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14.03.2008
 

Musikmesse

Tonverbieger und Gitarrenbäcker

Von Matthias Kremp

Kohlefaser-Gitarren, elektrische Ukulelen und Software, die Akkorde zerlegt: Auf der Musikmesse in Frankfurt zeigt die Musikbranche wieder einmal, dass es noch viel Spielraum für musikalische Neuentwicklungen gibt.

Der Mann sieht ein wenig aus wie Jerry Garcia, der verstorbene Leadsänger und Gitarrist der Kultband Grateful Dead. Und genau wie Garcia ist auch Peter Neubäcker ein eher zurückhaltender Typ. Wenn er von Begeisterung spricht, dann spricht er nur davon - anzumerken ist sie ihm kaum. Dabei hat er ein begeisterndes Produkt entwickelt. Direct Note Access (DNA) hat er die Technologie genannt, die auf der Musikmesse erstmals gezeigt wird. Die Software zerlegt Musik in ihre Bestandteile, macht jeden einzelnen Ton eines Akkords manipulierbar, sie ist der Traum von Musikproduzenten und Klangtüftlern.

Denn was mit DNA geht, funktionierte bisher nur mit sogenannten Midi-Noten. Midi, das ist sozusagen die digitale Sprache, in der Synthesizer, Sampler, Computer und anderes Musikequipment untereinander Daten und Befehle austauschen. Via Midi gelangen Noten, die man auf einem Keyboard spielt, in den Computer. Der macht daraus bearbeitbare Daten, die Informationen über den jeweils gespielten Ton - also etwa Tonhöhe, -dauer und -intensität - enthalten. Mit entsprechender Musiksoftware können die Midi-Daten beliebig verändert, verschoben, gelöscht und kopiert werden. So lässt sich aus einer simplen Tonfolge, die man auf der Klaviatur eingespielt hat, ein komplexes Klangwerk machen. Und das Beste: Auch Spielfehler lassen sich damit ausbügeln.

Dieselbe Funktionalität soll es mit DNA jetzt auch für Aufnahmen von analogen Instrumenten wie Gitarre, Klavier oder Chorstimmen geben. "Akkorde in ihre einzelnen Noten zu zerlegen und diese Noten dann anfassen und verändern zu können, das habe ich mir natürlich schon immer gewünscht", sagt Peter Neubäcker. Den Traum hat er sich erfüllt.

Vor allem aber dürfte er den Traum vieler Musikproduzenten erfüllen, schneller zu vorzeigbaren Ergebnissen zu kommen. Kleine Verspieler und Ungenauigkeiten lassen sich mit seiner Software sekundenschnell ausbügeln. So wird auch ein mittelmäßig begabter Hobby-Geiger zum veritablen Nigel-Kennedy-Klon. Um einen vertrakten Gitarrenriff einzuspielen, braucht man mit DNA kein klassisch geschulter Gitarrist mehr sein. Stattdessen genügt es, einen Akkord im richtigen Rhythmus einzuspielen. Aus diesem Grundmaterial lassen sich dann nach Belieben neue Akkordfolgen und rhythmische Varianten zusammentricksen.

Vor allem aber ergeben sich mit Neubäckers Programm vollkommen neue Möglichkeiten der Klangformung. Denn die aufgezeichneten Töne können auch in sich selbst verändert werden. Etwa, indem man die schnelle Ansprache einer Gitarre zu einem langsamen Anschwellen ausdehnt. Vor allem aber gibt es auch die Option, die per DNA zerlegten Töne über ein Midi-Keyboard abzuspielen. Das ist ein bisschen so wie in einem Sampler - aber doch wieder anders.

Bis es wirklich soweit ist, wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen. Erst im Herbst soll die erste Version von DNA in ein echtes Produkt einfließen. Das wird das Programm Melodyne 2 sein, ein Zusatzmodul für Musikprogramme, das auf Korrekturen von Audioaufnahmen spezialisiert ist. Dessen Preis: 299 Euro.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, was es sonst noch Spannendes auf der Musikmesse zu entdecken gibt.

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