Konsolenkrieg
Sony senkt Preis der Playstation 3
Kurz vor dem Start der Spielemesse Electronic Entertainment Expo hat Sony angekündigt, seine Spielkonsole Playstation 3 künftig billiger anzubieten. Der Preis für die Version mit einer 60 Gigabyte-Festplatte soll um 100 Dollar fallen - zunächst aber nur in Nordamerika.
Parallel zu der Preissenkung für die
Playstation 3 (PS3) mit 60-Gigabyte-Festplatte kündigte Sony an, man werde künftig in Nordamerika auch ein Konsolenmodell mit 80 Gigabyte Speicherkapazität anbieten. Das soll dann 600 US-Dollar kosten, soviel wie bislang das Modell mit 60 Gigabyte. Dem neuen, teuren High-End-Modell wird zudem das hochgelobte Rennspiel "Motorstorm" beigelegt.
Die kleinere Version mit 60 GB Speicher soll nun für 499 Dollar angeboten werden. Das neue Modell unterscheide sich ansonsten nicht von der bislang verkauften Konsole, sagte eine Sony-Sprecherin in Tokio: "Es hat die selben Eigenschaften, aber mehr Speicherkapazität." Eine vergleichbare Preisreduktion für europäische Kunden sei zunächst aber nicht geplant.
Sony hat mit seiner neuen, technisch hochgezüchteten Spielkonsole einige Probleme. Zuerst wurde der Start mehrfach verschoben, nach Unternehmensangaben vor allem wegen Schwierigkeiten mit den Blu-ray-Laufwerk, das hochauflösende DVDs abspielen kann. Das teure Laufwerk und andere High-Tech-Komponenten sind auch dafür verantwortlich, dass die Konsole die teuerste auf dem Markt ist - und das wird sie auch nach der Preissenkung bleiben.
In den USA verkauft beispielsweise der Rivale Microsoft eine aufgebohrte Version seiner
Xbox 360, mit 120 Gigabyte Festplattenplatz und einem HDMI-Anschluss (siehe Kasten) für hochauflösende Video-Übertragung. Die Konsole mit dem Kampfnamen "Elite" wird für 480 US-Dollar verkauft. Besitzer einer Xbox 360 können auch eine Festplatte mit 120 Gigabyte Kapazität zum Nachrüsten für 180 US-Dollar erwerben. Gegenüber SPIEGEL ONLINE kündigte Microsoft an, die "Elite"-Xbox werde bald
auch in Deutschland verfügbar sein.
Schlecht für Microsoft, gut für Nintendo
Der lachende Dritte im Konsolenwettstreit ist derzeit Nintendo: Deren
Wii genannte Konsole verkauft sich weltweit hervorragend - in den USA laut der "New York Times" sogar so gut, dass sich Schlangen vor den Läden bilden und Wiederverkäufer im Internet das doppelte des eigentlichen Preises von 250 US-Dollar verlangen. Auch in Japan verkauft sich die Wii-Konsole deutlich besser als die PS3. Vor diesem Hintergrund hatte Nintendos Marketingchef Ende Mai gar getönt: In spätestens fünf Jahren
wolle man Sony eingeholt haben.
HDTV: Hochauflösendes Abkürzungs-Wirrwarr
HDTV steht für High Definition Television. Nach den Vorstellungen der Hersteller von Unterhaltungselektronik soll es die alten TV-Standards wie PAL (576 sichtbare Zeilen) und NTSC (USA, 480 Zeilen) ablösen und mit höherer Auflösung und stabilerem Bild das Heimkino schöner machen. HDTV-Inhalte können mit 720 Zeilen im Progressive-Scan-Verfahren dargestellt werden (720p), das heißt, jedes Bild wird bei jedem Durchgang komplett neu aufgebaut. Die Alternative heißt 1080i, hat zwar mehr Bildzeilen zu bieten (nämlich 1080), von denen aber pro Durchgang abwechselnd nur jede zweite neu gezeichnet wird (interlaced-Verfahren, daher das 'i').
Full-HD-Filme, wie man sie in Online-Videotheken wie dem iTunes Store ausleihen oder über die integrierten Blu-ray-Laufwerke einiger Notebooks anschauen könnte, haben eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Das Label "HD ready 1080p" besagt, dass das Gerät Vollbilder von 1920 × 1080 Pixeln zeigt.
Das Advanced Access Content System ist ein Kopierschutzsystem, das vor allem auf Wunsch der Filmstudios in Hollywood in alle Laufwerke eingebaut werden soll, die HD-Inhalte abspielen können. Ohne AACS soll man keine hochaufgelösten Filme abspielen können. Kopien sollen nur mit expliziter Erlaubnis des Urhebers gemacht werden können, die man sich zum Beispiel online abholen könnte. Nur so könnte man einen Film dann auch über ein Media Center oder an mobile Geräte streamen. Der Urheber kann aber Kopien auch verbieten oder eine Gebühr verlangen. Um AACS gab es langes Gerangel - denn es gibt noch nicht viele Geräte, die das System überhaupt unterstützen. Eine Interims-Lösung wird den Kopierschutz deshalb nun zunächst zahnlos machen - auch über analoge Ausgänge wird man dann noch HD-Filme ansehen können, obwohl die Studios die Ausgabe lieber gleich auf digitale Ausgänge beschränkt hätten, die mit einem weiteren Schutz namens HDCP versehen sind.
High Bandwidth Digital Content Protection ist eine Art Hardware-Kopierschutz. Auch er soll verhindern, dass hochaufgelöstes Material einfach mitgeschnitten werden kann. HDCP muss im sendenden Gerät, also dem Player oder der Grafikkarte, ebenso eingebaut sein wie im Empfänger, also dem Monitor oder TV-Gerät. Während Fernseher, die das "HD Ready"-Logo tragen, HDCP-fähig sein müssen, sind es viele Monitore und Grafikkarten aber noch nicht. Eine HDMI-Schnittstelle kann immer auch HDCP, eine DVI-Schnittstelle nicht notwendigerweise.
Das High Definition Multimedia Interface soll nach dem Wunsch der Hersteller die generelle Schnittstelle der Zukunft sein, für Musik, Filme und auch die Verbindung zwischen Computer und Monitor. Sie ist standardmäßig mit HDCP ausgestattet - ein Ausgabegerät mit HDMI-Schnittstelle und ein Fernseher mit dem "HD Ready"-Logo sollten gemeinsam also in jedem Fall hochauflösende Filme darstellen können.
Digital Video Interface - die erste digitale Schnittstelle für Video-Inhalte, die aber bereits dabei ist, von HDMI abgelöst zu werden. Manche DVI-Ausgänge sind auch mit HDCP ausgestattet, andere nicht. Besonders bei vielen Grafikkarten fehlt der Hardware-Kopierschutz noch - was zu Problemen bei der Wiedergabe von kopiergeschützten hochauflösenden Filmen führen könnte.
Für Microsoft kommt Sonys Ankündigung zu einem ungünstigen Moment: Der Konzern ist mit seiner Xbox 360 eben in größere Schwierigkeiten geraten. Ein Drittel bis die Hälfte aller Konsolen müssen wegen fehlerhafter Hardware repariert werden. Mit Kosten zwischen 1,05 Milliarden Dollar und 1,15 Milliarden Dollar (750 Millionen Euro) vor Steuern
rechnet der Konzern nach eigenen Angaben. Ein Branchenanalyst sagte der "New York Times", Sonys Preisreduktion verändere vor diesem Hintergrund "wirklich das Spielfeld in diesem Sommer".
Ab Mittwoch trifft sich die Branche in Santa Monica in Kalifornien zur abgespeckten Version der früher größten Videospielmesse der Welt, der Electronic Entertainment Expo (E3). Sony kommt mit seiner Ankündigung dem Verkündungsmarathon zuvor, der solche Industrieversammlungen üblicherweise auszeichnet. In diesem Jahr erwarten viele Branchenbeobachter allerdings, dass sich die großen Konzerne einige "Announcements" für die Games Convention aufheben, die im August in Leipzig stattfindet. Die europäische Spielemesse gewinnt durch die Reduktion der E3 auf ein reines Branchenevent an Gewicht.
cis/AP/AFP
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