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30.10.2008
 

Programmierhilfe

Spielend Spiele entwickeln

Ein paar Mausklicks, ein wenig Logik und etwas Malerei: Mit diesen Zutaten und einer Spielkonsole soll man künftig Videospiele entwickeln können. Microsofts Spiele-Baukasten "Boku" ist Teil eines Trends - Spieler sollen zu Spiele-Entwicklern gemacht werden.

Wer eigene Spiele für Microsofts Xbox-360-Spielkonsole entwickeln will, muss künftig nicht einmal mehr schreiben können. Etwas Phantasie und ein Gamecontroller sollen ausreichen, um Games auf professionellem Niveau zu erstellen. Sogar Schulkinder will das Unternehmen auf diese Weise zu Game-Entwicklern machen.

Spiele mit eingebauten Editoren gibt es schon seit den Achtzigern - vom Rennspiel "Racing Destruction Set", 1985 für den Commodore 64 veröffentlicht, bis hin zum Taktik-Shooter "Counter-Strike", der Spielern das Erschaffen neuer "Maps", also neuer Spielfelder erlaubt.

Ganz neu ist die Idee also nicht, Endanwendern Software-Werkzeuge anzubieten mit denen sie selbst zu Spieleprogrammierern werden können. Auch Microsoft selbst bietet schon seit einiger Zeit die Software XNA Game Studio Express als kostenlosen Download an. Einmal installiert, ermöglicht sie ambitionierten Anwendern, Xbox-Spiele auf ihrem Heim-PC zu erstellen. Ein wenig Programmieren muss man dabei allerdings schon.

Spieler zu Entwicklern machen will auch Sony: Im neuen, aufgrund einer Kontroverse verspätet ausgelieferten Plattform-Hopser " Little Big Planet" (LBP) ist ein aufwendiger Editor eingebaut, mit dem sich, im Rahmen der "Little Big Planet"-Möglichkeiten, eigene Spiel-Levels erstellen lassen. Die Freiheiten sind dabei deutlich weniger groß als bei XNA - dafür sehen die Ergebnisse zumindest immer gut aus, weil die LBP-Welt an sich schon sehr hübsch gestaltet ist und man aus ihren Grundbausteinen echte kleine Kunstwerke schaffen kann - die aber eben nur seitwärts durchwanderbar sind.

Auch Electronic Arts, 1985 schon fürs "Racing Destruction Set" verantwortlich, macht mit "Spore" Spieler zu Entwicklern, wenn auch in deutlich bescheidenerem Rahmen. Die Kreaturen, die in der Evolutions-Simulation entstehen, gehen als Gegner oder Kooperationspartner in die Spielwelten anderer "Spore"-Besitzer ein. "Sims"-Schöpfer Will Wright nutzt damit die Kreativität der Spielergemeinde, gibt ihnen allerdings deutlich weniger Gestaltungsspielraum als das in den anderen Entwickler-Spielen der Fall ist.

Microsofts Projekt Boku soll deutlich mehr ermöglichen - aber einfacher zu bedienen sein als das Entwicklungswerkzeug XNA. Statt nur auf dem PC kann man Boku auch auf der Xbox 360 benutzen. Statt per Tastatur und Maus wird die Software mittels Gamecontroller gesteuert, der Programmcode einfach zusammengeklickt. Der Aufbau des jeweiligen Spiels, was darin passiert und wie sich die Spielfiguren verhalten, wird ausschließlich festgelegt, indem Symbole angeklickt, verschoben und in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden. Insgesamt 20 unterschiedliche Spielfiguren stehen zur Auswahl. Die Welten in denen die eigenen Spiele ablaufen, kann man mit einem Terrain-Editor selbst gestalten.

Für Boku-Mitentwickler Mark Finch liegt der besondere Reiz der Entwicklungssoftware darin, Programmierunkundigen den kreativen Reiz der Spieleentwicklung nahezubringen. Zudem hofft er, Boku werde Schülern die Grundlagen des Programmierens beibringen, ohne sie mit Programmiersprachen zu überfordern. Und ganz nebenbei glaubt er, mit Boku das mathematisch-wissenschaftliche Verständnis der jugendlichen Anwender stärken zu können.

Spielkonsolen: Die aktuelle Generation

Wii

AP
Der kleine Konkurrent kann im Gegensatz zu den Konsolen der Rivalen keine hochauflösende Grafik bieten, sondern liefert herkömmliche Fernsehauflösung. Trotzdem ist das Gerät so beliebt, dass der Hersteller bisher keine Preissenkung angekündigt hat. In den USA überholte die Wii im Juli 2008 Microsofts Xbox 360, was die Verkaufszahlen angeht. Die Konsole zeichnet sich durch einen bewegungssensitiven Controller und bewegungsorientierte Zusatzgeräte wie das "Balance Board" aus. Mit simplen Sport- und Spaß-Spielen hat sie für die Branche neue Zielgruppen erobert. 2009 führte Nintendo eine Erweiterung für den Controller namens Wii Motion Plus ein, die Bewegungen der Spieler noch präziser erfassen helfen soll. Einen ausführlichen Wii-Test finden Sie hier .

Playstation 3 und 2

Xbox 360

Sony PSP

Nintendo DS

Noch aber ist Boku ein Forschungsprojekt und beschäftigt eine kleine Schar von Entwicklern. Wann die knuffige Software freigegeben werden soll, und ob man sie dann wird bezahlen müssen oder als kostenlosen Download bekommt, hat Microsoft bisher noch nicht bekanntgegeben. Fest eingeplant haben die Entwickler aber schon jetzt, für Boku eine eigene Online-Community einzurichten.

Vorerst aber versuchen sie das kindgerechte Programmiertool noch weiter zu vereinfachen. Ihr Ziel: Auch Fünfjährige sollen damit eigene Minispielchen basteln können. Damit das klappt, müsste allerdings jeglicher Text aus der Software entfernt werden. Schließlich, so Microsoft-Entwickler Matthew MacLaurin, könne höchstens die Hälfte dieser Zielgruppe überhaupt lesen.

mak/cis

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