Von Johannes Sträter
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"Narc", USA 2002. Regie: Joe Carnahan. Darsteller: Ray Liotta, Jason Patric. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. 3,90 Euro
Einen nicht nur äußerlich gereiften Ray Liotta ("Good Fellas") sehen wir in diesem bitteren, teils recht brutalen, aber atmosphärisch interessanten Cop-Thriller um einen im Drogenmilieu ermordeten Undercover-Agenten. Als ehemaliger Partner des Toten wird Lieutenant Henry Oak (Ray Liotta) zusammen mit dem reaktivierten Drogenfahnder Nick (Jason Patric) auf die Spur der Mörder gesetzt. Die Suche nach der Wahrheit geht dabei recht merkwürdige Wege, und die Auflösung bleibt bis zur letzen Sekunde höchst spannend.
Heraus kommt dabei ein harter, beeindruckender Streifen mit Moral, aber ohne erhobenen Zeigefinger, der hierzulande leider nie in den Kinos zu sehen war, was sicherlich nicht an der Einschätzung des Produzenten Tom Cruise lag. Der war von Regisseur Joe Carnahans Arbeit so überzeugt, dass er ihn direkt für "Mission: Impossible 3" engagierte, worüber sich beide später jedoch zerstritten.
Erst vier Jahre später stellte Carnahan mit dem hoch gelobten Action-Thriller "Smokin Aces" seinen nächsten Film fertig – übrigens wieder mit Ray Liotta in einer Hauptrolle – und für 2009 sind gleich drei Premieren angekündigt, darunter mit "White Jazz" eine lange erwartete Buch-Verfilmung aus der L.A.-Reihe von James Ellroy. Da lohnt es sich umso mehr, einen Blick auf den Streifen zu werfen, mit dem er in Hollywood 2002 seinen Durchbruch feierte.
Bis Januar 2009 im Handel
"Shade", USA 2003. Regie: Damian Nieman. Darsteller: Steward Townsend, Sylvester Stallone. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis 3,70 Euro.
Ungewohnt seriös mit graumelierten Schläfen und Maßanzug zeigt sich die Stahlfaust Sylvester Stallone hier in einer dezenten Nebenrolle als gewiefter Pokerprofi Dean Stevens. Gegen ihn wollen drei mindestens ebenso gut angezogene und mit allen Wassern gewaschene Gauner einen zwei Millionen Dollar schweren Coup durchzocken, haben jedoch ihren Plan ohne die Mafia und ohne einen Betrüger in den eigenen Reihen gemacht.
Vielleicht waren es Filme wie dieser, die "Sly" Stallone dazu brachten, es sich und der Welt mit "Rocky 5" und "Rambo 4" noch einmal zu zeigen. Völlig unterfordert stellt er seinen großen Körper in die Kulissen des Regiedebüttanten Damian Nieman und doziert über Kartentricks und andere Betrügereien. Doch zum Glück gibt es noch eine engagierte Crew mit weiteren recht bekannten Gesichtern, die gemeinsam mit dem Großen einen brauchbaren Glücksspiel-Film abliefern, der letztlich die Erwartungen erfüllt – mehr aber auch nicht.
Bis 9. November im Handel
"Big Bad Wolf", USA 2006. Regie: Lance W. Dreesen. Darsteller: Trevor Duke, Kimberly J. Brown. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis 7,90 Euro
Eigentlich wollte der schüchterne Derek (Trevor Duke) ein paar großkotzigen Highschool-Kollegen mit der abgelegenen Jagdhütte seines ätzenden Stiefvaters imponieren, richtet jedoch ungewollt einem blutrünstigen Werwolf die Schlachtplatte an. Nur knapp entkommt er mit seiner unerschrockenen Freundin Samantha (Kimberly J. Brown) dem Gemetzel, ahnt aber schon bald, wer sich hinter dem Monster verbirgt.
Das gut ausgeleuchtete Horrorspektakel mit einem wirklich hungrigen, aber auch recht vulgären Werwolf ist den Hütern der Filmzensur anscheinend komplett durchgerutscht, denn einige Szenen sollten mit ihrer Deutlichkeit wohl vom etwas karnevalesk maskierten Monster ablenken. Das dürfte jedoch exakt derjenigen jugendlich-pubertären Altersgruppe gefallen, die im Film genüsslich hingemeuchelt wird, was man fast schon wieder als ausgleichende Gerechtigkeit betrachten kann. Am Ende kommt dabei ein trashiges Crossoverwerk irgendwo zwischen Splatter-, Horror- und Teeniekomödie heraus, das sich hervorragend für gruppendynamische Experimente bei Bier und Pizza eignet.
Bis 18. November im Handel
"Ich küsse meinen Mörder", GB/USA 1996. Regie: David Richards. Darsteller: Rosie Rowell, Daniel Craig. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 12 Jahre
und
"Gunshy – Aus Leidenschaft zum Mörder", USA 1998. Regie: Jeff Celentano. Darsteller: William Petersen, Michael Wincott. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 16 Jahre. Preis 3,90 Euro
Mit zwei auf den ersten Blick angestaubt wirkenden Krimis aus den neunziger Jahren startet das Medienmagazin "SFT" in den Winter.
Im ersten Streifen sehen wir den damals 28-jährigen Daniel Craig ("Casino Royale") als jungen Kommissar Matt Kearny, dem das Leben übel mitspielt: Sein Chef will ihn rauswerfen, seine Freundin Jude (Rosie Rowell) hat ihn verlassen. Als sich eine läppische Vermisstenmeldung zum kapitalen Mordfall auswächst, wird ausgerechnet letztere als Lockvogel eingesetzt und verknallt sich auch noch in den Verdächtigen. Kein Wunder, dass Matt einen Fehler nach dem anderen macht und seinen Frust im Schnaps ertränkt – bis sein Partner ihn gerade noch rechtzeitig aus der Lethargie reißt.
Bereits in dieser etwas mager ausgestatteten Fernsehproduktion erkennt man unschwer Craigs Potential, das er Mitte November wieder als James Bond auf der Kinoleinwand präsentieren darf. Mit dem britischen TV-Serienstar Rosie Rowell ("Soldier Soldier") an seiner Seite wird er hier von BBC-Regisseur Daniel Richards gekonnt durch ein cleveres Drehbuch geführt, das zunehmend nach den Nerven seines Publikums greift. Heraus kommt ein feiner Psychokrimi aus Sherlock Holmes Heimatland, der sich spätestens beim spannenden Showdown zum kleinen Geheimtipp nicht nur für Genrefans mausert.
Nicht ganz so überzeugend begegnet uns William Petersen ("CSI: Las Vegas") bis zur ersten Halbzeit des Fernsehthrillers "Gunshy". In der schön gefilmten, aber etwas zäh anlaufenden Dreiecksgeschichte gerät er in der Rolle des gescheiterten Star-Journalisten Jake Bridges aus unerfindlichen Gründen in die Obhut des brutalen, aber an sich selbst zweifelnden Geldeintreibers Frankie (Michael Wincott). Zum Dank dafür macht er sich an dessen Freundin Melissa (Diana Lane) ran.
Doch was als misslungener Film Noir beginnt, nimmt nach einem überraschenden Twist in der zweiten Hälfte unverhofft Fahrt auf und wird dann noch einmal richtig spannend. Vor allem Michael Wincott ("1492"), der ansonsten ein Abo auf böse, aber tragische Nebenrollen hält, würzt seine zwielichtige Figur mit fast schon sympathischen Zügen.
Insgesamt findet sich in dem günstigen Filmpäckchen damit ein unterhaltsames Krimi-Doppel, mit dem man einen grauen Novembertag locker übersteht.
Erscheint am 29. Oktober im Handel
"Schneeweißchen und Rosenrot", DDR 1979. Regie: Siegfried Hartmann. Darsteller: Julie Juristová, Katrin Martin. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: ohne Altersbeschränkung. Preis 2,99 Euro
Nach der sowjetrussischen Waldgeistereinlage vom Oktober findet sich Anfang November wieder ein Stück aus dem Grimmschen Märchenkosmos auf der Monats-DVD der "Super Illu". In leicht abgewandelter Interpretation lässt Siegfried Hartmann die beiden Schwestern Schneeweißchen und Rosenrot in der Nähe eines Bergbaustollens wohnen, wo ein Berggeist seinen Schatz versteckt und zwei Prinzen in Tiere verwandelt, als sie ihm auf die Schliche kommen. Doch die Mädchen freunden sich mit dem Falken und dem Bären an, können beide befreien und den Schatz schließlich gewinnen.
Wie immer sollte man bei den DEFA-Märchen kein große Trickkiste erwarten, sondern sich über den Charme der Improvisation und der Kostüme freuen, für die sich die Ausstatter allerdings ausgiebig von den erfolgreichen tschechischen Barrandov-Studios beraten ließen, was bis zum Engagement tschechischer Darsteller reichte. Beim Drehbuch verließ man sich wieder ganz auf eigene Ideen und versuchte, die Arbeits- und Lebenswelt der Bergleute möglichst authentisch darzustellen, was für das junge Publikum mit entsprechend stimmungsvoller Musik untermalt worden ist.
Vom 6. bis 12. November im Handel
"Final Cut – Die letzte Abrechnung", GB 1998. Regie: Dominic Anciano, Ray Burdis. Darsteller: Jude Law, Sadie Frost. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 2,99 Euro
Wie bereits angekündigt verabschiedet sich die "TV Direkt" nach drei Ausgaben bis zum Frühjahr aus der Reihe der Beileger-Magazine. Der letzte Streifen der Herbst-Reihe kommt sehr ambitioniert daher, handelt es sich dabei doch um einen Kunstfilm in der Tradition des "Dogma 95"-Manifests ("Das Fest", "Idioten"), auch wenn er dabei nicht die reine Lehre vertritt.
Vielmehr wird im Film selbst eine Art Dogma-Film inszeniert, der während der Trauerfeier nach dem Tod der Hauptperson Jude (Jude Law) gedreht werden soll. Dessen Frau Sadie (Sadie Frost) möchte damit sein Werk vollenden, für das er heimlich Videos von seinen Freunden aufgenommen hat, die ihnen nun gezeigt werden. Angesichts hochnotpeinlicher Inhalte und permanenter Kameraüberwachung eskaliert die Stimmung rasant und gipfelt in einer tragischen Enthüllung, mit der niemand gerechnet hat.
Der kammerspielartige Psychothriller über die mörderischen Wahrheiten hinter der coolen Fassade im Leben einer Clique nicht mehr ganz so junger Intellektueller ist ein zwar mit simplen Mitteln umgesetztes, aber überraschend spannendes Filmexperiment des Regieduos Anciano & Burdis. In der prominenten Besetzung glänzt neben dem damals frisch verheirateten Hauptdarstellerpaar besonders Ray Winstone ("Departed") in der Rolle von Judes bestem Freund und zeigt wieder einmal, dass weit mehr in ihm steckt, als den Peitschenhalter für Indiana Jones zu mimen. Fazit: Tolle Filmidee, bei der man sich unwillkürlich fragt, was dabei wohl im eigenen Freundeskreis herauskommen würde.
Bis 30. Oktober im Handel
"Sky Fighters", F 2005. Regie: Gérard Pirès. Darsteller: Benoît Magimel, Clovis Cornillac. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,40 Euro
Wer bei seinem letzten Südfrankreichurlaub bereits die virtuosen Luftkampfspielchen der Jungs und Mädels in ihren heißen "Mirage"-Jets live beobachtet hat kann hier seine Erinnerung aus der Cockpitperspektive ergänzen. Allerdings geht es dabei neben den wirklich tollen Himmelsbildern vor allem um skrupellose Waffenhändler, korrupte Politiker, intrigante Geheimdienstler und böse Terroristen.
Alle zusammen stecken nämlich hinter der versuchten Entführung eines hochmodernen, französischen Kampfjets, dessen Abschuss den braven Capitaine Antoine "Walk'n" Machelli (Benoît Magimel) und seinen treuen Flügelmann "Fahrenheit" (Clovis Cornillac) um ihre Jobs bringt. Flugsüchtig wie sie nun mal sind, lassen sich beide alsbald zu einem verdeckten Spezialeinsatz überreden, werden jedoch wieder gemein reingelegt. Doch diesmal kommen sie dahinter, um was es hier wirklich geht und ein Wettrennen um Leben und Tod beginnt.
Angelehnt an die Comic-Abenteuer der hierzulande seit den siebziger Jahren unter den Namen "Mick Tangy" und "René Dupont" bekannten Mirage-Piloten aus der Feder des Asterix-Zeichners Uderzo hat Gérard Pirès ("Taxi") sich mit spektakulären Bildern an den Stolz der französischen Luftwaffe herangewagt. Unterstützt vom Militär und seinem Kameramann Pascal Lebége, der in den Jahren davor vor allem Musikvideos drehte, kam dabei ein fetziger Kampfpilotenthriller mit schöner Fernsicht auf südfranzösische Landschaften heraus, die angesichts einiger unglaublich platter Dialoge auch bitter nötig scheint.
Ähnlich wie bei der Verfilmung des Comic-Rennfahrers "Michel Vaillant" (2003) patzte auch hier leider wieder Gilles Malençon bei der Story, doch unterm Strich bleibt ein schönes Stück Popcornunterhaltung übrig, das den Klassiker "Top Gun" technisch locker in den Schatten stellt. Wenn man den Kopf abschaltet, macht es Spaß.
Bis 30. Oktober im Handel
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