Von Matthias Kremp
eWorld

eWorld: Online-Dorf für Besserverdiener
Schon Mitte der achtziger Jahre hatte Apple einen eigenen Online-Dienst: AppleLink. Der blieb allerdings lange Zeit Händlern und Entwicklern vorbehalten. Mitte der neunziger Jahre dann wurde das Apple-Link-System überarbeitet und in eWorld umbenannt. Der neue Dienst sollte mit seiner bunten grafischen Oberfläche, in der die verschiedenen Dienstleistungen innerhalb eines digitalen Dorfes in verschiedenen Häusern "wohnten", auch unbedarften Anwendern den Online-Zugang ermöglichen. Zur Erinnerung: Mitte der Neunziger war das Internet noch weitgehend eine Textwüste, viele Anwender nutzten noch Mailboxsysteme wie das "Mausnetz".
Als Pferdefuß erwiesen sich wieder einmal die hohen Kosten, die Apple den eWorld-Anwendern aufbürdete. Schon die Grundgebühr lag bei neun Dollar. Dafür bekam man gerade mal zwei Stunden Online-Zeit. Jede weitere Stunde wurde, je nach Tageszeit, mit fünf bis sieben Dollar berechnet. Ein teures Vergnügen also. Da zeitgleich AOL seinen Service ausbaute und weit günstiger war, blieben die Abonnenten aus. Während eWorld binnen zwei Jahren nur knapp über 100.000 zahlende Kunden zählte, hatte es AOL auf 3,5 Millionen Nutzer gebracht. Die Konsequenz: Ende März 1996 schaltete Apple das elektrische Dorf endgültig ab.
Heute lebt das elektrische Dorf als Flash-Animation weiter. Wer mag, kann sich dort auf eine nostalgische Reise in die Vergangenheit begeben.
OpenDoc
Mit OpenDoc wollte Apple die Art, wie Programmierer arbeiten und Anwender mit Dokumenten umgehen, revolutionieren. Die Idee: Statt großer monolithischer Applikationen sollten die Programmierer kleine Mini-Progrämmchen schreiben, die nur wenige Funktionen, beispielsweise zur Texteingabe, bereitstellen. Dem Anwender blieb es nun überlassen, sich, ausgehend von einem leeren Dokument, mit der Maus jene Programmschnipsel zusammenzustellen, die er gerade brauchte.
Auf diese Weise sollten Programme übersichtlicher werden und auch kleine Firmen in der Lage sein, Software erfolgreich zu vermarkten. Während das Konzept wohlwollend aufgenommen wurde, stellten die Anwender schnell fest, dass OpenDoc für damalige Verhältnisse viel zu hohe Anforderungen an die Hardware stellte. Auf den meisten Macs lief es nur im Schneckentempo, so dass die Anwender lieber darauf verzichteten, OpenDoc-Software zu benutzen. Da sich kein kommerzieller Erfolg einstellen mochte und Apple damals ohnehin mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte, stellte Steve Jobs das Projekt kurzerhand ein und entließ auch gleich die damit befassten Programmierer. Laut Wikipedia kommentierte Jobs das Ende der Entwicklung mit den Worten: "Wir haben ihm (OpenDoc) eine Kugel durch den Kopf gejagt".
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