SPIEGEL ONLINE: Herr Garpenståhl, wie viele Punkte schaffen Sie bei dem Playstation-Spiel "Guitar Hero"?
Garpenståhl: Ich bin grottenschlecht. Ich glaube, Gitarristen tun sich mit dem Spiel schwer - schließlich müssen sie alles, was sie übers Gitarrespielen gelernt haben, wieder unterdrücken. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig.
SPIEGEL ONLINE: Manche Jugendliche üben "Guitar Hero" mit ungeheurer Leidenschaft. Echte Gitarren finden sie hingegen eher lahm - eigentlich schade.
Garpenståhl: Es ist doch egal ob die eine echte Gitarre spielen oder ein Stück Plastik-Peripherie bedienen - beides trainiert das Rhythmusgefühl und die Motorik. Spiele wie "Guitar Hero" oder "Singstar" sind zudem zukunftsweisend, weil die die Interaktion zwischen Mensch und Maschine ungemein erleichtern.
SPIEGEL ONLINE: Wie hart ist ihre Rückhand bei Wii Tennis?
Garpenståhl: Die ist ganz passabel. Aber seit ich für sieben Firmen gleichzeitig arbeite, komme ich kaum noch zum Computerspielen.
SPIEGEL ONLINE: In einer kürzlich erschienenen "South Park"-Folge werden zwei Kids zu echten Rockstars, weil sie hunderttausend Punkte bei "Guitar Hero" erreichen. Erobern die Gitarrenhelden von morgen ihre Frauen nicht mehr mit Lagerfeuerliedern, sondern mit Highscores?
Garpenståhl: Ninjas in Pijamas, das vielleicht beste "Counterstrike"-Team der Welt, hat doch jetzt schon Groupies. Jedes Genre entwickelt mit wachsender Popularität seine eigenen Stars - und die bekommen die Chicks. Es ist doch immer dasselbe Prinzip.
SPIEGEL ONLINE: Auf der aktuellen Dreamhack gab es Jamsessions, bei denen alle Instrumente Eingabegeräte waren - Drums, Mikrofon, Gitarre und Bass. Wann geht die erste Plastikcontroller-Band auf Welttournee - vor oder nach der ersten "Singstar"-Boygroup?
Garpenståhl: Ich habe eher die Vision, solche Musikexperimente in Festivals einzubinden. Auf der nächsten Dreamhack im Sommer 2008 könnte ich vielleicht versuchen, Plastikcontroller-Bands auftreten zu lassen - und echte Musiker einladen, die die Auftritte als Jury bewerten.
SPIEGEL ONLINE: Die Dreamhack ist schon jetzt ein großes Festival. Der Fernsehsender CBS bezeichnete die Party als "digitales Woodstock".
Garpenståhl: Ja, nur ohne Schlamm, Alkohol und psychedelische Drogen. Bei uns herrscht striktes Alkoholverbot. Reaktionsschnelle Spiele wie "Counterstrike" und benebelnde Mittel schließen sich ohnehin von vorneherein aus. Erst kürzlich wurde eine Studie veröffentlicht, die das belegt: Teenager, die Egoshooter spielen, konsumieren demnach weniger Alkohol und Drogen.
SPIEGEL ONLINE: In Deutschland wird die Debatte über Computerspiele wesentlich negativer geführt. "Counterstrike" ist erst ab 16 Jahren erhältlich. Lan-Partys wie die Dreamhack - mit 15-Jährigen am virtuellen Abzug - wären undenkbar.
Garpenståhl: Ich glaube, dass Schweden Deutschland auf diesem Sektor etwa zwei Jahre voraus ist. Das liegt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil daran, dass wir von Vorfällen wie Erfurt und Emsdetten glücklicherweise verschont geblieben sind. Andererseits gab es durchaus auch in Schweden konservative Strömungen, die gegen gewaltträchtige Spiele gehetzt haben - die haben in der Bevölkerung nur nie so viel Gehör gefunden wie in Deutschland. Die Aufregung dürfte sich bald legen. Es gibt die Tendenz, dass jedes neue Medium zunächst verteufelt wird - so lange, bis die, die mit ihm aufgewachsen sind, den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen.
SPIEGEL ONLINE: Was müsste sich ihrer Meinung nach am Diskurs in Deutschland ändern?
Garpenståhl: Die Debatte über Computerspiele müsste sich stärker auf Menschen fokussieren. Die kalte Technik macht vielen Angst - weil sie nicht begreifen, was in den Köpfen der Leute vorgeht. Festivals wie die Dreamhack machen die Menschen hinter der Technik sichtbar. Es sollte viel mehr Veranstaltungen dieser Art geben.
Das Interview führte Stefan Schultz
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