Von Mathias Hamann
Der zockenden Boygroup ist sofort anzusehen, dass sie wichtige Werbeträger sind: Zehn Firmenlogos prangen auf ihren schwarzen Shirts. Der Name des Hardware-Händlers Alternate steht vor ihrem Teamnamen Attax, so wie bei den Kickern von Bayer Leverkusen. Es gibt sogar zwei weitere Parallelen: Sie sind ein echtes Werksteam und spielen mit "Counterstrike" das Fußball des elektronischen Sports, kurz eSport.
Das Team um Kapitän Jan Stolle, Spitzname Moon, kämpft als amtierender Deutscher Meister im Taktik-Shooter "Counterstrike" auf der Computermesse Cebit auf zwei Turnieren gleichzeitig. Seit Donnerstag sind die eSportler mit ihrem Manager in Hannover, ihr Tag beginnt um 8 Uhr. Ein Chauffeur bringt die fünf vom Quartier zur Kampfarena, der Halle 22 der Cebit.
Die fünf Ballerbuben spielen hier bei einer Europameisterschaft mit dem langen Namen World Cyber Games Samsung Euro Championship. Ihr Zeitplan ist eng: Nach den Vorrunden-Matches hetzen sie sofort zum nächsten Turnier, den Intel Extrem Masters. Der erste Wettbewerb lockt mit einem Gesamtpreisgeld von umgerechnet 65.000, der andere gar mit 185.000 Euro.
Den Zaster für die Cyberzocker sponsern unter anderem die beiden großen Prozessor-Hersteller, Intel und AMD. Die Chip-Giganten fechten die Schlacht um die Kundschaft der Zukunft, denn in ihren Laboren entstehen schon die Rechnergenerationen von morgen. Aber wer braucht die? Den Anwendern von heute reichen oft ihre PCs von gestern oder gar vorgestern für Internet, E-Mail und Textverarbeitung. "Daher bilden Computerspieler eine der wichtigsten Zielgruppen", sagt Ian McNaughton von AMD. "Sie brauchen immer neue, leistungsstarke Maschinen." Spieler wie die von Attax dienen als ideale Werbeträger. Jeder kann sehen, womit sie spielen, auf der Website des Teams wird ordentlich geworben.
Wer braucht die Superrechner von morgen?
Aber die fünf spielen mit "Counterstrike" ein Spiel von 1999: Damals gab es selten zwei Rechner in einem Haushalt - heute gelten zwei oder vier Prozessoren in einem Neu-PC als Standard, und Intel hat bereits auf acht erhöht. Braucht es hochgerüstete Kampfmaschinen mit vier oder gar acht Prozessorkernen für ein neun Jahre altes Ballerspiel? "Mit der neuesten Hardware läuft auch ein altes Spiel flüssiger", erklären die Profis unisono.
Der Experte für den Computerspiele-Bereich bei Intel, Holger Kreie, gibt zu: "Die Gamer-Gemeinde hängt noch sehr stark an den alten Titeln" und benötigt nicht unbedingt die neuesten Boliden zum Ballern. Aber er hofft auf Hardware-Fresser wie den Edel-Shooter "Crysis". Der "hat auch schon einen Mehrspielermodus und damit die Voraussetzung für eSport".
Dennoch bleibt der Oldie "Counterstrike" das Spiel mit den meisten Spielern und Fans. Einer hält das Attax-Team nach seinem Vorrunden-Match noch kurz an, bittet um Autogramme. Dann geht es weiter, in 20 Minuten wartet die nächste Partie. Die Jungs brauchen Infos über den Gegner. Jan Stolle huscht an der koreanischen Hostess vorbei in das Pressezentrum, dort drängen sich PCs mit Internetzugang und der Teamkapitän lädt ein Film aus dem Netz, ein Demo. "Das zeigt uns, wie unser Gegner spielt." Es bleiben noch 15 Minuten.
Die fünf huschen in die Nachbarhalle und finden ein ruhiges Plätzchen in der Kabine eines Sponsors, allein: Der Film läuft auf ihrem Notebook nicht. Pech gehabt. Noch zehn Minuten. Sie beraten ihre Taktik. Der Teammanager kommt herein: "Noch fünf Minuten." Sie eilen wieder in die Halle, aus der Schlachtenlärm dringt.
Nach einer Stunde Daddeln und einem Sieg: raus aus den alten Sponsorenshirts, rein in die neuen und ab zum nächsten Turnier. Vorher noch etwas essen: "Aber kein Fastfood", mahnt der Manager: "Das macht nicht satt, sondern schlapp." Und der Tag des Teams geht noch bis Mitternacht, inklusive Matches und Interview-Termin für die Fanseiten im Internet und den Sponsorenfilm.
Ihr Leben erinnert an das Dasein von Tennisspielern. Aber eigentlich, so bekennen sie, fühlen sie sich manchmal eher wie die Hostessen an den Messeständen: als Marketingmannschaft. Immerhin haben sie mehr an als die Mädchen. Wo sollten auch sonst die zehn Logos hin?
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