Was das Onlinekonzept angeht, hat man sich sehr viel bei Microsoft abgeschaut – aber alles ein bisschen schicker und eleganter gestaltet, und ein paar Unsinnigkeiten abgeschafft. Eines Tages wird man mit der Sony-Konsole online Musik und womöglich auch Filme einkaufen können – und zwar mit echten Euros, nicht mit "Punkten" wie bei Microsoft. Mit einer Kreditkarte kauft man sich ein Guthaben, das man dann in Herunterladbares investieren kann. Eine einzelne Strecke aus dem Rennspielklassiker "Gran Turismo" gibt es jetzt schon umsonst – in atemberaubender grafischer Auflösung.
Die Konsole ist schwarz und sexy (wenn auch ein bisschen klobig), die Menüs sind diskret und elegant, die Benutzerführung simpel und intuitiv - das ganze wirkt wie ein Besuch in einem kühlen, stillen, sündteuren japanischen Designhotel, überall Schleiflack und Rauchglas. Das Interface sieht aus wie das der Playstation Portable – die Verknüpfung von kleiner und großer Konsole funktioniert allerdings noch nicht, obwohl es einen entsprechenden Menüpunkt gibt. Da muss noch nachgebessert werden.
Nichts für Hardcore-Gamer?
Alles in allem ist die PS3 ein durchaus begehrenswertes Stück Hardware – für Besitzer eines High-Tech-Wohzimmers mit HD-Fernseher und drahtlosem Internetzugang. Äußerst ärgerlich gerade für diese Zielgruppe, mehr kaufkräftige Endzwanziger als spielverliebte Teenager, ist die Ausstattung: Die Konsole wird zwar mit einem Controller und einem Haufen Kabel ausgeliefert – ein HDMI-Kabel aber, das hochauflösende Grafik plus Sound an den HD-Fernseher ausliefern könnte, ist nicht enthalten.
Eine nachgerade bizarre Entscheidung, die wohl ebenso dem Kostendruck geschuldet ist wie die, in die Euro-Version einen Chip nicht einzubauen, der Abwärtskompatibilität mit alten PS2-Spielen gewährleisten sollte. Sony-Aficionados müssen jetzt die alte neben der neuen Konsole stehen lassen, wenn sie PS2-Nachzügler wie "Okami" oder Klassiker wie "Grand Theft Auto" spielen wollen.
Genau das unterstreicht, was die PS3 im Moment eher nicht ist: Ein Muss für Hardcore-Gamer. Zwar funktioniert, etwa bei "Motor Storm", der Online-Modus wirklich gut, der Übergang von lokal zu global ist kaum spürbar. Grafisch hat die PS3 dort, wo man sich wirklich Mühe gegeben hat, tatsächlich ein bisschen mehr zu bieten als die Xbox 360. Aber der magere Katalog und die Tatsache, dass man es nicht geschafft hat, die PS2 unter dem Fernseher überflüssig zu machen, sind ein Argument, die 600 Euro lieber zu sparen. Wem Sofa-Surfen, ein HD-Player und das derzeit schickste Stück Wohnzimmertechnik aber so viel wert sind - und wichtiger als das Daddeln selbst – der ist mit der angeblichen Spielkonsole gut bedient. Paradox eben.
Nachtrag: Wie heise.de nun meldet, soll ein soeben veröffentlichtes Firmware-Update für die PS3 die Kompatibilitätsprobleme mit PS2-Spielen weitgehend beilegen. "Okami" oder "Canis Canem edit" ließen sich nun problemlos spielen. Andere Spiele wie "Rez" oder "Gran Turismo 4" liefen aber weiterhin gar nicht auf der PS3.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Spielzeug | RSS |
| alles zum Thema Gamers' Corner | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH