürlich niemand…
Erscheint am 03.01.2007
"Kiss of the Dragon", F/USA 2001. Regie: Chris Nahon. Darsteller: Jet Li, Bridget Fonda. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre (gekürzt). Preis: 3,30 Euro
Wie üblich findet sich auch hier wieder die um ein paar Gewaltszenen gekürzte Version des düsteren und actionreichen Martial-Arts-Krimis, in dem Jet Li als eisenharter chinesischer Bulle Liu Jan in üble Machenschaften seines korrupten französischen Kollegen verwickelt wird, dem er in Paris eigentlich nur bei der Verhaftung eines chinesischen Drogendealers helfen soll. Trotz der Beteiligung des Actionprofis Luc Besson ("Das fünfte Element") bei Drehbuch und Produktion fehlt dem Streifen leider die Raffinesse dessen eigener Werke, aber immerhin wird man mit genrespezifisch harten und atemberaubenden Kampfszenen belohnt, bei denen übrigens Akkupunkturnadeln und Essstäbchen eine recht perfide Rolle spielen.
Das Magazin ist seit dem 25.12. im Handel, nächste Ausgabe am 08.01.
"The Break up - Nackte Angst", USA 1998. Regie: Paul Marcus. Darsteller: Bridget Fonda, Kiefer Sutherland. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 16 Jahre
und
"Breaking Dawn", USA 2004. Regie: Mark Edwin Robinson. Darsteller: Kelly Overton, James Haven. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro
Nach ihrem gelungenen "Drachenkuss" mit Jet Li darf man Bridget Fonda hier direkt noch einmal bewundern, wenn sie als geschundene Ehefrau ihres eben ermordeten Ehegatten "Nackte Angst" verspürt. Ergänzt um eine reichhaltige Portion Psychothrill im zweiten Film kommt zwar ein gut kombiniertes, aber schon leicht müffelndes Schnäppchenpäckchen zusammen (siehe "Widescreen" Sonderheft 2/06 und "Widescreen" 01/07).
Ist seit dem 27.12. im Handel, nächste Ausgabe am 31.01.
"Chingachgook, die große Schlange", DDR 1967. Regie: Richard Groschopp. Darsteller: Gojko Mitic, Rolf Römer. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 6 Jahre. Preis 2,99 Euro
Wem die Indianermärchen von Karl-May zu kuschelig waren, der hatte immer schon die Wahl, mit James Cooper den steinigen Weg des Lederstrumpf zu gehen, denn dort fanden sich die weitaus cooleren Geschichten der Huronen und Mohikaner, der Trapper und ihrer kampferprobten Familien, und natürlich der französischen und englischen Truppen, die alle gegeneinander aufhetzten, um deren Länder für ihre Krone zu gewinnen. Mitten in der Gewalt entstand die Freundschaft zwischen dem Wildtöter Nat Bumpoo (Rolf Römer) und Chingachgook (Gojko Mitic), der in dieser Episode seine von den Huronen entführte Braut befreien muss, was in einem blutigen Massaker der Engländer gegen den von den Franzosen aufgehetzten Huronen-Stamm endet.
Hintergrund: Gojko Mitic, der seine ersten Erfahrungen als Stuntman und Schauspieler in den berühmten Karl-May-Verfilmungen der sechziger Jahre im Schatten von West-Häuptling Pierre Brice gemacht hatte, wurde schnell zum großen Häuptling des Ostens und spielte zahlreiche Indianer-Hauptrollen im DEFA-Kino. Daneben hatte der schnittige Südländer auch einige Erfolge am Theater, in der Science-Fiction und als TV-Moderator. Nach eigenen Regiearbeiten für eine Kinderfilmserie schließt sich 1992 der Kreis, als er mit 52 Jahren die Winnetou-Rolle des elf Jahre älteren Pierre Brice bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg übernimmt. 15 Spielzeiten lang ist er Winnetou, der Häuptling der Apachen, bis er im Herbst 2006 vom deutschstämmigen Türken Erol Sander abgelöst wird. Die DEFA-Reihe der "Superillu" brachte bereits sein DEFA-Debüt von 1966 als Häuptling Tokei-ihto mit dem Film "Der Große Sohn der Bärin", jetzt kann man die Sammlung um einen weiteres Mosaiksteinchen ergänzen.
Vom 04.01 bis zum 10.01. im Handel
"Hostage – Entführt", D/USA 2005. Regie: Florent Emilio Siri. Darsteller: Bruce Willis, Kevin Pollak. Format: 1,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro
Irgendwie scheint es mittlerweile normal zu sein, wenn ein 52 Millionen Dollar teurer Film bereits 21 Monate nach seinem Kinostart als Beileger verramscht wird. Dabei zeigt der große Bruce hier einmal mehr, dass in ihm ein ganzer Kerl steckt, auch wenn die Geschichte mit einer bitteren Niederlage als LAPD-Verhandlungsprofi Jeff Telley beginnt, bei der die ihm anvertrauten Geiseln umgebracht werden. Doch der nervenaufreibende Job, dem er anschließend durch Selbstdegradierung zu entfliehen versucht, folgt ihm in die vermeintlich ruhige Kleinstadt, nur dass jetzt auch noch seine Familie mit hineingezogen wird.
Hintergrund: Zusammen mit dem (noch) recht unbekannten französischen Action-Regisseurs Florent E. Siri ("Das Wespennest") und seinem Bruder David Willis produzierte der 1955 in Idar Oberstein geborene Bruce Willis ganz in der Tradition seiner legendären, dreiteilige Sequel "Stirb langsam" einen gewohnt unfreiwilligen, aber letztlich siegreichen Kampf gegen alles Ungemach, alle bösen Gegner und vor allem seine eigenen Widerstände, langt aber erst gegen Ende auch wieder so kräftig zu, wie man es von ihm kennt. Vielleicht holt er das ja im vierten Teil von "Stirb langsam" nach, der im Sommer in die Kinos kommen soll. Dann wird der gute alte John McLane wieder einmal Amerika vor bösen Terroristen retten – was Willis selbst 2003 auch schon mal hochnotpeinlich bei der Truppenbetreuung vor ein paar hundert Soldaten im besetzen Irak anbot, als er persönlich Saddam Hussein verprügeln wollte. Ob er das gleichzeitig von ihm ausgesetzte Kopfgeld für die Auffindung des mittlerweile hingerichteten Diktators in Höhe von einer Million Dollar jemals ausgezahlt hat, haben wir leider nicht herausbekommen.
Seit dem 29.12. im Handel, nächste Ausgabe am 12.01.
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Auch wenn der letzte Beitrag nun 2 Monate alt ist, möchte ich hier nochmal nachfragen. Belebt sich das Kino dank 3D-Technik wieder, oder scheint es nur ein Hype zu sein ? Persönlich habe ich bisher noch kein Film in 3D gesehen, [...] mehr...
das Geheimnis dürfte im Luxus liegen, den man sich alleine nicht leisten kann. Die Kinos müssen invetsieren. mehr...
Da geht mir richtig das Herz auf, wenn ich von Ihrem Kino lese. Hab' auch so eins in der Stadt und möchte es nie und nimmer missen... mehr...
Wie wäre es denn, wenn Filme gedreht würden, bei denen man an bestimmten Punkten als Zuschauer Einfluss auf den Handlungsablauf nehmen könnte, so dass man durch wechselnde Mehrheiten einen Film im Kino mehrfach sehen könnte, mit [...] mehr...
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