Sonntag, 22. November 2009

Netzwelt



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29.08.2007
 

103-Zoll-Fernseher

Big is beautiful

Von Richard Meusers

Die Zeit der Bescheidenheit ist vorbei - auch bei den Flachbildfernsehern. 70.000-Euro-Plasmageräte finden sich längst nicht mehr nur auf den Yachten russischer Oligarchen. Auch auf der Ifa wird heftig geprotzt. SPIEGEL ONLINE hat Abstand genommen vom Größenwahn.

Auf die Größe kommt es an! Das gilt nicht nur für als Geländewagen getarnte Blechmastodonten, von denen die wenigsten je etwas anderes als Asphalt oder Beton unter die Reifen bekommen. Auch im Flachbildschirmbereich geht die Reise seit einigen Jahren nur in eine Richtung: Immer größer müssen die Fernsehflundern sein - auch wenn die Größten ihrer Art höchst selten ihren Weg ins Heim von Manfred und Manuela Mustermann finden.

Panasonic TH 103: Flatscreen-Monster für Oligarchenyachten
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Panasonic TH 103: Flatscreen-Monster für Oligarchenyachten

Eine der größten seiner Art ist der Plasma-Ferneher TH 103 von Panasonic. Mit seiner Bilddiagonale von 103 Zoll - das sind 261 Zentimeter - ist das Monstrum mittlerweile auch für Endverbraucher zu haben; es dürfte allerdings nicht bei jedem ins Wohnzimmer passen und das durchschnittliche Endverbraucherbudget mit seinem Preis von 70.000 Euro schnell überfordern.

Und dennoch: Seit Panasonic sein 261-Zentimeter-Gerät im letzten Jahr vorstellte, gingen laut Pressesprecher Peter Weber bereits einige tausend Bestellungen ein. Zum Kreis der Abnehmer gehören in erster Linie Branchenvertreter: Große Unternehmen dekorieren ihre Werbeauftritte eben gerne mit großen Bildschirmen, am Firmensitz genauso wie auf Messen.

Monster-TV auf der russischen Hochseeyacht

Ebenso kommen die Geräte bei TV-Broadcastern zum Einsatz: Laut Weber stattete etwa der amerikanische Sender NBC sein Baseballstudio jüngst mit zwei TH 103 aus. In einigen Sportstadien werden die Plasmaflundern ebenfalls schon verwendet - und ersetzen so langsam die traditionellen Videowürfel.

Auch vermögende Privatleute greifen gerne etwas tiefer in die Portokasse und verschönern sich die Luxusimmobilie mit ein, zwei prestigeträchtigen Flatscreen-Riesen. Panasonic-Sprecher Weber weiß zum Beispiel von einem russischen Oligarchen zu berichten, der sich auf seinen zwei Hochseeyachten je einen TH 103 hat einbauen lassen.

Größer als eine Segeljolle müssen die Boote schon sein, denn die Fernseher wiegen so einiges. Der TH 103 schlägt mit satten 220 Kilogramm zu Buche, und da ist die Umverpackung noch nicht mit eingerechnet. Inklusive frachtfähiger Umhüllung wollen da schnell 500 Kilogramm bewegt werden, was einen ziemlichen logistischen Aufwand bedeutet: Ein komplettes Montageteam inklusive Gabelstapler müsse anrücken, um das teure Stück zu montieren, erläutert Weber.

Flatscreen-Größenwahn von Samsung bis LG

Panasonic ist mit seiner Flatscreen-Gigantomanie bei weitem nicht allein. Allerdings kommt es manchmal auf den kleinen Unterschied an, in diesem Fall: auf ein Zoll. Um diese gut zweieinhalb Zentimeter ist der Panasonic-Riese nämlich größer als die ein Jahr zuvor vorgestellten Riesen-Plasmas von Samsung oder LG, die es jeweils auf 102 Zoll Bilddiagonale bringen.

Gleich dem Gerät von Panasonic wartet der Samsung mit einer Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln auf, leistet jedoch im Unterschied zur Konkurrenz mit einem Kontrast von 2000:1 (statt 5000:1) deutlich weniger Auflösungsschärfe und ist im übrigen nie in den kommerziellen Verkauf gegangen. Nicht anders die Situation bei LGs 102-Zöller: Auch dieser wurde nur als Eyecatcher zu Reklamezwecken eingesetzt.

Abstand nehmen vom Technikwahn

Technisch könnten die Fernseher schier unbegrenzt weiter wachsen. Die Zeit, in der man sein Haus um den Fernseher herumbaut, ist nicht mehr fern - auch wenn mit der Größe des Bildschirms auch die technischen, ökologischen und logistischen Probleme kräftig mitwachsen.

Nicht nur der Kaufpreis steigt exponentiell mit der Größe, auch der Energieverbrauch zieht kräftig an. Die Riesen-Flatscreens schlucken immerhin 1,5 Kilowatt, dazu kommt noch der Energiebedarf der mitgelieferten Lautsprecher. Durchschnittsgeräte mit 50 Zoll Bilddiagonale begnügen sich hingegen mit vergleichsweise bescheidenen Verbrauchsraten um die 400 Watt.

Bei zunehmender Größe wird es überdies technisch immer schwieriger, dem standardmäßig erwarteten HD-Qualitätsprofil zu entsprechen. Hier gilt noch immer wie zu Opas Zeiten die gute alte Faustregel, dass erst ein Mindestabstand von dreifachem Bildschirmdurchmesser zu einem optimalen Bilderlebnis führt. Sitzt man näher dran, bekommen schnelle Bewegungen unschöne Wischeffekte, und auch mit der wahrgenommenen Schärfe ist es nicht mehr so weit her.

Natürlich sind die aktuellen Riesenfernseher allesamt HDTV-fähig und können bis zu 1920 mal 1080 Pixel darstellen. Aber bei einer Bildschirmbreite von über zwei Metern wirken millimetergroße Rasterpunkte aus zu großer Nähe zwangsläufig grob. Für Fehrnsehflundern vom Format des TH 103 ist ein Wohnzimmer von Saalgröße also Pflicht.

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