Muss man sich wirklich ein teures Navigationsgerät kaufen, um ohne Umwege mit Auto, Fahrrad oder zu Fuß von A nach B zu kommen? Schließlich kostet ein Navigationsgerät nicht nur Geld - zwischen 100 und 600 Euro wird man locker los - sondern ist außerdem ein weiteres Gerät, dass man mit sich herumschleppen, es aufladen und pflegen muss. Warum also nicht einfach das Handy als Navi benutzen?
Die in vielerlei Hinsicht einfachste Lösung auf diesem Gebiet ist der an das Telefonbuch "Das Örtliche" angebundene Ö-Navi. Dessen Software bekommt man kostenlos und sie läuft auf einer Vielzahl unterschiedlicher Handys. Installation und Konfiguration sind schnell erledigt, ein Online-Assistent hilft bei der Ersteinrichtung. Tomtoms neues Navigations-Flaggschiff, der Go 930 Traffic, erfordert freilich gar keine Konfiguration. Auspacken, Einschalten, los geht's. Dafür ist er allerdings auch nicht kostenlos: 499 Euro wird man für ihn an der Ladenkasse los.
In dem dicken Paket, dass man dann nach Hause trägt, ist aber auch einiges drin: Neben dem Navi selbst liegen im Karton eine Autohalterung samt Autoladegerät, eine Dockingstation für den PC sowie eine Bluetooth-Fernbedienung.
Auch um den Ö-Navi wirklich benutzen zu können, muss man das Portemonnaie zücken. Zumindest einen GPS-Empfänger zur Positionsbestimmung sollte man haben. Empfehlenswert sind Modelle, die per Bluetooth-Kurzstreckenfunk ans Handy gekoppelt werden. Die bekommt man ab ca. 50 Euro im Handel. "Das Örtliche" selbst bietet ein Modell für 69,90 Euro an. Empfehlenswert ist es allerdings, gleich zum kompletten Autokit zu greifen. Das enthält neben dem GPS-Empfänger eine Autohalterung fürs Handy, ein Netzgerät sowie ein Autoladegerät.
Der GPS-Empfänger macht eine gute Figur, sieht nett aus und rutscht wegen seiner matt lackierten Oberfläche nicht zu sehr auf dem Armaturenbrett herum. Für den Einsatz zu Fuß eignet er sich freilich kaum, weil man ihn dafür ständig vor sich her tragen müsste. Wer das Ö-Navi gerne beim Spaziergang durch fremde Städte oder bei Wanderungen verwenden möchte, ist mit einem kleineren Gerät, wie etwa dem B-Speech GPS 20C besser versorgt. Letzteres wird überdies samt Schlüsselanhänger ausgeliefert, so dass man es beispielsweise an der Jacke befestigen kann.
Online-Routenplanung
Wer sich vom Ö-Navi den Weg weisen lassen will, muss nicht einmal die Adresse seines Ziels wissen. Die besorgt sich die Software per Online-Datenabfrage aus dem Telefonbuch. Natürlich kann man die Daten auch von Hand eingeben. Die Routenberechnung erfolgt auf dem Ö-Navi-Server, welcher die Navigationsdaten dann via Mobilnetz auf das Telefon überspielt.
Große Datenmenge kommen dabei nicht zusammen. Je nach Strecke ein paar Dutzend Kilobyte, vielleicht auch mal etwas mehr als hundert Kilobyte. Teuer kann es nur werden, wenn man den Navi regelmäßig Routenaktualisierungen laden lässt. Automatisch geschieht das etwa alle 30 Minuten. Die Buchung einer Datenoption, die ein bestimmtes Datenkontingent zum Festpreis enthält, kann sich schon nach wenigen Fahrten pro Monat lohnen.
"Intelligente" Routenplanung
Derlei Online-Anbindung braucht der Tomtom logischerweise nicht. In seinem Speicher ist Kartenmaterial für ganz Westeuropa, die USA und Kanada vorinstalliert. Wie sinnvoll die nordamerikanischen Daten sein mögen, sei dahingestellt. Karten-Updates und -verbesserungen besorgt er sich via PC aus dem Internet.
Eine hübsche Idee sind die sogenannten "IQ Routes". Dabei handelt es sich um Routenempfehlungen, die nicht starr die Daten des digitalen Kartenmaterials berücksichtigen. Vielmehr werden sie anhand tatsächlich gemessener Verkehrsströme berechnet. Staut sich der Verkehr also beispielsweise während der Hauptverkehrszeiten regelmäßig auf einer bestimmten Straße, wird das Gerät versuchen, einen anderen Weg zu finden, will man zu genau dieser Zeit dort vorbei. So fährt man vielleicht einen kleinen Umweg, ist aber doch schneller am Ziel.
Warnung vor dem Stau
Die dafür notwendigen Daten stammen von den Tomtom-Anwendern selbst. Jedes Mal, wenn ein solches Gerät an den PC angeschlossen wird, werden Messdaten der letzten Fahrten an Tomtom übermittelt - anonym, wie das Unternehmen beteuert. Daraus hat das Unternehmen eine riesige Datenbank von Stauschwerpunkten erzeugt, auf der die IQ Routes basieren. Einen Rabatt für die Anschaffung neuer Geräte, die diese Technologie unterstützen, bekommen die eifrigen Datenspender freilich nicht.
Um Staus zu umfahren, bedienen sich beide Geräte der TMC-Verkehrsinformationen (Traffic Message Channel). Dies allerdings auf unterschiedlichem Niveau. Während der Ö-Navi nur etwa im Halbstunden-Rhythmus nach neuen Meldungen sucht, ist der Tomtom kontinuierlich auf Empfang. Zudem nutzt er den lizenzpflichtigen TMCpro-Dienst, der meist früher als der normale TMC vor Verkehrsblockaden warnt. Dummerweise verhielten sich die Autofahrer während des Tests vorbildlich und weigerten sich standhaft, irgendwelche Staus zu provozieren.
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