Die Spielebranche steht im Jahr 2008 in einem Spannungsfeld: Hier die alte Zielgruppe, der harte Kern, männlich, unter 30, kampferprobt - und dort die neue Zielgruppe, die sogenannten Casual Gamer.
Letztere werden auch bei der Electronic Entertainment Expo (E3) heftig umworben.
Von Nintendo sowieso, und auch Microsoft widmete der erweiterten Zielgruppe in seiner Präsentation viel Raum.
Sony schlug den entgegengesetzten Weg ein: Die Pressekonferenz des japanischen Konzerns war ganz auf die Hardcore-Gamer zugeschnitten.
Für einen Eindruck reicht es, ein paar der präsentierten Spiele zu benennen:
"Resistance II" soll Online-Kämpfe mit bis zu 60 Teilnehmern erlauben. Am Ende der Pressekonferenz zeigte Sonys Zulieferer Zipper Interactive noch einen opulent-brutalen Trailer für einen Titel namens "Massive Action Game" (MAG), in dem bis zu 256 Kämpfer online gegeneinander antreten können sollen. So gewaltige Multiplayer-Schlachten gab es bislang nicht in Shootern - mit MAG will man das vernetzte Kriegspielen auf eine neue Stufe heben.
Die Liste der präsentierten Titel ist noch ungleich länger. Wo die Konkurrenz eher sparsam mit den Ankündigungen umging, klotzte Sony mit schierer Masse. Man will potentielle Käufer dringend davon überzeugen, dass die eigenen Konsolen die mit der besten Software-Auswahl sind. Diese Krone hat Microsoft der PS3 mit dem früheren Start der Xbox 360 nämlich geklaut, und Sony will sie unbedingt zurück.
Auch für die Playstation Portable (PSP) und die alte Playstation 2, immer noch die am weitesten verbreitete Konsole der Welt, wurden bergeweise neue Titel angekündigt. Wieder nur kurz gezeigt und dann ohne konkreten Termin wieder hinausgewinkt wurde Sonys Konsolen-"Second Life" namens "Home" - Sonys US-Chef Jack Tretton formulierte diplomatisch, die Geduld der Beobachter werde sich auszeichnen, wenn der virtuelle Spielraum eines Tages fertig sei.
Präsentation der Zahlen in Spielform
Ziemlich weit ist dagegen augenscheinlich die als Spiele-Editor nutzbare Spielwelt "Little Big Planet" - die üblicherweise äußerst dröge Pflichtpräsentation von Zahlen und Ausblicken hatte ein Entwicklerteam in ein seitwärts scrollendes Mini-Spielchen verwandelt, das ablief, während Tretton redete. So viel Charme ist man von Game-Pressekonferenzen gar nicht gewöhnt.
Um die immer noch von vielen als zu teuer empfundene PS3 attraktiver zu machen, soll die Konsole ab September standardmäßig mit 80 Gigabyte-Festplatten ausgestattet sein, aber weiterhin 399 US-Dollar kosten. Kritiker warnen allerdings, die neue Version könnte unter Umständen nicht mehr kompatibel mit alten PS2-Spielen sein.
Auch Microsoft hatte kurz vor der Messe bereits mehr Speicher für seine Konsole angekündigt. Die Strategie dahinter ist bei beiden Unternehmen die gleiche: Die Konsolen sollen über die Netzanbindung zum Multimedia-Downloadcenter werden.
"Unterwältigtes" Publikum?
Sony enthüllte bei seiner Präsentation einen langerwarteten Download-Laden, über den man Filme, auch in HD-Auflösung, Serien und weiterhin Spiele, Demos und Spielinhalte wird kaufen können. Im Gegensatz zu Microsoft hat Sony auch noch ein portables Gerät, das mit ins Spiel gebracht werden kann: Filme soll man von der PS3 nach dem Herunterladen auch auf die PSP herüberziehen und dann in passendem Format unterwegs ansehen können. Die PSP sei "einer der Schlüssel, um das Wohnzimmer zu übernehmen", sagte Tretton - das Wohnzimmer ist der Ort, auf den die Anstrengungen aller Konsolenstrategen zielen dieser Tage.
In Europa ist von Sonys Download-Herrlichkeit bislang allerdings nichts zu sehen. Wenn das Angebot dann mal kommt, wird man sich hierzulande wohl wie auch bei Microsofts schon im vergangenen Jahr gestarteten Film-Download-Programm aus Rechtegründen wieder mit einem höchst abgespeckten Dienst abfinden müssen. Was Unterhaltung angeht, behandelt der Markt Europa stiefmütterlich.
Die ganz großen Ankündigungen sind somit ausgeblieben bei den Konferenzen der großen Drei. Nintendo und Sony hätten das Publikum "unterwältigt" titelt die "New York Times heute - und Sony hatte zwar Masse und solide Qualität für die Kernzielgruppe zu bieten - doch echte Überraschungen fehlen.
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