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18.05.2009
 

Games Convention Online

Zurück auf Los

Von Timo Kotowski

Auf den Aufstieg zur erfolgreichsten Spielemesse Europas folgte der Weggang der größten Aussteller. Nun wagt die Leipziger Games Convention Online mit verändertem Konzept den Neuanfang - und spart auffällig mit Spitzen gegen den neuen Messe-Konkurrenten Gamescom.

Die Branchengrößen sind abgewandert, der Name ist geblieben. In dieser misslichen Situation geht die Leipziger Messe an den Neustart der Spiele-Messe Games Convention. Das angehängte Wort Online zeigt die neue Ausrichtung: Vom 31. Juli bis zum 2. August stehen Browser-Games und Handy-Spiele im Mittelpunkt.

So war es bei der Games Convention 2008: In diesem Jahr wagt die Leipziger Messe mit verändertem Konzept einen Neustart
DPA

So war es bei der Games Convention 2008: In diesem Jahr wagt die Leipziger Messe mit verändertem Konzept einen Neustart

"Es ist immer interessant, der First Mover zu sein, und das sind wir", verkündet Wolfgang Marzin, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Leipziger Messe. Denn bislang gibt es keine europäische Spiele-Messe, die sich rein dem zuletzt stark wachsenden Online-Games-Markt widmet und die Konsolen-Daddler außen vor lässt. Wer beides zusammen haben will, muss in diesem Jahr nach Köln ausweichen, wo drei Wochen nach der Games Convention Online die Gamescom öffnet.

Auf Betreiben der Branchengrößen im Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) - darunter Nintendo, Sega, Konami sowie die in Köln ansässigen Unternehmen Electronic Arts und Microsoft - ist die große Spielemesse westwärts gezogen. Nur den Namen der Branchenschau durften die Abwanderer aus rechtlichen Gründen nicht mitnehmen - aber auch Gamescom lässt sich wie Games Convention mit den Buchstaben GC abkürzen.

Doch feindliche Töne gegen den neuen Konkurrenten sind bei der Vorstellung des Leipziger Programms kaum zu vernehmen. Vielmehr wird der Eindruck erweckt, man habe einen Teil der Branche vorübergehend ziehen lassen, den man in einigen - vielleicht fünf, vielleicht zehn - Jahren zurückholen will. "Es kann sein, dass die Plattformen wieder zusammenkommen", sagt Marzin.

Kein Kräftemessen mit Köln

Vorerst begreift man in Leipzig offenbar das neue Kleinsein als Chance, vermeidet Seitenhiebe und Vergleiche mit der zweiten Branchenschau. "Wir messen uns nicht mit Köln", sagt Marzin. Bei einer nüchternen Gegenüberstellung von Zahlen hätte die Leipziger Messe wohl auch schon vor dem Start verloren. Mit 50 bis 60 Ausstellern - darunter mit Bigpoint und Gameforge zwei deutsche Größen des Online-Spiele-Marktes, aber auch viele Kleinanbieter - wollen die Leipziger 50.000 bis 70.000 Besucher anlocken. Die "Gamescom" hat hingegen selbstsicher ausgegeben, die Hürde von 200.000 überwinden zu wollen.

Statt hohe Zielwerte auszurufen, spricht Marzin lieber davon, "alte Zöpfe" abzuschneiden: Von der Produktmesse führe der Weg zur modernen Beziehungsmesse. Die neue Games Convention Online will ein Treffpunkt sein, bei dem sich Mitglieder von Online-Communitys real die Hand reichen können. Die Gothic Gilde, mit rund 2000 Mitgliedern einer der führenden deutschsprachigen Zusammenschlüsse, hat ihre Teilnahme zugesagt. Wie Aussteller sollen Gruppen die Messehalle drei als Plattform nutzen, finanziell tragen sollen sich diese Präsentationen durch den Verkauf der Eintrittskarten.

In Halle zwei richten die Veranstalter Themenwelten ein. Dort können Kleinanbieter gestaltete Flächen mieten, um auch ohne pompösen Stand präsent zu sein. Daneben ist ein Family-Bereich geplant, wo sich Mutti und Vati erläutern lassen können, was der Sohn gerade ausprobiert. Für Business-Besucher wird eine Dialogkonferenz mit Expertenvorträgen und Branchengesprächen vom Hamburger Hans-Bredow-Institut ausgerichtet. Insgesamt schöpft die Games Convention Online mit geplanten 40.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche allerdings den vorhandenen Platz in Leipzig nicht aus.

Unsichere Perspektiven

Messe-Geschäftsführer Marzin bezeichnet die Leistungsschauen als "Treibhäuser des Optimismus". Doch ob eine auf Online- und Mobil-Spiele spezialisierte Messe sich auch für den Veranstalter lohnt, ist ungewiss. Online-Gamer holen sich ihre Anwendungen schon jetzt aus dem Netz, sie können genauso gut dort nach Marktneuheiten suchen. Wegen des dominierenden Bezahlmodells, bei dem der Spielstart gratis ist und nur Features wie Bonuslevel oder virtuelle Waffen Geld kosten, können sie online auch testen, bevor sie zahlen.

In Leipzig ist man zum Experiment bereit und mit dessen Anlaufen vorerst zufrieden. Doch der Ausblick bleibt vorsichtig. "Wir wissen nicht, ob wir damit Erfolge schreiben werden", räumt Marzin ein. Immerhin sei man zwei Jahre - eventuell auch ein drittes Jahr - bereit, in die Schau zu investieren - also auch dann die Gamer Europas nach Sachsen einzuladen, wenn das Treffen zunächst keine großen Profite abwirft. Schließlich habe man auch mit der Ur-Games Convention klein angefangen.

Für den Messe-Geschäftsführer ist dann auch der Neustart in etwa wie der Auftakt der Vorgängermesse vor sieben Jahren. "Wir haben auch 2002 Dinge nicht kopiert, sondern uns erarbeitet", sagt er - und man meint doch eine Spitze gen Köln zu hören, wo an neuem Standort mit neuem Namen an Bewährtem angeknüpft wird.

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