100-Dollar-Laptop: Kauf zwei, verschenke eins

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Das sogenannte 100-Dollar-Laptop kann man jetzt auch in den Industriestaaten kaufen. Allerdings nur, wenn man sich auf einen originellen Deal einlässt: Wer eines der innovativen und robusten Notebooks in Entwicklungsländer schicken lässt, bekommt selbst ein Gerät - zum Preis von fast 300 Euro.

Der Schritt war lange umstritten. Ursprünglich sollte der "One Laptop per Child"-Rechner (OLPC) ausschließlich in Entwicklungsländer geliefert werden. Nun aber ist klar: Zumindest für einen nicht näher genannten begrenzten Zeitraum wird das knuffige Kinder-Notebook auch für Kunden aus den Industriestaaten zu kaufen sein.

Ab dem 12. November, so eine Ankündigung auf der Webseite des Projekts, werde das Gerät zu bestellen sein. Der Preis soll 399 Dollar (zirka 288 Euro) betragen. Damit erwirbt man als Käufer allerdings nicht eines, sondern zwei der Linux-getriebenen Geräte. Nach Hause geschickt bekommt man jedoch nur ein Exemplar. Der zweite Laptop soll einem Kind in der Dritten Welt zukommen.

Man kann auch einfach Geld spenden

Wer Interesse an der Aktion hat, kann sich in einen E-Mail-Verteiler eintragen lassen und bekommt rechtzeitig vor dem Verkaufsstart eine Erinnerungs-Mail. Zudem weist OLPC-Gründer Nicholas Negroponte in seiner Ankündigung darauf hin, dass man auch jetzt schon durch schlichte Geldspenden helfen kann, die kleinen Laptops ihren kleinen Anwendern zukommen zu lassen. Pro Laptop, so Negroponte, würden 200 Dollar benötigt.

Bereits vor einer Woche hatten die Verantwortlichen des Projekts mitgeteilt, die Kosten für den Klapprechner seinen aufgrund steigender Komponentenpreise von ursprünglich geplanten 100 Dollar pro Stück mittlerweile auf 188 Dollar gestiegen.

Bislang, sollen nach Angaben der Projektleitung Bestellungen über drei Millionen Exemplare des Kleinstrechners von Regierungen aus Drittweltländern eingegangen sein. Ursprünglich hatte man geplant, die Massenproduktion erst dann aufzunehmen, wenn mindestens fünf Millionen Bestellungen eingegangen sind.

Ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art

Die Frage, ob man das Mini-Notebook auf Interessenten aus Industrienationen anbieten soll, wurde lange diskutiert. Die jetzt getroffene Entscheidung dürfte allerdings auf reges Interesse treffen, da das OLPC dank seiner innovativen Konstruktionsweise und der speziell für Kinder entwickelten Software durchaus auch für den Nachwuchs wohlhabender Eltern ein spannendes Spiel- und Lernwerkzeug sein kann.

Ungeklärt ist bislang, ob die Organisation für den Kauf eines 100-Dollar-Laptops eine Spendenbescheinigung ausstellen wird. Eine solche Maßnahme dürfte das Interesse an dem Gerät sicherlich noch weiter ankurbeln. Käufer bekämen ein visionäres Stück Hightech, täten Gutes für die Dritte Welt, hätten ein einmaliges Weihnachtsgeschenk für die Kinder und könnten überdies auch noch Steuern sparen.

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Forum - Der 100-Dollar-Laptop für jedermann?
insgesamt 83 Beiträge
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1. Gibt es einen vernünftigen Grund ...
hgwenke 24.09.2007
... diese Sache nicht zu unterstützen? Mir fallen nur faule Ausreden ein. Denn Bildung war, ist und wird der einzige Weg bleiben, der aus dem Desaster von Armut und Abhängigkeit führt.
2. Ja
Holsatia, 24.09.2007
Zitat von sysopEigentlich war er nur für die Dritte Welt gedacht, jetzt soll man den 100-Dollar-Laptop auch in den Industrienationen kaufen können - und mit dem Erwerb ein Gerät in einem Entwicklungsland finanzieren. Können Sie sich vorstellen, einen der robusten Kleinstrechner zu bestellen?
Habe ich gerade eben gemacht.
3.
Priest, 24.09.2007
Zitat von hgwenke... diese Sache nicht zu unterstützen? Mir fallen nur faule Ausreden ein. Denn Bildung war, ist und wird der einzige Weg bleiben, der aus dem Desaster von Armut und Abhängigkeit führt.
Vollkommen richtig. Der Entwickler dieses Laptops darf wirklich stolz auf sich sein. Ein richtiges, vernünftiges und zukunftsweisendes Projekt.
4.
Constantinopolitana, 24.09.2007
Tolle Sache. Ich bin meinen Ziegelstein von DELL mit Windows für Masochisten schon lange leid! Allerbeste Grüße, Eva
5. 100 Dollar Laptop
Streitaxt 24.09.2007
Warum nur für die dritte Welt? Wir haben regelmäßig Praktikanten in unserem Betrieb. Die stehen kurz vor ihrem Abschluss und wissen nicht, wo die USA liegen, was eine Diktatur ist oder wer unser Bundeskanzler ist, vom Kopfrechnen ganz zu schweigen. Wir brauchen mehr Bildung und zwar so früh wie möglich. Her mit diesen Laptops, schon für Kindergartenkinder. Wir zahlen Kindergeld, Wohngeld, Hart IV, Kleidergeld und was weiß ich nicht alles, und haben eine hohe Kinderarmut, geistig wie materiell. In der Dritten Welt wären sie für eine solche soziale Sicherheit dankbar. Und was passiert, die Kinder dort freuen sich auf diese Geräte und sind wissbegierig, unser Kinder sind mit 16 schon so verblödet, dass die wie ihre Eltern auf Transferzahlungen angewiesen sind. Wir kapieren, dass das Elend der Dritten Welt nur durch Bildung in den Griff zu bekommen ist. Hier glauben wir immer noch, wir lösen unsere Probleme, wenn wir immer mehr Geld ins System pumpen, das bei den Kindern gar nicht ankommt.
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