Von Johannes Sträter
"Femme Fatale", USA 2002. Regie: Brian De Palma. Darsteller: Rebecca Romijn, Antonio Banderas. FSK: 16. Format: 1,85:1 (16:9). Heftpreis: 3,70 Euro.
Die Filmgeschichte hat Brian De Palma durch "Carrie", "Mission: Impossible" oder "Die Unbestechlichen" einige echte Glanzlichter zu verdanken. Sein an-erotisiertes Krimi-Stückchen "Femme Fatale" setzt da leider nur auf eine allenfalls knietiefsinnige Pointe, die zwar schick und hochglänzend daherkommt, nach 22 Uhr aber auch niemanden mehr wachzuhalten vermag.
Dabei geht es eigentlich richtig klasse los, wenn Rebecca Romijn ("X-Men") sich in der Rolle der lasziven Laure Ash während der Filmfestspiele in Cannes als geschmeidige Juwelendiebin versucht. Das anschließende Verwirrspiel um eine falsche Identität und den arbeitslosen Paparazzi Nicolas Bardo (Antonio Banderas) lässt die anfänglich aufgebaute Spannung jedoch schnell verplätschern. So wird aus dem technisch interessanten Streifen, den De Palma wieder einmal als Stilstudie seines großen Vorbilds Alfred Hitchcock verstehen will, leider schnell ein Filmchen "für nebenbei".
Bis 10. Mai im Handel
"Bleeder", DN 1999. Regie: Nicolas Winding Refn. Darsteller: Kim Bodnia, Mads Mikkelsen. Format: 2,00:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.
Dagegen fordert das zwischen schwarzhumorig-komisch und düster-depressiv schwankende Drama "Bleeder" volle Aufmerksamkeit, wenn die Welt der Gewaltfilm-Fans Leo (Kim Bodnia) und Lenny (Mads Mikkelsen) langsam aber sicher aus den Fugen gerät. Der berufsmäßige Abhänger Leo wird nämlich Vater und sieht eine düstere Zukunft voller Verpflichtungen auf sich zukommen. Während seine Video-Kumpels das gar nicht so übel finden, staut sich der Frust in ihm meterhoch auf und bricht eines Tages brutal hervor.
Mit dem etwas schwer verdaulichen Drama knüpft Regisseur Nicolas Winding Refn ("Fear X") nur teilweise an seinen Debütfilm "Pusher" von 1996 an. So beeindrucken zwar erneut die dänischen Stars Kim Bodnia ("In China essen sie Hunde") und der mittlerweile international bekannte Mads Mikkelsen ("Casino Royale"). Im Gegensatz zum actionreichen Krimi "Pusher" zeigt Refn mit seiner Handkamera diesmal jedoch vor allem Szenen tiefschürfender Dialoge oder heiter-komischer Romantik, bis die Gewalt schließlich eskaliert. Heraus kommt ein ganz eigener Stimmungsmix, bei dem nicht nur Cineasten oder Freunde des dänischen Kinos auf ihre Kosten kommen. Fazit: Sehenswertes Independent-Kino mit Suchtfaktor.
Erscheint am 30. April im Handel
"Dororo", J 2007. Regie: Akihiko Shiota. Darsteller: Satoshi Tsumabuki, Kou Shibasaki. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre.
und
"Battle of Kingdoms", China/HK/J/ROK 2006. Regie: Jacob Cheung. Darsteller: Andy Lau, Ahn Sung-ki. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.
Mit einer satten Preiserhöhung des Heftpreises um 60 Cent auf nunmehr 4,50 Euro überrascht der bislang recht günstige Veteran unter den Filmbeileger-Magazinen seine Leserschaft. Da wirken die über viereinhalb Stunden Lauflänge der aktuellen Beileger-DVD vielleicht als kleines Trostpflaster.
Die erste Hälfte davon übernimmt das sich selbst nicht allzu ernst nehmende, einer Anime-Serie aus den sechziger Jahren nachempfundene Fantasy-Abenteuer "Dororo". Darin begleiten wir den furchtlosen, aber mit diversen Prothesen ausgestatteten Hyakkimaru (Satoshi Tsumabuki) bei seinem Kampf gegen 48 ziemlich skurrile Dämonen. Von ihnen muss er sich stückweise jene Körperteile zurückerobern, die sein ihm unbekannter Vater einst an sie verschachert hat. Schon bald hilft ihm dabei die nicht minder kampferprobte Diebin Dororo (Kou Shibasaki), bis er eines Tages das Geheimnis seiner Herkunft aufdeckt und dem letzten Dämon den Garaus macht.
Die zweite Hälfte der Langlauf-DVD bestreitet ein ebenso schwertbewehrtes, aber deutlich ernsthafter gemeintes Schlachtenepos mit Hongkong-Star Andy Lau ("Running out of time") in der Hauptrolle. In der preisgekrönten 16-Millionen-Dollar Produktion verteidigt er im antiken China als Heerführer namens Ge Li den Stadtstaat Liang gegen die Eroberung durch das Nachbarreich Zhao, weckt aber durch seine ersten Erfolge schnell den Neid in den eigenen Reihen und muss schließlich gegen alle gleichzeitig kämpfen. Wie "Dororo" nimmt auch dieser Streifen wieder einen populären Comic zur Vorlage, lässt allerdings anstelle akrobatischer Kampfkünstler gigantische Statistenheere aufeinander prallen.
Beide Filme zusammen bieten Martial-Arts- und Fantasy-Freunden eine erfüllte, lange Filmnacht mit allerlei Schwertergeklirr, sirrendem Pfeilregen und tollen Kostümen - Fans anderer Filmgenres werden jedoch irgendwann die Vorspultaste suchen.
Erscheint am 29. April im Handel
"Rumpelstilzchen - Das Zaubermännchen", DDR 1960. Regie: Christoph Engel. Darsteller: Siegfried Seibt, Karin Lesch. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: unbeschränkt. Heftpreis: 2,99 Euro.
Nur wenig Abweichung von der allseits bekannten Vorlage der Brüder Grimm leisteten sich die Babelsberger DEFA-Filmstudios in dieser Verfilmung einer Theateradaption des Rumpelstilzchen-Märchens von Günther Kaltofen. Darin soll die schöne Müllerstocher Marie (Karin Lesch) nach einer dummen Prahlerei ihres faulen Vaters für den König nun einen Haufen Stroh in Gold verwandeln, ansonsten droht ihr der Tod. Völlig verzweifelt nimmt sie die Hilfe eines geheimnisvollen Zaubermännchens (Siegfried Seibt) an, verpfändet dafür jedoch das Leben ihres ersten Kindes. Als das Männchen seinen Lohn einfordert, gibt es ihr jedoch noch eine letzte Chance: Sie soll seinen wahren Namen erraten.
Praktischerweise engagierte die DEFA direkt das eingespielte Ensemble der Kaltofen-Aufführung am Potsdamer Theater und stellte ihnen die Kulissen einfach ins Studio. So bleibt für Kleinkinder auch heute noch der Charme der überzeichneten Theaterrollen erhalten, während Erwachsene sich wohl eher an den Topffrisuren ergötzen und ihre Augen über die plakativ vorgetragene Moral verdrehen werden.
Vom 7. bis 13. Mai im Handel
"Der Bodyguard", USA 2007. Regie: Gerry Lively. Darsteller: Til Schweiger, Chazz Palminteri. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,30 Euro.
Einen Tag früher als üblich findet sich die DVD-Ausgabe der "TV Direkt" rechtzeitig vor dem langen Feiertagswochenende in den Zeitschriftenauslagen und hat auch diesmal wieder eine Hollywood-Produktion mit deutschem Staraufgebot auf der Scheibe. Til Schweiger ("Keinohrhasen") zeigt sich von einer selten gesehenen Seite als knallharter Bodyguard, der seinen Schützling durch falsche Hilfsbereitschaft an den Profikiller Maxwell (Chazz Palminteri) verliert und prompt seinen Job hinschmeißt. Jahre später soll er noch einmal antreten und trifft ausgerechnet wieder auf Maxwell, der allerdings nun selbst als Kronzeuge beschützt werden soll.
Nach diversen Nebenrollen in US-Filmen ("Tomb Raider 2", "King Arthur", "U-Boat") konnte Til Schweiger hier zwar eine waschechte Hauptrolle ergattern, landete jedoch mitten im schönsten B-Movie-Keller. Zwischen der wenig überzeugenden Regie des gelernten Kameramanns Gerry Lively, einem lausigen Drehbuch und vielfach steifbeiniger "Action"-Szenen schafft es einzig Schweigers Kollege Chazz Palminteri ("Die üblichen Verdächtigen"), das Segel zeitweise in den Wind zu drehen. Unterm Strich bleibt deshalb leider nur ein grenzwertiger Vertreter der Fraktion "Hirn aus, Chipstüte auf" übrig, der immerhin mit ein paar Postkartenblicken auf den Drehort Barcelona entschädigt.
Erscheint am 30. April im Handel
"Sky Captain and the World of Tomorrow", GB/I/USA 2004. Regie: Kerry Conran. Darsteller: Jude Law, Gwyneth Paltrow. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre (Filmtrailer auf DVD: FSK 16). Heftpreis: 3,50 Euro.
Nur noch für kurze Zeit finden Freunde interessant gestylter Comic-Kunst das hochkarätig besetzte Einzelwerk von Kerry Conran auf dem Titelblatt der aktuellen "TV Movie". Die unerschrockene Reporterin Polly Perkins (Gwyneth Paltrow) und das smarte Flieger-As Joseph Sullivan (Jude Law) kämpfen darin actionreich gegen die Vernichtung der Welt durch allerlei phantastisches Maschinengedöns eines geheimnisvollen "Dr. Totenkopf". Mit 70 Millionen Dollar Spielgeld baute Conran den Streifen komplett auf dem Computer zusammen, konnte die Darsteller vor ihren Bluescreens jedoch streckenweise weniger gut instruieren. Trotz dieser kleinen Schwächen bleibt am Ende ein mitreißendes Stück Popcornkino übrig, dessen visuelle Fusion von klassischem Science-Fiction und der Optik der dreißiger Jahre regelrecht zum Staunen einlädt.
Bis 30. April im Handel
TV Movie (ab 30.4.)
"Open Water", USA 2003. Regie: Chris Kentis. Darsteller: Blanchard Ryan, Daniel Travis. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre (Filmtrailer auf DVD: FSK 16). Heftpreis: 3,50 Euro.
Wie ihre Mitbewerberin verlegt auch die "TV Movie" ihren Erstverkaufstag vor den arbeitsfreien 1. Mai und beschert uns damit zum Monatsende ein Beilegerangebot von insgesamt 17 Kinofilmen. Darunter könnte der dramatische Thriller "Open Water" eine gute Wahl sein, auch wenn der Plot schnell erzählt ist. Als die beiden Eheleute Susan (Blanchard Ryan) und Daniel (Daniel Travis) während ihres Urlaubs in der Karibik nach einer schönen Stunde unter Wasser wieder auftauchen ist ihr Boot mitsamt der Crew verschwunden. Orientierungslos auf offener See treibend brechen zuerst alte Wunden zwischen beiden wieder auf, bis sie schließlich panisch begreifen, dass man sie wohl einfach vergessen hat.
Leider steckt hinter der genial anmutenden Filmidee die wahre Geschichte des 1998 am australischen Great Barrier Reef verloren gegangenen Taucherpärchens Tom und Eileen Lonergan. Nicht nur für die beiden, sondern auch für den regionalen Tauchtourismus war dies eine Katastrophe, die durch den Film "Open Water" Jahre später wieder weltweit aufgefrischt wurde. Denn trotz teils vernichtender Kritiken spielte der mit winzigem Budget von Regisseur Chris Kentis in seiner Freizeit gedrehte Psychothriller bis heute fast 55 Millionen US-Dollar ein und zeigt damit, wie unterhaltsam simpler Horror sein kann.
Erscheint am 30. April im Handel
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