Jeder Markt kennt starke und schwache Saisonzeiten, ein Auf und Ab der Umsätze: Das gilt in ganz besonderem Maße für den Spielemarkt. Denn der macht das Gros seiner Umsätze im Weihnachtsgeschäft. Für diese Zeit spart er sich auch die Veröffentlichung seiner besten neuen Spiele und Geräte auf - klar also, dass der Umsatz im April bescheiden ausfällt.
Im Vergleich zum April des Vorjahres aber stellt sich der diesjährige als ganz besonders schwarzer Monat für die Game-Branche dar: Insgesamt fielen die Umsätze um 17 Prozent, bei der Software gar um 23 Prozent. Lag es daran, dass die Branche wenig Spektakuläres zu bieten hatte - oder daran, dass in Zeiten der Wirtschaftskrise immer weniger Käufer 50-150 Euro in die Hand nehmen, um ein Konsolenspiel zu kaufen?
Wahrscheinlich an beidem, aber vor allem an der Krise: Einen derart massiven Umsatzeinbruch hat die erfolgsverwöhnte Branche noch nicht erlebt. Selbst Nintendo, dank Wii und DS in einer Art permanentem Erfolgsrausch, der die Firma von Rekord zu Rekord trägt, musste Federn lassen: Von der Wii verkaufte Nintendo in den USA nur die Hälfte der Stückzahlen des Vorjahres. Ein Trostpflaster dafür gibt es auch: Die neue Version der mobilen Spielekiste DS sorgte für satte Umsätze, der DS-Absatz stieg von rund 400.000 auf rund eine Million verkaufte Geräte. Zuwächse erlebte ansonsten nur ein Methusalem unter den Spielgeräten: Von der Playstation 2 verkaufte Sony deutlich mehr als im Vorjahr (und deutlich mehr als von der Playstation 3).
Dass die Wii genau wie ihre Konkurrenz-Konsolen Playstation 3 und Xbox 360 immer weniger absetzt, liegt wohl an der zunehmenden Sättigung des Marktes: Wii-Softwaretitel führen die Verkaufscharts weiterhin souverän an.
Das alles ist der neuesten Marktstatistik des US-Marktforschungsunternehmens NPD Group zu entnehmen, die den US-Spielemarkt für den April 2009 nun noch auf 903 Millionen Dollar taxiert. Das ist noch immer viel Holz und dokumentiert das Gewicht des Spielemarktes: Seit Jahren wird dort mehr umgesetzt als von der gesamten Filmindustrie.
Wie diese hängt der Erfolg der Spielebranche vor allem an der Kreativität seiner Inhalte-Produzenten: Hardware lässt sich nur mit dem Erfolg guter Software an den Mann bringen. Diese stählernde Regel aber verheißt rauhere Zeiten für die Spielebranche: Bei steigenden Produktionskosten kann sie immer weniger für ihre Titel verlangen. Denn bei sinkenden Verkäufen lassen sich die Kunden vor allem mit Sonderangeboten locken: Gegenüber dem Vorjahr, sagt die NPD Group, sei auch der Preis der Software merklich gesunken - um durchschnittlich 19 Prozent. Ergo: man muss mehr verkaufen, um auch nur das Niveau zu halten.
pat
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