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29.09.2008
 

TiVo-Videorecorder-Software

Schlauer schauen mit Neros Tivo

Von Matthias Kremp

Fernseh-Freaks aufgepasst: TiVo, in den USA ein Synonym für komfortable Festplattenrecorder, kommt nach Deutschland. Zunächst werden die Funktionen aber nur über eine PC-Software angeboten - und die stammt von einem Software-Haus aus Karlsbad.

Der Software-Hersteller Nero hat sich mit TiVo zusammengeschlossen und die Funktionen der TiVo-Recorder auf den PC übertragen. Das Programmpaket Nero Liquid TV / TiVo PC soll Windows-Rechner zu Luxus-Videorecordern machen. In den USA hat die Ankündigung am Montag für Furore gesorgt. Schließlich steht ein TiVo bei vielen TV-Junkies weit oben auf der Wunschliste, wird aber immer wieder zurückgestellt, weil die TiVo-Recorder bis zu 600 Dollar kosten, die monatlichen Gebühren für den TiVo-Service nicht mitgerechnet.

Dieser Service aber, und das gehört zu TiVos Erfolgsrezept, ist zwingend nötig, um einen TiVo-Recorder nutzen zu können. Denn anders als herkömmliche Aufnahmegeräte versorgen sich TiVo-Recorder via Internet mit aktuellen Programminformationen, können sogar per Handy für Aufnahmen scharf geschaltet werden. In den USA ist das netzgestützte Aufnahmesystem so populär, dass es sogar eine Gastrolle in einer Folge der TV-Serie "Sex and the City" bekam. Die alleinerziehende Mutter Miranda bezeichnet den TV-Helfer gar als ihren neuen Freund.

Wohl auch dank solcher Product-Placements ist TiVo eine Erfolgsgeschichte geworden. Immerhin 4,2 Millionen zahlende Abonnenten, die bis zu 130 Dollar pro Jahr zahlen, kann das Unternehmen derzeit vermelden. Die allerdings waren bisher allesamt auf dem amerikanischen Kontinent versammelt. Erst vor kurzem hat das Unternehmen damit begonnen, seinen Aufnahmedienst auch auf andere Länder auszudehnen. Mexiko und Kanada waren zuerst dran, Australien, Taiwan und Großbritannien folgten. Ab 2009 nun dürfte das Angebot auch hierzulande nutzbar werden.

Die Idee ist nicht neu

Aber muss man deshalb wirklich ein Fass aufmachen? Wirklich neu ist die Idee, einen PC zum Recordersklaven zu degradieren, schließlich nicht. In der Media-Center-Software von Windows Vista etwa ist eine TV-Aufnahmefunktion bereits integriert. Jedem handelsüblichen TV-Empfänger für PCs liegt eine solche Software bei. Und doch gibt es einen großen Unterschied: Diese Programme arbeiten meist genauso wie ein normaler Videorecorder. Die meist angebotenen elektronischen Programmzeitschriften (EPG) erleichtern die Programmierung der Geräte zwar, erfordern aber immer noch viele manuelle Eingaben des Benutzers.

Zudem gab es auch in Deutschland schon vor Jahren ein ähnliches System wie TiVo. Über einige Jahre hinweg entwickelte die Fast TV Server AG Festplattenrecorder, die von Anwendern und Testern hochgelobt wurden.

Wie TiVo kombinierten auch die Fast-Recorder einen Online-EPG mit einem Festplattenrecorder. Ein ähnlich rauschender Erfolg, wie er TiVo in den USA beschieden war, blieb allerdings aus. Die enorm hohen, meist vierstelligen Euro-Preise der von Fast als TV-Server bezeichneten Geräte mögen ihren Anteil daran gehabt haben, dass sich das Unternehmen mittlerweile vom TV-Geschäft gelöst hat, sich als Anbieter von Technologien für die Langzeitarchivierung von Geschäftsdaten verdingt. Zudem hatte das System gegenüber TiVo einige Schwächen. Wurde beispielsweise der Sendeplatz einer Serie geändert, zeichneten Fast-Geräte stumpf weiterhin zur gewohnten Zeit auf, verpassten aber die eigentlich gesuchte Sendung.

Pseudointelligente TV-Assistenten

Mit TiVo dagegen soll man vor solchen Malaisen gefeit sein. Sogenannte Season-Pass-Aufnahmen funktionieren wie ein Abonnement der jeweiligen Serie: Der Recorder zeichnet alle Folgen auf, die gesendet werden, egal auf welchem Sender und egal wann. So kann man beispielsweise alle Folgen von "Grey's Anatomy" aufzeichnen, egal, ob sie zur Hauptsendezeit gezeigt oder in den frühen Morgenstunden wiederholt werden.

Genau solche pseudointelligente Assistentenfunktionen sind es, die den besonderen Charme von TiVo ausmachen. Etwa eine Wunschliste, in die man beispielsweise eintragen kann, dass alle Filme aufgenommen werden sollen, in denen Brad Pitt und Angelina Jolie mitspielen. Oder die Vorschlagsfunktion, die eine Art persönliches TV-Programm zusammenstellt.

Ohne Abo geht gar nichts

Die TiVo-Software von Nero allerdings bietet noch einige Funktionen, die den Hardware-Recordern fehlen. Beispielsweise die Option, aufgezeichnete Sendungen auf DVD zu brennen, schließlich ist das wichtigste Nero-Produkt eine Brennsoftware für CDs und DVDs. Damit nicht genug soll es auch eine Export-Funktion geben, mit dem man Filme passend für Sonys PSP oder Apples iPod speichern kann.

Ab Oktober soll die Software verfügbar sein. Zunächst nur in den USA, Kanada und Mexiko. Als Download soll Liquid TV / TiVo PC 99 Dollar (69 Euro) kosten. Zusätzlich wird die Software als Komplettpaket, inklusive TiVo-Fernbedienung, TV-Tuner und DVB-T-Antenne für 199 Dollar (138 Euro) angeboten. Beide Varianten enthalten ein Einjahres-Abo für den TiVo-EPG. Im Anschluss wird jeweils ein Jahresbeitrag von 99 Dollar fällig.

Anfragen nach dem geplanten Zeitpunkt, zu dem Neros TiVo-Software in Deutschland eingeführt werden soll, beantwortete das Unternehmen bis zum Mittag nicht. Denkbar und sinnvoll wäre aber sicher die Computermesse Cebit, die im März 2009 stattfindet.

Fraglich ist freilich, ob es dann wirklich bei der Software bleiben wird. Ist der Markt mit Neros Hilfe erst einmal auf das TiVo-System vorbereitet, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis auch echte TiVo-Recorder hierzulande eingeführt werden.

Der Markt in den USA ist bereit

Eine reine Web-basierte Lösung ist in den USA weit naheliegender als hierzulande. Nach dem Autorenstreik der TV-Branche erlebten IPTV, Web-TV und alle Formen von On-demand-Fernsehen dort einen Boom, der den lange erwarteten Paradigmenwechsel vom TV zum Monitor eingeleitet zu haben scheint. Einer am letzten Freitag veröffentlichten Studie des Marktforschungsunternehmens ABI Research zufolge hat sich die Zahl der Amerikaner, die via Web solche Angebote verfolgen, binnen eines Jahres auf 63 Prozent verdoppelt.

Das beschränkt sich nicht mehr auf jugendliche Zielgruppen. Rund ein Viertel der Amerikaner über 65 Jahre sollen mittlerweile bereits Erfahrungen mit online vertriebenen TV- und Film-Langformaten gemacht haben. Ein Großteil der Zielgruppe bis 29 Jahre hat derweil den Schwerpunkt ihres Videokonsums auf das Web verlegt.

In Deutschland sieht das noch anders aus. Während US-Sender ihr Programm zunehmend auch online anbieten, hat die deutsche TV-Landschaft hier nach wie vor herzlich wenig zu bieten. Vor allem Entertainment sucht man weitgehend vergeblich - und wenn, dann im Rahmen von On-demand-Angeboten, bei denen jeder einzelne Konsum eines TV-Stücks mit 99 Cent bis zu fünf Euro zu Buche schlägt. Deutsche Konsumenten kommen nicht in den Genuss der kostenlosen, legalen US-Angebote: Die Sender sperren ihre Angebote mit Hilfe von Geo-IP-Techniken für Konsumenten außerhalb der USA.

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