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04.03.2009
 

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Das Modbook ist kein Macbook

Tastatur raus, Touchscreen rein: Das Modbook macht, was Apple nicht schafft. Per Bildschirmumbau wird aus einem gewöhnlichen Apple-Laptop ein Mac-Mobilcomputer mit Bildschirmsteuerung. Matthias Kremp hat das erste in Deutschland verfügbare Exemplar ausprobiert.

Gut, dass Jamiri das nicht gesehen hat. Denn so ein Modbook dürfte der Traum vieler Grafiker, also auch unseres Hauszeichners sein. Zumindest, wenn sie, wie Jamiri, der Computermaus längst Lebewohl gesagt haben, Zeichnungen und Malereien per Zeichenstift auf die digitale Leinwand ihres Computers bringen.

Doch direkt auf dem Bildschirm geht das zumindest mit den Macs, die viele Grafiker benutzen, nicht. Einen Touchscreen-Rechner von Apple gibt es bis heute nicht, obwohl ihn die Gerüchteköche schon mehrfach vorhergesagt haben. Sogar ein Patent auf so einen Tablet-Mac hat Apple schon eingereicht - ohne dem Patent einen realen Rechner folgen zu lassen.

Dabei wäre ein solches Gerät eine feine Sache: Man schreibt und malt darauf mit einem Stift, fast wie auf einer Leinwand. Nur dass die eben digital ist. Geht mal ein Strich daneben, löscht man ihn einfach, will man eine große Fläche füllen, benutzt man das Füllwerkzeug wie einen Farbeimer. Ein digitales Traumland für Kreative. Und genau das gibt es jetzt. Zwar nicht von Apple, aber doch beinahe. Modbook heißt das Gerät und ist ein Macbook, wie man es von Apple bisher nicht bekommen kann.

Wo ist die Tastatur?

Denn der Bildschirm des Modbook ist so eine digitale Leinwand. Ein echter Touchscreen allerdings ist er nicht. Mit den Fingern kann man darauf herumtippen, so viel man will, eine Reaktion kann das nicht auslösen. Um tatsächlich etwas zu bewegen, muss man schon zu dem Stift greifen, der knapp unterhalb des Bildschirms ins Gehäuse geschoben wird. Mit dem lässt sich der Rechner dann aber nicht nur als Malunterlage benutzen, man kann per Stift auch ganz normal das Betriebssystem steuern. Der Kunststoffgriffel dient hier schlicht als Mausersatz - und den braucht man.

Denn im Grunde handelt es sich beim Modbook um nichts anderes als ein modifiziertes Macbook. Jedes Exemplar ist ein Einzelstück, wird von speziell geschulten Technikern händisch umgebaut. Tastatur und Bildschirm fliegen raus, werden durch einen Beinahe-Touchscreen ersetzt. Der allerdings liegt nicht wie ein normales Notebookdisplay als Schutzdeckel auf dem Gerät. Stattdessen lugt das Display starr nach außen.

Diese Bauweise ist ungewöhnlich. Für Windows-Anwender gibt es schon seit Jahren sogenannte Tablet-PCs, die ebenfalls per Stift gesteuert werden können. Diese Geräte sind allerdings meist mit einem um 180 Grad drehbaren Display ausgestattet. Zugeklappt hat man ein normales Notebook mit Tastatur und Touchpad. Erst wenn das Display über ein aufwendiges Scharnier umgedreht wird, verschwindet das Tastenfeld unter dem Deckel und der Bildschirm wird nach außen gekehrt. Der Nachteil dieser Bauart: Tablet-PCs sind oft vergleichsweise dick und schwer.

Inklusive digitalem Radiergummi

Doch egal ob Tablet-PC oder Modbook: An den speziellen Malstift zum Herumkritzeln auf dem Bildschirm muss man sich gewöhnen. Beim Modbook liefert ihn der Hersteller in weiser Voraussicht gleich in doppelter Ausführung mit. Denn die auswechselbaren Spitzen nutzen nicht nur mit der Zeit ab, die unauffälligen Zeigegeräte können im kreativen Chaos auch durchaus mal verloren gehen. Und obwohl die Griffel gefühlt nicht mehr als 50 Cent wert sein dürften, kostet Ersatz locker 50 Euro.

Das liegt wohl auch daran, dass hier Technik vom Grafiktabletthersteller Wacom werkelt. Wer schon einmal mit einem solchen Grafiktablett gearbeitet hat, wird die typische Wacom-Form sofort erkennen. Unter anderem wegen der zwei seitlich angebrachten Zusatztasten, die man nach Lust und Laune mit Funktionen belegen kann. Mindestens ebenso nützlich ist der digitale Radiergummi am Kopfende des Stifts, der genau das tut, was man von ihm erwartet: Es radiert digitale Malereien wieder vom Bildschirm.

Hakeliges Hochformat

Aber natürlich kann man mit dem Modbook auch anderes tun, als bloß malen. Dann aber sollte man sich den kleinen Luxus gönnen, Tastatur und Maus anzuschließen. Das geht oft einfach schneller. Gar nicht schnell ist dagegen das integrierte GPS-Modul, das man in der aktuellen Version getrost vergessen kann.

Ein Softwareproblem verhindert in der aktuellen Version noch eine schnelle und zuverlässige Satellitenortung. Im Vergleich mit USB-GPS-Empfängern und tragbaren Navis hat das Modbook große Schwierigkeiten, seine Position zu bestimmen. Im Test funktionierte das nur unter freiem Himmel. An einem Fester, hinter dem verschiedene andere GPS-Geräte sich problemlos verorteten, fand das Modbook zwar einige Satelliten, brachte es aber nicht fertig, aus deren Signalen zu einer sinnvollen Positionsangabe zu kommen. Immerhin: Ein Software-Update soll bald Abhilfe schaffen.

Die ist auch für die Monitorsteuerung nötig. Wie bei sogenannten Pivot-Monitoren lässt sich der Bildschirminhalt um 90 Grad ins Hochformat drehen. Das funktioniert auch problemlos - aber nur in eine Richtung. Sobald das Display hochkant gedreht ist, verdrängen die Menüs des Apple-Desktops (Finder), den Menüeintrag zum Zurückdrehen des Bildschirms. Der einzige Ausweg aus dieser Sackgase besteht darin, ein Programm aufzurufen, das über weniger Menüeinträge verfügt, so dass die Monitorsteuerung wieder sichtbar wird.

Der Stift-Mac ist ein Luxusartikel

Womit wir beim Preis wären, und der ist einfach zu hoch. 1300 Euro wird der Modbook-Umbau im mStore kosten, der das Gerät in Deutschland anbietet. Ein dazu passendes Macbook bekommt man ab 1000 Euro. Kompatibel ist vorerst allerdings nur das Modell im weißen Kunststoffgehäuse. Die moderneren Alu-Macbooks können noch nicht umgebaut werden. Ebenso gibt es bislang kein Modbook auf Basis des Macbook Pro. Ein solches Modbook Pro will der Hersteller ab Ende Juni anbieten. Dessen Aufpreis gegenüber dem Apple-Basismodell wird allerdings sogar bei mindestens 3000 Euro liegen.

Im günstigsten Fall kostet ein per Stift bedienbares Macbook in Minimalkonfiguration also rund 2500 Euro. Einen vergleichbaren Tablet PC bekommt man dagegen schon zu Preisen, die knapp über 1000 Euro liegen, inklusive eines drehbaren Displays und einer integrierten Tastatur. Allerdings auch inklusive Windows Vista, mit dem sich Mac-Nutzer kaum anfreunden können.

Und deshalb bleibt das Modbook, solange Apple selbst nichts Vergleichbares anbietet, die einzige Möglichkeit für Apple-Anwender, zu einem mobilen Touchscreen-Mac zu kommen. Allerdings nur dann, wenn sie willens und in der Lage sind, den deftigen Aufpreis zu zahlen, den Axiotron für ein Modbook berechnet. Immerhin: Ein etwas günstigeres Umbau-Set ist in Planung. Das soll als Modbook S ohne GPS angeboten werden und rund 500 Euro billiger als das aktuelle Modell werden. Wirklich günstig ist aber auch das nicht.

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