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06.11.2009
 

25 Jahre "Das Schwarze Auge"

Rollenspiel mit Meister-Maske

Von Konrad Lischka und Thomas Hillenbrand

DTP Entertainment

Seltsamer Name, seltsame Spielutensilien - und eine fanatische Fangemeinde: "Das Schwarze Auge" ist Deutschlands erfolgreichstes Fantasyspiel. Zauberer und Eiselfen aus Aventurien bevölkern seit 25 Jahren Wohnzimmer und Computer - und demnächst vielleicht auch die Leinwand.

Die angelsächsischen Kritiker waren völlig aus dem Häuschen. Ganz wunderbar sei das deutsche Computerrollenspiel "Drakensang": Die Spielwelt überzeuge mit "mittelalterlichem europäischen Flair", das Gameplay sei hervorragend. Nur die Charakternamen seien etwas albern. Welcher Gamer wolle schon Glombo von Wildfang oder Ardo von Eberstamm heißen?

Offenbar recht viele. "Drakensang" haben in Deutschland über 150.000 Spieler gekauft - und im Ausland noch mal 300.000. Die teutonisch klingenden Namen und die realistische, mittelalterliche Welt verleihen "Drakensang" ein besonderes Flair: Wer hier unterwegs ist, merkt schnell, dass dies kein Herr-der-Ringe- oder World-of-Warcraft-Abklatsch ist.

Die Welt heißt Aventurien und ist unglaublich detailliert - weil ihre Schöpfer seit 25 Jahren an ihr arbeiten. Die Beschreibungen von Städten und Regionen umfassen inzwischen Tausende Seiten. Aventurien gehört zum Pen&Paper-Rollenspiel " Das Schwarze Auge", dem erfolgreichsten deutschen Rollenspiel, das in diesem Jahr sein silbernes Jubiläum feiert.

Eskapisten mit Geschäftsinn

Erschaffen haben die Welt und das dazugehörige Rollenspiel Ulrich Kiesow, Werner Fuchs und Hans Joachim Alpers. Die drei Männer vereinte ein Faible für fantastische Literatur und eskapistische Hobbys wie Strategiespiele oder Zinnminiaturen. "Wir waren sozusagen Ex-Hippies. Und wir waren unzufrieden mit der Realität", erinnert sich Fuchs.

Fuchs arbeitete als Science-Fiction-Lektor für den Verlag Droemer Knaur und betrieb seit 1977 in Düsseldorf den Fantastic Shop, der Comics, Bücher und Strategiespiele wie "Civilization" oder "Diplomacy" verkaufte. Ihm war nicht entgangen, dass sich auf dem US-Spielemarkt damals gerade Erstaunliches tat.

Dort erzielte ein völlig neuartiges Spiel namens "Dungeons & Dragons" (D&D)sensationelle Erfolge. Es handelte sich um ein Gesprächsspiel ohne Brett, bei dem die Teilnehmer die Rollen von Zwergen, Elfen und Zauberern übernahmen (siehe Kasten links). Der Hersteller TSR verkaufte Millionen von D&D-Boxen.

Fuchs und sein Schwager Kiesow verbrachten 1982 einen regnerischen Dänemark-Urlaub damit, D&D zu spielen und waren hellauf begeistert. Fuchs riet Droemer Knaur, in den lukrativen Rollenspielmarkt einzusteigen. Als er im Winter 1982 erfuhr, dass TSR eine deutsche Ausgabe von D&D plante, bot er seine Hilfe an.

Da Fuchs, Alpers und Kiesow versierte Übersetzer waren, erhielten sie den Zuschlag. "Wir haben dann für TSR übersetzt. Vier D&D-Boxen, 18 Abenteuer - Hügel des Grauens, Festung im Grenzland - das ganze Zeug", erinnert sich Fuchs. Der umtriebige Schwabe verhandelte parallel mit Droemer Knaur und dem Münchner Gesellschaftsspiele-Produzenten Schmidt. Sie sollten D&D auf den Markt bringen, doch das Geschäft scheiterte an den hohen Forderungen der US-Firma.

Im November 1983 wandte sich Schmidt Spiele deshalb an Fuchs' und Alpers' Firma Fantasy Productions. Man brauche bis April 1984 ein komplettes Rollenspiel - mit Regelwerk, Weltbeschreibung und etlichen Abenteuerbänden.

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Thomas Hillenbrand und Konrad Lischka berichten in der Reihe "Rollenspiel - die wahre virtuelle Realität" in loser Folge über die Geschichte der Rollenspiele - was interessiert Sie besonders? Die Entstehung des "Schwarzen Auges"? Die Karriere von Steve Jackson? Oder die Geschichte des Play- By- Mail- Phänomens? Wir freuen uns über Ihre Anregungen per E- Mail.

DEUTSCHES ROLLENSPIEL: DIE DSA-ERFINDER

Hans-Joachim Alpers

Der 66-jährige Alpers (1943 in Bremerhaven geboren) studierte in Bremen, dann in Hamburg Maschinenbau, Politik- und Erziehungswissenschaft und schrieb nebenher seit Ende der 60er Jahre phantastische Romane und Erzählungen. Er gab ein Science-Fiction-Magazin, die "SF-Times" heraus und arbeitete für viele Verlage als Lektor und Herausgeber von Science-Fiction-Reihen und Sammlungen (unter anderem bei den Verlagen Moewig und Knaur). Durch die SF-Verlagsarbeit lernten sich Alpers und Fuchs kennen, sie arbeiteten zum Beispiel beide am 1980 bei Heyne erschienenen Lexikon der Science Fiction Literatur mit. 1983 gründete Alpers mit Werner Fuchs und Ulrich Kiesow den Verlag Fantasy Productions. Alpers lebt heute in Ostfriesland und arbeitet vor allem als Romanautor, 2008 erschien sein Roman "Nekrogenesis" in der Perry-Rhodan-Reihe.

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