Von Matthias Kremp
Netbooks sind der Renner. Finanzkrise, schlechte Stimmung und Verunsicherung der Verbraucher zum Trotz werden sie den Händlern förmlich aus den Händen gerissen. Das Marktforschungsunternehmen DisplaySearch erwartet, dass der Netbook-Absatz 2009 um 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen wird. Traditionelle Notebooks hingegen stagnieren beinahe, müssen sich mit drei Prozent Wachstum begnügen. Aber, was ist ein Netbook eigentlich? Was ist daran anders als an einem Notebook? Und vor allem: Warum sind die sich alle so ähnlich?
Für Intel und Microsoft ist das ganz klar definiert: Ein Netbook hat einen Bildschirm von maximal zehn Zoll in der Diagonale, eine Festplatte mit höchstens 160 Gigabyte Speicherplatz und ein Gigabyte Arbeitsspeicher. Außerdem steckt Intels Atom-Prozessor drin, es läuft Windows XP darauf und ein optisches Laufwerk gibt es nicht. Hersteller, die sich nicht an diese Vorgaben halten, müssen möglicherweise Aufpreise für die nötigen Mikrochips bezahlen oder bekommen von Microsoft keine Windows-Lizenzen geliefert.
Kein Wunder also, dass sich die aktuellen Modelle aller Hersteller verblüffend ähneln, oft nur durch den Akku unterscheiden. Je mehr Zellen der hat, desto länger hält so ein Netbook ohne Steckdose durch. Ansonsten bleibt den Produzenten eigentlich nur, sich durch ungewöhnliches Design ein wenig Individualität zu verschaffen. HP hat es mit knallroten Netbooks im Asia-Look versucht, Asus mit dem flachen EeePC S101 und Sony mit dem besonders schlanken VaioP.
Lieber Linux oder wieder Windows?
Eine Möglichkeit, die Hardware gegenüber dem Standard zu verbessern, wäre es, Linux zu verwenden. Die ersten EeePCs nutzten ein solches System, dem eine eigene Oberfläche übergestülpt war. Das sah gut aus und funktionierte bestens. Außerdem war dieses Linux billiger als Windows und passte prima zu dem ursprünglichen Netbook-Konzept. Die Netbooks wurden als billige Mini-Notebooks für Schüler und Studenten angepriesen.
Aber diese Idee hat sich längst überholt. Netbooks kauft heute jedermann, sei es als Zweitgerät, als Mobilspielzeug oder gar als Firmen-Laptop. Und da wollen viele Anwender eben Windows drauf haben. Also bekommen sie das auch, selbst wenn es die Auswahl an Hardware einschränkt oder den Preis nach oben treibt.
Manche wollen den Atom-Ausstieg
Dabei gibt es mittlerweile Linux-Versionen, die speziell an Netbooks angepasst wurden. Den Ubuntu Netbook Remix beispielsweise, ein Linux, das sich mit vier Gigabyte Speicherplatz begnügt und trotzdem ein komplettes Software-Paket inklusive Office-Programmen, Multimediaplayern und Internet-Anwendungen mitbringt - all diese Software ist vollkommen kostenlos.
Auch an Alternativen zu Intels Atom-Chip, der derzeit fast alle Netbooks antreibt, mangelt es nicht. Eine günstige Variante hat beispielsweise der Chip-Hersteller Via mit dem Nano-Prozessor im Angebot. Selbst Samsung hat sich bereits an einem solchen Gerät versucht, bietet das Netbook NC20 mit Via-Chips an. Dessen deutlich sichtbares Unterscheidungsmerkmal gegenüber Standardgeräten: Es hat einen 12,1 Zoll großen WXGA-Bildschirm, den man bei keinem Atom-getriebenen Gerät finden würde.
Grafik-Nachbrenner für Intels CPU
Eine andere Variante wäre es, anstelle der sonst in Netbooks genutzten und für ihre lahme Grafik verschrienen Intel-Chipsätze nVidias neue Ion-Technik zu verwenden. Ion-Netbooks brauchen zwar immer noch einen Atom-Prozessor von Intel, sind dafür aber mit einem vergleichsweise fixen Grafikchip ausgestattet.
Der macht ein Netbook nicht nur zum HD-Videoplayer, sondern auch in Maßen spieltauglich. Vor allem aber könnte man auf Ion-Netbooks auch Windows Vista installieren. Noch aber gibt es kein einziges Beispiel für ein solches Gerät. Und auch über die Preise für ein solches Gerät herrscht noch großes Rätselraten.
Was macht also ein Netbook aus? Sind es wirklich die drei Dinge, die man den Geräten üblicherweise andichtet - also, dass sie klein, sparsam und günstig sein sollten? Oder gehören mittlerweile auch ganz andere Geräte zu den Netbooks?
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