Mittwoch, 10. Februar 2010

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14.04.2008
 

Billigkopie

US-Firma baut Apple-Klon für 400 Dollar

Von Matthias Kremp

Weißes Design, 2,2-Gigahertz-Prozessor, integrierte Grafikkarte - eine kleine US-Firma hat einen Computer gebaut, auf dem das Apple-Betriebssystem Mac OS X läuft. Der Clou: Der Rechner ist deutlich billliger als das günstigste Einstiegsmodell des IT-Giganten. Das gibt Ärger.

Das Angebot klingt verlockend: Für exakt 399 Dollar sollen Käufer einen voll funktionsfähigen, nagelneuen Mac-kompatiblen Rechner bekommen, der auch noch schneller arbeitet und besser ausgestattet ist als Apples günstigster Einstiegsrechner, der 599 Dollar teure Mac mini. Die amerikanische Psystar Corporation bietet die verlockende Offerte an - und läuft damit Gefahr, sich mit Apples Rechtsabteilung anzulegen.

Denn Mac-kompatible Rechner, die nicht aus dem Hause Apple stammen, soll es eigentlich gar nicht geben. So schreibt es zumindest die sogenannte EULA (End User License Agreement) vor, die Endbenutzerlizenz für Apples Betriebssystem Mac OS X. In diesem Dokument findet sich der Passus, dass Apple es nicht gestattet, "den Boot-ROM-Code und die Firmware" seiner Rechner "zu kopieren, zu modifizieren oder erneut zu verteilen". Offizielle Lizenzen zum Bau von Mac-Klonen vergibt das Unternehmen seit der Rückkehr von Steve Jobs auf den Chefposten im Jahr 1997 nicht mehr.

Dabei wäre der von Psystar als "OpenMac" bezeichnete Rechner eine durchaus attraktive Alternative zu original Apple-Hardware. In der Grundausstattung wird der Klon mit einem 2,2 Gigahertz schnellen Intel Core-2-Duo-Prozessor, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, einer 250-Gigabyte-Festplatte, DVD-Brenner und integrierter Grafikkarte ausgeliefert. Damit ist er deutlich besser ausgestattet als Apples kleiner Mac mini. Der muss sich in der billigsten Version mit 1,83 Gigahertz und einer langsamen 80-Gigabyte-Notebook-Festplatte begnügen.

Auf dünnem Eis

Allerdings wird der Mac mit vorinstalliertem Mac OS X 10.5 ausgeliefert, während Psystars OpenMac in der Standardausführung ohne Betriebssystem daherkommt. Wer Mac OS X mitbestellt, muss 155 Dollar Aufpreis zahlen - womit der Preisvorsprung gegenüber dem Original deutlich schrumpft.

Ohnehin ist die Aufpreisliste lang. Wählt man alle Aufrüstmöglichkeiten aus, landet man bei einem Gesamtpreis, der mehr als doppelt so hoch liegt wie der angepriesene Betrag: 1045 Dollar. Ein Vergleich mit Original-Macs fällt schwer. Einzig ein iMac käme hinsichtlich Leistung und Ausstattung auf ein ähnliches Niveau, würde dann deutlich über 2000 Dollar kosten, hätte aber beispielsweise auch W-Lan, Bluetooth und vor allem einen 24-Zoll-Flachbildschirm an Bord. Dennoch ist klar: Der OpenMac ist ein Schnäppchen.

Wie lange es dieses Schnäppchen geben wird, ist allerdings eine Frage, mit der sich bald Anwälte und Richter beschäftigen dürften. Würde Psystar sich darauf beschränken, nur die nackten Rechner anzubieten, wäre das Unternehmen wohl auf der sicheren Seite. Da der OpenMac allerdings optional auch mit vorinstalliertem Mac OS X angeboten wird, begibt sich die Psystar Corporation auf sehr dünnes Eis.

Keine Chance gegen Apples Rechtsabteilung?

Denn dass Apples Betriebssystem überhaupt auf der PC-Hardware läuft, ist dem sogenannten OSX86-Projekt zu verdanken, einem losen Zusammenschluss verschiedener Hacker. Die haben es durch Software-Tricks geschafft, dem Apple-Betriebssystem auf PC-Hardware einen echten Mac vorzugaukeln. Das funktionierte freilich bislang nur durch Manipulationen an der sogenannten Firmware - was laut EULA verboten ist.

Nun soll es gelungen sein, Mac OS X auf Windows-PCs zum laufen zu bringen, ohne Apples Original-Software zu verwenden: Die Hacker sprechen von einer Emulations-Software, die diesen Part übernimmt. Ob Apples Rechtsabteilung dieser Sichtweise folgt, ist bislang noch unklar.

Doch der Name OpenMac wird wohl kaum Bestand haben - selbst wenn der Trick gelungen sein sollte und das Betriebssystem tatsächlich ohne Modifikationen, die der EULA widersprechen, auf dem Psystar-Computer läuft. Zumindest gegen den OpenMac wird Apples Rechtsabteilung mit Sicherheit vorgehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple wegen Namensähnlichkeiten vor Gericht zieht.

Klar ist aber auch, dass es etliche Firmen gibt, die jetzt gespannt gen Miami blicken. Auch in Deutschland gibt es mindestens ein Unternehmen, das bereits jetzt in der Lage wäre, Apple-Klone samt Mac OS X zu verkaufen. Bislang aber hat es kein Anbieter gewagt, solche Computer aktiv zu bewerben. Zu groß war die Angst, Apple könnte derartige Versuche sogleich mit der großen Paragrafenkeule niedermachen.

Denn wie ernst es der Firma damit ist, Nachbauten zu verhindern, hatte Apple-Vize Phil Schiller schon kurz nach der Vorstellung der ersten Intel-Macs klargestellt, als er sagte: " Wir werden es nicht erlauben, dass Mac OS X auf irgendeiner anderen Hardware läuft als auf Apple-Macs." Psystar segelt stürmischen Zeiten entgegen.

Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu diesem Thema hat Apple bisher nicht beantwortet.

P.S.: Die Webseite von Psystar ist derzeit nicht mehr erreichbar. Offenbar hat die Meldung vom ersten Mac-Klon seit elf Jahren einen Besucheransturm ausgelöst, dem die Server der Firma nicht gewachsen waren.

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