Von Mathias Hamann
Früher sollten eigentlich die Waffen während der Spiele ruhen, und in den Jahren des Ersten und Zweiten Weltkriegs pausierte daher auch Olympia. Aber Russland und Georgien beweisen es gerade: Militärische Echtzeitstrategie laufen auch während der Olympischen Spiele. Dann könnten es doch auch "Starcraft", "Command & Conquer", "Warcraft" oder "Age of Empires". Die sind militärisch ungefähr so blutrünstig wie Schach, nur komplexer.
Die Idee dahinter ist dieselbe: Einheiten mit verschiedenen Stärken müssen über eine begrenzte Fläche dirigiert werden, bis der Gegner matt ist. Wo bei Schach der großmeisterliche Kopf ruhig in Rodins Denkerhaltung auf der Hand ruht, flitzen die Hände der Gamer-Generäle in Vorspulgeschwindigkeit über Maus und Tastatur. Mehr als hundert koordinierte Aktionen vollziehen koreanische Champions pro Minute. Dafür üben sie auch locker zehn Stunden täglich. Die Deutschen belassen es bei drei, vier Stunden - neben Schule oder Studium.
Bei den Spielen in Leipzig blieb die Tribüne gut gefüllt während der Matches, nur wenige Stühle blieben leer. Die Spiele schulen nicht nur strategisches Denken, sondern auch die Geschichtskenntnisse. So versetzt "Age of Empires" den Gamer-General ins Jahr 1857 und direkt in die indische Revolte gegen die britischen Kolonialherren.
Fazit: Ungünstig für eine TV-Übertragung, weil kein Laie die Aktionen versteht. Für Olympia könnten - reichlich zynisch - aktuelle Szenarien nachgespielt werden. Aktuell böte sich an: "Command & Conquer" - der tibetische Aufstand.
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