Jetzt also auch Napster: Ab sofort bietet das Unternehmen sein gesamtes Musik-Repertoire ohne Kopierschutz an. Das einst als Musiktauschbörse bekannt gewordene Unternehmen folgt damit einem Trend, den längst die Großen der Branche vorgegeben haben. Sowohl Apple als auch Amazon, AOL und Musicload bieten bereits kopierschutzfreie Songs an. Napster allerdings geht reichlich in Vorleistung: Insgesamt sechs Millionen Titel bietet der neue Online-Shop im MP3-Format an.
Um die Qualität der Musik scheint es dabei nicht schlecht zu stehen: Alle Dateien sind mit einer Datenrate von 256 Kilobit pro Sekunde kodiert. Als Standard gelten bei MP3-Dateien 128 Kilobit pro Sekunde. Die Plattencover werden in einer Auflösung von 1000 x 1000 Pixel in die Musikdateien eingebettet. Durch den Wechsel zum MP3-Format sind Napster-Kaufsongs jetzt auf fast allen verfügbaren Audioplayern und Musik-Handys abspielbar. Zudem können sie beliebig oft kopiert und auf CD gebrannt werden.
Bisher hat sich Napster vor allem auf den Verkauf von Musik-Abos spezialisiert. In Deutschland etwa kosten diese Abos zwischen 9,95 Euro und 14,95 Euro. Als Gegenleistung kann man sich nach Lust und Laune aus dem Napster-Angebot bedienen. Allerdings nur so lange, wie das Abo läuft. Kündigt man seinen Vertrag, sind auch die geladenen Musikdateien nicht mehr abspielbar.
Zusätzlich hat Napster allerdings auch bisher schon Kaufmusik angeboten. Die war allerdings in Microsofts WMA-Format abgelegt und mit einem Kopierschutz versehen und daher nur auf Playern abspielbar, die Microsofts Rechtemanagement (DRM) unterstützen. Zudem war zum Kauf die Installation einer speziellen Napster-Software nötig, die es ausschließlich für Windows-Betriebssysteme gibt.
Durch den Schwenk zu MP3 hat all das ein Ende. Mit dem Verzicht auf einen Kopierschutz geht auch eine Vereinfachung des Musik-Einkaufs einher. Der neue Napster-Musikshop läuft als Online-Anwendung in einem Browserfenster. Dadurch können künftig sich auch Mac- und Linux-Anwender aus Napsters Angebot bedienen.
| Überblick: Deutsche Kaufmusik-Angebote und die mögliche US-Konkurrenz | |||||
| Angebot | iTunes | Musicload | AOL | mögliches Amazon-Angebot | mögliches Napster-Angebot |
| große Labels im Angebot | EMI, Universal Music, Warner, SonyBMG | EMI, Universal Music, Warner, SonyBMG | EMI, Universal Music, Warner, SonyBMG | EMI, Universal Music, Warner, SonyBMG | EMI, Universal Music, Warner |
| verfügbare Songs insgesamt | 6 Mio. | 3 Mio. | 1,5 Mio. | 2,9 Mio. | 6 Mio. |
| Dateiformat | AAC | WMA / MP3 | WMA / MP3 | MP3 | MP3 |
| Songs mit DRM | 4 Mio. | ca. 3 Mio. | knapp 1,5 Mio.** | keine | keine |
| Songs ohne DRM | 2 Mio. | 1 Mio. | wenige ** | 2,9 Mio. | 6 Mio. |
| Preis Song | 0,99 Euro | 0,79 bis 1,69 Euro | 0,79 bis 1,29 Euro *** | 0,89 (30% der Songs) bis 0,99 Euro | 0,79 |
| Preis Album | ab 5,94, meist 9,99 Euro | 6,95 bis 14,95 Euro | 7,99 bis 12,99 Euro *** | 8,99 (100 Bestverkaufte) bis 9,99 Euro | 7,99 |
| * zum Vergleich haben wir die US-Preise von Amazon und Napster 1:1 in Euro umgerechnet, wie es Apple bei iTunes handhabt. Natürlich könnten die beiden Anbieter ihre Preise anders als Apple gestalten, auch könnte der Umfang des Angebots sich in Europa von dem in den Vereinigten Staaten unterscheiden.
** AOL Deutschland hat mit dem Verkauf von DRM-freien MP3-Musikdateien begonnen. Zu Beginn sind die Titel der Independent Labels Kontor und Edel Music als MP3s erhältlich, Labels wie EMI und Zebralution sollen folgen. *** Die meisten Titel liegen zwischen 0,99 und 1,29 Euro, die meisten Alben zwischen 9,99 - 12,99 Euro. Quelle: Herstellerangaben, eigene Recherche Stand: Mai 2008 |
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Gegen welchen Konkurrenten sich Napster mit dem neuen Angebot aufstellt, wird spätestens dann klar, wenn man sich vor Augen führt, dass Napsters MP3-Songs automatisch in eine bestehenden iTunes-Bibliothek integriert werden. Bislang ist Apple mit seinem iTunes Store mit weitem Abstand Weltmarktführer. Viele der dort angebotenen Songs sind allerdings mit Apples Fairplay-Kopierschutz versehen, der die Wiedergabe nur mit Apples iPod- und iPhone-Abspielern ermöglicht.
Indem Napster solchen Beschränkungen umgeht, sollen neuen Kunden angelockt werden. "Die Anwender können Napster jetzt mit jedem Gerät benutzen", sagt Firmenchef Chris Gorog. Er gibt sich optimistisch, dass sich "die Anwender letztlich für ein unbeschränktes Musikangebot entscheiden werden".
Das können sie, zumindest mit Napster, allerdings nur, wenn sie in den USA wohnhaft sind. Wie so oft ist das neue Angebot auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Auch damit schließt sich Napster der Konkurrenz an. Denn auch die kopierschutzbefreiten Angebote von Amazon und eMusic sind bislang nur für US-Bürger verfügbar.
mak
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