Tokio - Viele Japaner sind von Robotern fasziniert. Einige sogar so sehr, dass sie in ihrer Freizeit selbst zum Schraubenzieher greifen. So wie hierzulande die Bastler am Wochenende an ihren Autos schrauben, kümmern sie sich um ihre elektronischen Kameraden, statt wie andere Menschen am Strand zu liegen. Im vierten Stock eines Gebäudes im Tokioter Stadtteil Akihabara - bekannt für seine vielen Elektronikläden - hat jetzt ein Geschäft eröffnet, dessen Spezialität Roboterbausätze sind.
In dem Laden mit dem Namen Vstone Robot Center gibt es auch Ratschläge zur Wartung von Roboter und Bastelkurse für Kinder. Es ist das einzige größere Geschäft in Tokio für Roboter.
Blechkameraden aller Größen und für die verschiedensten Anwendungsgebiete werden hier angeboten. Das sind nicht nur Vstone-Produkte, sondern auch Roboter anderer Hersteller wie der Robo-Q von Tomy oder der Pleo genannte Dinosaurier der inzwischen insolventen US-Firma Ugobe. Unter den Selbstbau-Robotern, die bei Vstone zu sehen sind, ist auch der 1,30 Meter große ferngesteuerte "Alcnon?". Sein Name ist ein Wortspiel mit dem japanischen "Kann es gehen?"
Robo-Shopping im Urlaub
Einer der Kunden im VStone-Laden ist der Lehrer Naoto Osada. "Roboter zeigen die technologische Entwicklung Japans", sagt der 30-Jährige, der sich gerade einen Robo-Q gekauft hat. Die japanische Regierung hat die Förderung der Roboterforschung zu einem Pfeiler ihrer Wachstumsstrategie erklärt. Erwartet wird, dass das Geschäft mit den Robotern bis 2025 auf 6,2 Billionen Yen (rund 47 Milliarden Euro) wächst. Roboter sollen dann technisch so ausgereift und sicher sein, dass sie in jedem Haus eingesetzt werden können.
Auch Touristen, die die Begeisterung für Roboter mit den Japanern teilen, finden den Weg in das Geschäft. Sie sehen sich zum Beispiel den tanzenden Tichno an, der sich rhythmisch im Takt bewegt. "Ich liebe sie. Sie sind phantastisch. Und sie sind lustig, vor allem die, die tanzen", sagt die Deutsche Christiane Ruff, die sich während ihres dreiwöchigen Japan-Urlaubs neben den Tempeln von Kyoto auch den Roboter-Shop ansieht.
Noch mindestens zehn Jahre
Trotz der verbreiteten Begeisterung für Roboter - Nobuo Yamato, der Leiter des Ladens, ist der Meinung, dass die Regierung die Roboterentwicklung noch nicht genug fördert, um künftige Ingenieure für dieses Gebiet zu interessieren. Vstone selbst entwickelt immer neue Roboter-Baukästen vor allem für Kinder und Jugendliche. Sie kosten mit Bauteilen, Sensoren und Motoren zwischen 5.985 Yen (45 Euro) und 9.975 Yen (75 Euro). Vielfach werden sie schon in Schulen eingesetzt. "Ich liebe Roboter, weil man sie beeinflussen kann und sie sich dann bewegen", sagt der Neunjährige Kazuki Azuma.
Yamato räumt ein, dass die Blechkameraden derzeit vor allem eingesetzt werden, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Für den oft angekündigten Einsatz im Haushalt oder bei der Altenpflege seien sie noch nicht geeignet. "Die Herausforderung liegt darin, praktische Einsatzgebiete zu finden, aber das ist noch zehn Jahre entfernt", sagt Yamato. "Der 'Asimo' von Honda ist vielleicht der beste japanische Roboter. Aber alles, was er kann, ist am Empfang zu arbeiten oder Tee servieren", sagt Yamato. Es liegt also noch ein weiter Weg vor den Roboterbastlern, bis ihre Geräte mehr als nur Spielzeuge sind.
Yuri Kageyama/AP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Spielzeug | RSS |
| alles zum Thema Roboter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH