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25.08.2008
 

Games Convention

Leipzig macht weiter

Die Leipziger Games Convention feiert ihren erneuten Besucherrekord mit einer trotzigen Entscheidung: Die Messe macht weiter, tritt 2009 in direkte Konkurrenz zur von den Dickschiffen der Branche geplanten GAMEScom in Köln.

Nach einem erneuten Besucherrekord soll es nun doch weitergehen mit der Games Convention (GC) in Leipzig - zur Not zunächst ohne einige der Brancheriesen, die über den Branchenverband BIU ab 2009 eine eigene Spielemesse im verkehrstechnisch günstiger gelegenen Köln veranstalten werden.

Messechef Wolfgang Marzin: Will mit Rückendeckung von Branche und Publikum weitermachen
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AP

Messechef Wolfgang Marzin: Will mit Rückendeckung von Branche und Publikum weitermachen

Damit tritt die Games Convention, die zurzeit erfolgreichste Spielemesse der Welt, in direkte Konkurrenz zu ihrem designierten Erben, der GAMEScom. Die könnte es nun erheblich schwerer haben, als gedacht.

Fünf Jahre lang war die Games Convention in Leipzig eine brummende, boomende Messe, eine Erfolgsgeschichte, wie es sie nur selten gibt. Dann entschieden die Großunternehmen der Branche, sich ab 2009 lieber in Köln zu treffen.

Die Leipziger GC schien an ihrem eigenen Erfolg erstickt. Zu klein für die rapide wachsende Veranstaltung sei Leipzig, argumentierten Vertreter des von den Großunternehmen der Branche dominierten Verbands BIU und beklagten Zustände wie in Hannover zur Cebit-Zeit: Wie solle man transkontinental angereisten Branchenvertretern erklären, dass sie zu zweit in einem Zimmer zu übernachten hätten oder irgendwo weit draußen in Pusemuckel, weil Leipzig mehr Gäste als Hotels zu bieten habe? Darum also Köln - und nicht etwa, weil das Oberschwergewicht der Branche dort seinen Sitz hat.

Glaubt man den Ergebnissen einer Umfrage der Messegesellschaft Leipzig unter den 203.000 Besuchern der vergangenen Tage, dann ist die Unzufriedenheit mit Leipzig zu einem guten Teil virtuell. Die beim Leipziger Institut für Marktforschung in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage habe ein deutliches Ergebnis erzielt: "Die Branche und die Besucher unterstützen uns eindeutig darin, die Messe in Leipzig fortzuführen", fasste Messechef Wolfgang Marzin zusammen.

Gerade einmal zehn Prozent der befragten Firmenvertreter und 13,2 Prozent der Fachbesucher wollen demnach im nächsten Jahr darauf verzichten, nach Leipzig zu kommen. Marzin reicht das, das Experiment GC mindestens ein Jahr weiterzuführen - und zugleich an Tochtermessen in Asien und Amerika zu denken. Obwohl die Zahlen und der Erfolg der vergangenen Jahre für Marzin und die GC sprechen, ist das eine ordentliche Portion Chuzpe: Die GC sucht damit die Konfrontation mit dem Branchenverband BIU - den man auch als Kartell der Dickschiffe beschreiben könnte.

Viele Zwerge gegen wenige Riesen

Denn der BIU hat gerade einmal zwölf Mitglieder. Die allerdings beherrschen rund 80 Prozent des Marktes. Als der Verband für Mitte September die erste GAMEScom in Köln ankündigte, erschien das zunächst wie ein sicheres Todesurteil für die Games Convention. Die sucht ihre Chance nun trotzdem - und wie üblich im August, drei Wochen vor der GAMEScom. Die konkurriert dann zudem mit der direkt davor stattfindenden IFA.

Leipzig feiert sich und seinen Mut derweil erst einmal kräftig. Bis zum nächsten Jahr sollen 1500 neue Hotelbetten her, Stadt und Landesregierung stärken der Messegesellschaft für die GC den Rücken.

Ähnlich wie bei den Buchmessen Frankfurt und Leipzig läuft das auf einen Clash zwischen zwei Veranstaltungen hinaus, von denen eine eher von der Industrie gestützt wird, die andere stärker vom Publikum. Anders als bei den Schmökermessen ist hier aber absolut noch nicht ausgemacht, wer sich durchsetzt: Köln sind zwölf sehr wichtige Aussteller sicher, laut Standumfrage erhofft sich Leipzig auch 2009 fast 500 Aussteller. Ausschlaggebend könnte aber das Verhalten der Fans werden: Das Beispiel der E3 in den USA hat gezeigt, dass Spielemessen nur so lange wirklich wichtig und erfolgreich bleiben, wie sie von den Fans getragen werden - als reine Fachmessen sind sie kaum tragfähig.

Ob die deutsche Messelandschaft aber zwei Spielegroßmessen innerhalb weniger Wochen trägt, dürfte fraglich sein. Auch die vom BIU geplante Weitergabe des Staffelstabs der weltgrößten Games-Messe von Leipzig nach Köln ist nun keine ausgemachte Sache mehr.

pat

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