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09.06.2009
 

Virales Marketing

Electronic Arts bezahlte falsche Fundamentalisten

Der Videospielhersteller Electronic Arts muss fragwürdige Werbemethoden eingestehen: Eine vermeintlich fundamentalchristliche Demonstration in Los Angeles gegen ein Spiel des Konzerns war in Wirklichkeit eine Marketing-Aktion.

Gekaufte Demonstranten: "Die Hölle ist kein Spiel!"
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Sven Stillich

Gekaufte Demonstranten: "Die Hölle ist kein Spiel!"

Das Ganze war dann doch einfach zu seltsam, um wahr zu sein: Die etwa 20 Demonstranten, die vergangene Woche vor dem Eingang des Geländes der Videospielmesse Electronic Entertainment Expo in Los Angeles Schilder wie "Die Hölle ist kein Spiel!" hochhielten ( SPIEGEL ONLINE berichtete), waren gar keine echten christlichen Fundamentalisten. Die Gruppe, die auch Flugblätter gegen ein in der Entwicklung befindliches Spiel namens "Dante's Inferno" verteilte, bestand in Wahrheit aus bezahlten Mitarbeitern einer Agentur für virales Marketing. Das hat der Hersteller des Spiels, Electronic Arts, nun eingestanden. Das ganze war ein Marketing-Gag.

Echte christliche Fundamentalisten dürften von den Methoden des Videospielkonzerns wenig begeistert sein - bleibt abzuwarten, ob die Aktion noch ein Nachspiel hat. Die kleine Demonstrantengruppe hatte sich ostentativ über die Tatsache erregt, dass in dem Spiel, das sehr lose auf Dantes "Göttlicher Komödie" basieren soll, beispielsweise mit einem Kreuz als Waffe gekämpft wird.

Sowohl die Plakate als auch Flugblatt und Web-Seite der Gruppe schienen jedoch allzu unfreiwillig komisch - zudem verwiesen die Links auf der grauenvoll gestalteten Seite ausschließlich direkt auf Werbemittel für das Spiel. Schon sehr früh wurden daher Zweifel an der Authentizität des Protestes laut. Eine Nachfrage von SPIEGEL ONLINE zum Thema ergab vergangene Woche keinen Kommentar von Electronic Arts Deutschland - nun klärte die Sprecherin des US-Mutterhauses die Sache auf.

Dass Videospielhersteller zu ungewöhnlichen Mitteln greifen, um Aufmerksamkeit für ihre Titel zu erzeugen, ist gang und gäbe - diese Aktion jedoch markiert eine neue Stufe der Publikumstäuschung. Zumal echte Christen über die Sache durchaus sauer sein könnten.

cis/AP

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