• Drucken
  • Senden
  • Feedback
24.07.2007
 

Microsoft gegen Apple

Zune bekommt Nachwuchs

Von Matthias Kremp

Microsofts Anti-iPod gewinnt Marktanteile. Nachdem die erste Million der Multimedia-Player verkauft ist, stehen zu Weihnachten Nachfolgemodelle ins Haus - vielleicht sogar in Europa. Eines der neuen Modelle soll kaum größer sein als eine Speicherkarte.

Die erste Million ist geschafft! Wurde auch Zeit. Schließlich hatte Microsoft schon im Dezember angekündigt, man wolle bis Ende Juni 2007 eine Million Exemplare des iPod-Gegenspielers absetzen. Dieses Ziel habe man nun erreicht, verkündete das Unternehmen nun ganz dezent im Rahmen einer Telefonkonferenz. Dass man diesen Meilenstein nicht mit Pauken und Trompeten in die Welt hinausposaunte, mag zwei Gründe haben. Zum einen nämlich gab es bereits Ende Mai eine Falschmeldung, die verkündete, Microsoft sei Zune-Millionär. Zum anderen dürfte Apple im selben Zeitraum rund 20 bis 25 Millionen iPods verkauft haben.

Microsoft Zune (hier im "Halo"-Outfit): Noch vor Weihnachten erwartet der Microsoft-Player Nachwuchs
Zur Großansicht

Microsoft Zune (hier im "Halo"-Outfit): Noch vor Weihnachten erwartet der Microsoft-Player Nachwuchs

Trotzdem zeigt man sich bei Microsoft zufrieden, schließlich habe man sich in den USA binnen kurzer Zeit einen Marktanteil von zehn Prozent unter den festplattenbasierten Playern gesichert. Den gilt es nun auszubauen und offenbar gibt es dazu konkrete Pläne im Microsoft-Hauptquartier. Das zumindest bestätigte ein Microsoft-Manager gegenüber dem Whizbyte-Blog.

In dessen Mail an den Blog-Betreiber heißt es: "Zune folgt dem Zyklus der Unterhaltungselektronik. Du kannst daher Neuheiten noch in diesem Jahr, auf jeden Fall vor dem Weihnachtsgeschäft, erwarten." Danach ergeht sich der nicht namentlich genannte Microsoft-Mitarbeiter in Erklärungen, was da wohl kommen werde.

Auf Augenhöhe mit dem iPod

Demnach soll es eine komplett neue Gerätefamilie geben, die in neuen Designs, neuen Größen und zu neuen Preisen in die Läden kommt. Diese neuen Geräte will Microsoft, sofern die Angaben korrekt sind, funktionell auf Augenhöhe mit dem iPod hieven. Dazu sollen unter anderem die Video-Fähigkeiten erweitert und Podcast-Kompatibilität eingebaut werden. Weiterhin sollen die Geräte über drahtlose Netzwerkfunktionen sowie eingebaute Radios verfügen.

Für uns am wichtigsten dürfte jedoch die Ankündigung sein, dass Microsoft den Zune mit den neuen Modellen endlich aus seinem amerikanischen Einsiedlerleben befreien und in neue geographische Regionen vorstoßen wolle. Das könnte bedeuten, dass der Zune und seine neue Familie zu Weihnachten auch hierzulande in den Läden stehen.

Etwas ulkig ist der separate Hinweis des Microsoft-Mitarbeiters, dass der Zune sowohl in seiner aktuellen wie in künftigen Versionen "zukunftssicher" sei. Dies begründet er damit, dass die Betriebssoftware des Geräts per Update mit neuen Funktionen nachrüstbar sei. Apples iPod verfügt bereits seit dem 2001 über diese Möglichkeit.

Weit mehr Details über einen möglichen Zune 2.0 liefert die Webseite "beforereview". Dort behauptet man, bereits ein Gerät namens "Zune 2Go" getestet zu haben. Enthusiastisch wird dort ein Winz-Player beschrieben, der sich Apples iPod shuffle entgegenstellen soll. Der Beschreibung zufolge habe das Gerät die Maße einer SD-Speicherkarte, wie man sie von Handys her kennt. Um das Gerät nutzen zu können, brauche man eine Adapterbox, welche beispielsweise den Kopfhöreranschluss bereitstellt. Diese Erklärung lässt vermuten, dass die Herren von "beforereview" da etwas durcheinandergebracht haben. Vielleicht ist das, was sie für den Player halten, einfach das Speichermedium. MP3-Player mit SD-Karte anstelle eines eingebauten Speichers gibt es bereit seit einiger Zeit von Firmen wie Maxfield, Thomson und Venzero. Gut möglich also, dass der vermeintliche Zune 2Go einzig aus einer Adapterbox besteht, in die man nach belieben SD-Karten einsteckt. Auf diese Weise könnte der Einstiegspreis niedrig gehalten werden.

Web 2.0 für Straßenjungs

Wirklich haarsträubend werden die Ausführungen der Tester allerdings bei der Beschreibung zweier Dienste, die Microsoft angeblich für den Zune 2Go plane. So wird beschrieben, dass der Konzern 5000 "Zune 2Go Stations" in Nordamerika installieren wolle. An diesen Stationen soll man seinen Zune 2Go gegen Zahlung einer Monatsgebühr mit neuer Musik befüllen können. Das System soll nach dem Abo-Prinzip funktionieren, die geladenen Songs seien vier Wochen lang abspielbar.

Vollkommen kostenlos soll an denselben Stationen ein Service namens "Refresh my Zune" nutzbar sein. Dessen Prinzip: Man schmeißt oben seinen Zune 2Go hinein und bekommt unten einen heraus, den vorher ein anderer Anwender dort abgegeben hat. Auf diese Weise soll man die Musik kennenlernen, die andere Leute gerne hören. Klingt wie Web 2.0 für Straßen-Kids. Ob es wirklich jemanden bei Microsoft gibt, der sich von einem solchen Konzept Erfolg verspricht?

Ob es tatsächlich soweit kommt, werden wir wohl erst in einigen Monaten erfahren, wenn Microsoft seine Wundertüte öffnet und zeigt, mit welchen Geräten und Konzepten man tatsächlich versuchen will, dem iPod Paroli zu bieten. Und die müssen dann wirklich überzeugend sein. Denn so viel ist sicher: Auch Apples iPod-Abteilung wird sich in den lvergangenen Monaten nicht mit dem Bau von Papierfliegern beschäftigt haben. Ein größeres Update der iPods mit Videofunktion ist längst überfällig. Dass dabei unter anderem Modelle mit 120 Gigabyte Speicherkapazität zu erwarten sind, dürfte nur ein kleines Detail am Rande sein.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Spielzeug

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP