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11.07.2007
 

Virtueller Gründerwettbewerb

Blondine sucht Businesspartner

Von Christoph Seidler

Welches Geschäftskonzept funktioniert in "Second Life"? Und wer kann dabei helfen, es umzusetzen? Die Teilnehmer eines globalen Gründerwettbewerbs suchen nach passenden Geschäftsideen – und Partnern für eine virtuelle Firma. SPIEGEL ONLINE hat sich unter die Business-Avatare gemischt.

Sanotos Aabye steht an der Bar und sucht einen Partner. Mit ihren knappen Hotpants und einem himmelblauen Top hebt sich die Blondine ganz eindeutig von dem halben Dutzend Männern im schwarzen und blauen Zwirn ab, die sie umlagern. Doch nicht um zwischenmenschliche Kontakte geht es heute Abend, sondern ums Geschäft. Die virtuelle Blondine heißt im echten Leben Andy Santoso. Und der wiederum ist Student der Managementschule "Insead" im französischen Fontainebleau – und auf der Suche nach Partnern für eine virtuelle Firmengründung. "Ich bin ganz neu in 'Second Life'", sagt Santoso. "Ich möchte wissen, ob man hier tatsächlich Geschäfte machen kann oder nicht."

Nun sucht er nach möglichen Geschäftspartnern, am besten für ein Immobilienunternehmen in der virtuellen Welt. Auf den Einwand, dass ein Immobilienhandel in "Second Life" kein besonders originelles Geschäftskonzept sei, hat Santoso eine schnelle Antwort parat: "Wenn man gutes Geld verdient, ist es ein gutes Business, nicht?!"

Ganz ähnlich wie Santoso sind an diesem Abend noch zahlreiche weitere Bewohner von "Second Life" auf der Suche nach potentiellen Geschäftspartnern. Geladen zur virtuellen Zusammenkunft hat die Managementberatung McKinsey. Sie veranstaltet den weltweiten Wettbewerb "Bring Ideas To Life", über den SPIEGEL ONLINE exklusiv berichtet. Die Wettbewerbsteilnehmer - Studenten und junge Berufstätige – sind angetreten, um ihre eigenen Geschäftskonzepte in der virtuellen Welt umzusetzen. 45 Tage haben sie dafür Zeit. Aber die Frist läuft erst, wenn ein Team offiziell an den Start gegangen ist. Mehr als 1000 Teilnehmer aus 50 Ländern haben sich bisher bei "Bring Ideas To Life" angemeldet. Und etwa 100 Teams arbeiten derzeit an ihren Businessplänen. Ein virtuelles Geschäft gestartet hat indes noch niemand.

Heute Abend wird deswegen emsig nach Geschäftspartnern- und Ideen gefahndet. Freundliche virtuelle Servicekräfte, die Namen wie Timonos Beerbaum, Andymore Miles oder Pernot Beaumont tragen, versuchen Ordnung in das Chaos des Clubs der einsamen Geschäftsmänner und -frauen zu bringen: Wer passt zu wem? Wer hat ähnliche Vorstellungen? Und wer wirkt völlig verloren?

Bislang hat noch kein Team die Karten auf den Tisch gelegt, mit welchem Konzept es den Geschäftserfolg beim Wettbewerb erreichen will. Geheimniskrämerei wird deswegen groß geschrieben beim virtuellen Plausch. Niemand will sich in die Karten schauen lassen. Zu viele Teilnehmer haben Angst, zu viel zu verraten. Wie zum Beispiel die Studentin aus München, deren Avatar den Phantasienamen Marena Barbosa trägt. "Ich hab leider noch kein Team und bin ganz neu hier", sagt sie. Mehr ist ihr kaum zu entlocken. Nur soviel: "Ich treff' mich jetzt mit Leuten, die vielleicht mein neues Team werden."

Antony Evans, Wirtschaftsstudent aus Singapur ist immerhin etwas gesprächiger. Er, so sagt er, wolle gleich in zwei Teams mitwerkeln. Das eine solle sich mit Marketing in "Second Life" befassen, das andere mit Finanzdienstleistungen.

In einigen Wochen wird sich der derzeitige Nebel etwas gelichtet haben und die Wettbewerbsteams werden ihre ersten Erfahrungen in "Second Life" gesammelt haben. Dann werden ich auch erste Trends abzeichnen, wessen Konzept besonders innovativ ist. SPIEGEL ONLINE wird den Sommer über kontinuierlich berichten.

Auf einen Vorteil beim Start in den Wettbewerb können sich übrigens zehn Teams freuen. Unter allen Teilnehmern des Wettbewerbs läuft derzeit ein Gewinnspiel. Wer Glück hat, gewinnt dabei mietfreie Geschäftsräume in "Second Life". Die Veranstalter versprechen durch die "prestigeträchtige Lage" - was immer das in einer Welt bedeutet, in der man sich meist durch Teleportation oder fliegend fortbewegt - eine große Menge an potentiell zahlungskräftigen Kunden.

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