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15.01.2007
 

DVD-Filmbeileger

Bomben, Bayern, böse Buben

Von Johannes Sträter

Für den Start ins neue Jahr griffen die Verlage tief in die cineastische Mottenkiste. Doch wie das so ist: Wühlt man tief genug, entpuppt die sich als Wundertüte. Neben diversen Ballerorgien bieten die DVD-Beileger des Monats sogar seltene cineastische Highlights.

Computer- Bild

"Der City Hai", USA 1986. Regie: John Irvin. Darsteller: Arnold Schwarzenegger. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro

Kawumm: Wozu Handlung, wenn man es auch Krachen lassen kann?
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Kawumm: Wozu Handlung, wenn man es auch Krachen lassen kann?

Der klassische Actionkracher aus den achtziger Jahren beschert uns die Einmannarmee Arnold Schwarzenegger im gangsterverseuchten Chicago. Muskelbepackt, hünenhaft und treffsicher walzt er als Undercover-Agent Mark Kaminsky schön hirnlos durch die Stadt, jagt Ölraffinerien in die Luft und mäht unzählige Bösewichte quasi mit einem Zucken seiner Augenbraue nieder - natürlich ohne dabei auch nur den geringsten Kratzer abzubekommen.

Nach seinem Durchbruch als "Terminator" festigte Schwarzenegger als "City Hai" seinen Anspruch auf den Actionthron neben Silvester Stallone, der gleichzeitig mit dem ganz ähnlichen Streifen "City Cobra" in die Kinos kam und damit zumindest finanziell erfolgreicher war. Doch Arnie nahm die Sache nicht so ernst, war smarter, selbstironischer und brachte einfach mehr coolen Bumms auf dem Schirm.

Heute ist der Ex-Österreicher eine amerikanische Ikone, hat in den Kennedy-Clan eingeheiratet und wurde zum Gouverneur von Kalifornien gewählt. Schwarzenegger werden sogar immer wieder Ambitionen nachgesagt, es bis zum US-Präsidentenamt bringen zu wollen. Dafür wäre aber eine Verfassungsänderung nötig ("Lex Schwarzenegger"), die als äußerst unwahrscheinlich gilt.

Rocky boxt wieder: Stallones tragischer Box-Held steigt noch einmal in den Ring
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MGM / 20th Century Fox

Rocky boxt wieder: Stallones tragischer Box-Held steigt noch einmal in den Ring

Stallone steigt derweil mit 60 Jahren noch einmal in alter Manier als Rocky in den Ring. In aktuellen Interviews im Vorfeld zu "Rocky 6" (kommt im Februar in die Kinos) kommentierte er die "City"-Schaffensperiode, damals sei eben die Zeit reif gewesen für pure Action mit unbezwingbaren Superhelden - unter weitgehendem Verzicht auf so etwas wie nachvollziehbare Handlung, könnte man hinzufügen. Roger Ebert gab schon im Juni 1986 in der "Chicago Sunday Times" die Gebrauchsanweisung für diese skurrile Filmform: "Wenn Du Kerle mit Muskeln sehen willst, die Maschinengewehre auf Kerle ohne Muskeln abfeuern, ist dieser Film der Richtige für Dich. Hast Du mehr als Muskeln zwischen Deinen Ohren, versuch lieber was anderes".

Das Magazin ist seit dem 08.01. im Handel, nächste Ausgabe am 22.01.

Homevision

"Liebe und andere Grausamkeiten", CDN 1993. Regie: Denys Arcand. Darsteller: Thomas Gibson, Ruth Marshall. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 4,90 Euro

Mia Kirshner: Sorgte für das DVD-Comeback eines fast vergessenen Films
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Mia Kirshner: Sorgte für das DVD-Comeback eines fast vergessenen Films

"And now for something completly different" (Monty Python): Brad Fraser verwandelte hier 1993 sein tragikomisches Theaterstück "Nicht identifizierte Leichenteile und die wahre Natur der Liebe" von 1989 in ein ebenso schräges Filmdrehbuch.

Wer sich solche Titel ausdenkt, präsentiert natürlich keine Schonkost, und so sehen wir wie eine Hand voll hetero- und homosexueller Singles um die Dreißig ziellos auf der Suche nach der großen Liebe umherirren und Zeugen ihrer mehr oder weniger frustrierenden Abenteuer werden, während gleichzeitig ein blutig mordender Serienkiller die Stadt Montreal in Angst und Schrecken versetzt.

Obwohl solche "Generation X"-Storys mit skandalösem Touch in den neunziger Jahren schwer angesagt waren und der für seine ausgefuchsten Arbeiten bekannte Oskarpreisträger Denys Arcand ("Der Untergang des amerikanischen Imperiums") die einzelnen Episoden zu einem kunstvolles Potpourri verschmolz, floppte der Streifen an den Kinokassen weitgehend.

Vergessen wurde er dennoch nicht, und Anfang Dezember 2006 wurde endlich die erste deutsche DVD produziert - vielleicht auch ein wenig auf die Zugkraft von Mia Kirshner hoffend, die jüngst mit dem kommerziell wesentlich erfolgreicheren "Black Dahlia" wieder sehr präsent war und hier als noch sehr junge, hellseherische Domina zu bewundern ist. Aber das ist nur ein zusätzlicher Grund, um dieses cineastische Highlight nicht vorbei ziehen zu lassen: unseren Beileger-Tipp für die zweite Monatshälfte.

Seit dem 12.01. im Handel, nächste Ausgabe am 09.02.

PCgo und PC Magazin

"The Last Bandit - Zwei Gangster heizen ein", USA 1999. Regie: Scott Sanders. Darsteller: Alec Baldwin, Michael Jai White. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre
und
"Mein Herz schlägt rot – Die Geschichte des FC Bayern München" (nur PC Magazin)
und
"Der Wilde Westen ", Discovery Geschichte & Technik No.8 (nur PCgo). Preis: jeweils 6,99 Euro

Futter für Fans: Bremer, Schalker und den Rest interessiert das rote Herz wohl weniger
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Futter für Fans: Bremer, Schalker und den Rest interessiert das rote Herz wohl weniger

Auf den DVDs der beiden Computermagazine finden wir im Januar eine altbekannte, schwarz-humorige Krimikomödie mit Alec Baldwin, ergänzt um ein paar kleine Appetithäppchen. Von denen wird vielleicht die auf 30 Minuten eingedampfte Dokumentation über den bayerischen Vorzeige-Fußballclub einige Fans desselben (noch) glücklicher machen. Der große Rest der Fussballrepublik reitet stattdessen wahrscheinlich lieber virtuell mit der "PCgo" durch die Geschichte des "Wilden Westens" der USA.

Seit dem 05.01. im Handel, nächste Ausgabe am 02.02.

TV Movie

"Taxi", F 1998. Regie: Gérard Pirès. Darsteller: Samy Nacéri, Frédéric Diefenthal. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Preis: 3,30 Euro

Taxi bitte: Im französischen Erfolgsfilm zeigt sich, dass die schnellste Form des Nahverkehrs gelb ist
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Taxi bitte: Im französischen Erfolgsfilm zeigt sich, dass die schnellste Form des Nahverkehrs gelb ist

Wie bei so einigen Actionfilmen hatte auch hier mal wieder Altmeister Luc Besson ("Das fünfte Element") bei Drehbuch und Produktion die Finger mit im Spiel. Der Erfolg des Films initiierte prompt eine ganze Film-Reihe, die 2007 in die vierte offizielle Runde geht (dazu kommt ein US-Remake namens "New York Taxi" von 2003).

Oft ist bei solchen Serien aber der erste eigentlich der einzige Streifen, der das Sehen lohnt, und "Taxi" macht da keine Ausnahme: Anarchisch, witzig und mit rasender Action wird der charmante arabisch-französiche Ex-Pizza-Fahrer Daniel Morales (Samy Nacéri) in den verwinkelten Straßen der Hafenstadt Marseilles als geschwindigkeitssüchtiger Taxifahrer zum unfreiwilligen Hilfssheriff des Streifenpolizisten Émilien, der seine Führerscheinprüfung einfach nicht hinkriegt.

Nach etlichen Regelverstößen mit seinem aufgemotzten Renn-Taxi soll Daniel nun Émilien bei der Gangsterjagd helfen, sonst wird seine Lizenz eingesackt. Das lässt sich Daniel nicht zweimal sagen und mischt die seltsame Bande leicht faschistoider deutscher (!) Bankräuber mächtig auf.

Daniel Morales wurde für den 1961 in Paris geborenen Samy Naceri zur Rolle seines Lebens. Bekommen hat er sie wohl auch, weil er als SWAT-Polistist in "Leon der Profi" 1994 auf Luc Besson so viel Eindruck machte, dass er später für diese Hauptrolle vorsprechen durfte – und so zum französischen Star wurde. Denn "Taxi" ist - zusammen mit seinen Nachfolgern - einer der erfolgreichsten Filme Frankreichs, ein richtiges Phänomen, was man hierzulande angesichts manch derb-flacher Späße nicht so recht verstehen mag.

Mittlerweile scheint Naceri Film und Realität leider nicht mehr trennen zu können, denn in den vergangenen Jahren wurde er mehrfach wegen verschiedener Verkehrsdelikte, Körperverletzung und rassistischer Ausfälle verurteilt. Den letzten Ausraster leistete er sich am 3. Januar, als er einen Türsteher mit einem Messer angriff und seitdem wegen Mordversuch in Haft ist.

Seit dem 12.01. im Handel, nächste Ausgabe am 26.01.

Widescreen

"Cutaway", USA 1999. Regie: Guy Manos. Darsteller: Stephen Baldwin, Tom Berenger. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre
und
"Shot Down", USA 1999. Regie: Kurt Voss. Darsteller: Luke Perry, Ice-T. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 16 Jahre (gekürzt). Preis: 4.99 Euro.

Guck mal, wer da fällt: Erfolgreicheren Vorbildern nachempfundener Film
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Guck mal, wer da fällt: Erfolgreicheren Vorbildern nachempfundener Film

Mit zwei Filmen im regulären Heft steigt die "Widescreen" aus dem nur einmal getesteten Szenario ihres "Premium"-Magazins nun schon wieder aus – macht nix, so bleibt alles beim Alten und ist auch viel einfacher zu verstehen. Besonders viel Mühe scheint man sich bei der aktuellen Auswahl jedoch nicht gegeben zu haben.

Hinter "Cutaway" verbirgt sich ein schwaches Remake des Thrillers "Drop Zone", in dem sich ebenfalls alles wieder um das Fallschirmspringen, leidenschaftliche Aussteigertypen und ein kriminelles Geheimnis dahinter dreht. Mit gar nicht so übler Besetzung und dem Kameramann des wiederum ganz ähnlichen Streifens "Terminal Velocity" hat Guy Manos als ehemaliger Stunt-Chef von "Drop-Zone" sein eigenes Süppchen kochen wollen.

Darin ermittelt der nach Misserfolgen umstrittene Drogenagent Jon Cooper (Stephen Baldwin) auf eigene Faust, aber von seinem Chef unterstützt, gegen fallschirmspringende Drogenschmuggler. Natürlich muss er selbst erst richtig hart lernen, mit der Seide am Bändchen umzugehen, gewinnt aber zunehmend Gefallen an dem Sport und besonders an der einzigen Dame unter seinen neuen Kollegen. Anders als beim Vorbild mit Wesley Snipes kommt hier leider nur ein spannungsarmer Lehrfilm über den Fallschirmsport heraus, wenn auch mit ein paar richtig gelungenen Aufnahmen im freien Fall.

Leichenzählen für Fortgeschrittene: Ratter, ratter, ratter!
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Leichenzählen für Fortgeschrittene: Ratter, ratter, ratter!

Noch einen Tacken schlimmer ergeht es dem zweiten Film auf der Scheibe: Die drei mittelmäßigen Gangster C-Note (Ice-T), Slim und Terry klauen mit blutiger Gewalt einen Geldtransporter, werden dabei jedoch von unliebsamer Konkurrenz beobachtet, die selbst die Beute übernehmen will.

Es folgt ein langatmiges Versteckspiel in einem heruntergekommenen Lagerhaus, alles geht schief und jeder will jeden abknallen, was schließlich auch weitgehend gelingt. "Shot Down" ist eine Art Kammerspiel mit vielen supercoolen Typen, das den Zuschauer am Ende jedoch nur mit schalem Gefühl und ein paar Filmleichen zurücklässt. Die gähnende Leere des Drehbuchs wird mit gnadenloser, blutiger Knallerei kompensiert, die allerdings in der vorliegenden, jugendfreien Version an allzu krassen Stellen geschnitten wurde, so dass selbst davon nicht mehr allzu viel übrig bleibt.

Ist seit dem 03.01. im Handel, nächste Ausgabe am 07.02.

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