Von Matthias Kremp und Stefan Schultz
Stattdessen diskutiert die IT-Szene bereits den möglichen Jobs-Nachfolger. Dieser, so viel scheint klar, dürfte nicht bei der Konkurrenz gesucht werden, sondern im Kreis jener zehn Vorstände, die der Apple-Chef um sich geschart hat. Nach über zwölf Jahren Steve Jobs ist Apple eine Firma, deren Strukturen und Arbeitsweisen nur Eingeweihte nachhaltig verstehen dürften.
Heißer Anwärter auf den Apfel-Thron ist Timothy Cook, 48, derzeit Manager für das internationale operative Geschäft und damit nach Jobs die Nummer Zwei im Unternehmen.
Zwölf Jahre war Cook beim IT-Riesen IBM, sechs Monate beim PC-Hersteller Compaq. Seit 1998 arbeitet er für Jobs. Cook führte das Unternehmen bereits 2004, als Jobs wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt wurde. Auch dieses Mal springt er für seinen Chef in die Bresche. Jobs hat über seinen Adjutanten einmal gesagt, er wolle mit ihm noch viele Jahre zusammenarbeiten.
Offiziell zum Kronprinzen ernannt hat er ihn allerdings nie. Und Cook selbst, berichtet das "Fortune"-Magazin, soll erst kürzlich gesagt haben: "Steve ersetzen? Kommen Sie schon, nein. Er ist unersetzlich." Es sehe Jobs noch als angegrauten Siebzigjährigen bei Apple - lange nachdem er selbst schon in den Ruhestand gegangen sei.
Erfolgsgarant Cook
In puncto Arbeit gilt Cook, der passionierte Fahrradfahrer und Energieriegel-Esser, als ebenso exzessiv wie Jobs. Weltweite Telefonkonferenzen hält der Single, wenn es sein muss, auch schon mal Sonntagnacht ab. Bei Apple hat sich Cook, der obendrein beim Sportartikel-Hersteller Nike im Aufsichtsrat sitzt, schon viele Meriten verdient. Er optimierte den Vertrieb, lagerte die Produktion größtenteils aus und verschaffte dem IT-Konzern damit viel finanziellen Spielraum.
"Apple hat ein hochkomplexes Geschäftsmodell, und der Konzern wurde in den letzten Jahren außergewöhnlich gut gemanaged", sagt Toni Sacconaghi, Analyst bei Sanford C. Bernstein & Company. Ein nicht unerheblicher Teil dieses Erfolgs gehe wohl auf Cooks Konto.
Allerdings: Während Jobs als kreativ und charismatisch gilt, ist Cook analytisch und detailorientiert. Kritiker sagen, Cook sei mehr Buchhalter als Prediger, mehr Arbeitstier als Visionär. Wo Jobs merkurisch durchregiert, leitet Cook seine Untergebenen mit entwaffnender Höflichkeit.
Manche unken, Cook verfüge nicht über die Weitsicht, nicht über die Bühnenpräsenz eines Steve Jobs. Er schaffe es nicht, ein Publikum zu frenetischem Applaus zu bewegen, indem er ein Mobiltelefon aus seiner Tasche hole. "Was wäre Apple ohne eine charismatische Frontfigur", fragt sich der Analyst James McQuivey von Forrester Research.
Wer braucht wen?
Doch eigentlich müsste die Frage lauten: Braucht Apple wirklich noch eine solche Frontfigur? Mehr als 40 Millionen iPods hat das Unternehmen mittlerweile verkauft, im vergangenen Jahr mehr Macs als je zuvor über den Tresen geschoben und über sechs Milliarden Songs per iTunes Store an den Mann gebracht. Nebenbei hat sich das iPhone einen sicheren Platz in der Smartphone-Nische geschaffen, könnte sich in den kommenden Jahren durch den Softwareverkauf per App Store zu einer weiteren Geldkuh entwickeln.
Die Geschäfte also laufen gut. Einige der besten Ingenieure, Programmierer und Marketingspezialisten arbeiten für das Unternehmen. Designer Jonathan Ive hat schon seit Jahren ein sicheres Händchen für Publikumslieblinge. Schon seit Monaten ist Jobs nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Sein letzter großer Auftritt liegt mittlerweile vier Monate zurück - anlässlich der Vorstellung der aktuellen iPod-nano-Serie.
Vielleicht ist Jobs Auszeit für Apple eine Zeit der Besinnung auf sich selbst, eine Chance, allmählich vom Jobs-Kult zum Apple-Kult überzugehen.
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