20 Jahre Gameboy Klötzchen-Alpträume in Graustufen

Spielwelten in grüngrau und ein Plastikgehäuse in Elefantenfarbe: Nintendos Gameboy war billig, aber gut genug für einen Weltrekord. Vor 20 Jahren eroberte die Handheld-Konsole erst Japan und dann die ganze Welt - keine Spielkonsole wurde häufiger gekauft als der Plastikzwerg.


Simpel war die Grafik des Gameboy, aber zumindest nicht schwarzweiß: Die taschenbuchgroße Handheld-Spielkonsole, die Nintendo vor 20 Jahren in Japan in die Läden brachte, stellte die Spielwelten in vier Grautönen auf grünem Hintergrund dar.

Die Konkurrenz-Geräte konnten das damals viel besser: Spielkonsolen-Legende Atari zeigte im selben Jahr auf der US-Hightech-Show CES die eigene Handheld-Konsole namens Lynx. Statt vier Graustaufen zeigte das Atari-Gerät 4096 Farben, statt 6,5 Zentimeter Bildschirm-Diagonale wie der Gameboy hatte das Atari-Spielzeug knapp neun.

Ein Nintendo-Manager verteidigte sein mager ausgestattete Spielzeug in der " New York Times" gegen die Atari-Konkurrenz damals so: "Das ist, als würde man mit dem Ferrari zum Gemüsehändler fahren." Atari-Chef Sam Tramiel (Sohn des Commordore-Gründers Jack Tramiel) spottete: "Wer würde nicht lieber Ferrari als Toyota fahren? Vor allem kostet unser Gerät nicht so viel wie ein Ferrari."

20 Jahre später steht es 118 zu 2 für Nintendo. Gerade mal zwei Millionen seiner technisch weit fortgeschritteneren Handheld-Konsolen verkaufte Atari, Nintendo hat laut eigener Statistik von 2008 insgesamt mehr als 118 Millionen Exemplare des Gameboys und der ersten Nachfolgemodels Color verkauft. Damit ist der Plastikzwerg die bislang bestverkaufte Handheld-Spielkonsole überhaupt.

Nintendos Gut-Genug-Prinzip

Simples Design, vergleichsweise niedriger Preis - diese Kombination machte den Gameboy zum Erfolg. Und natürlich Tetris, das jedem verkauften Handheld beigelegte Spiel. Beim Ur-Tetris fallen eckige, ganz unterschiedlich geformte Steine von oben in einen Behälter und müssen so gedreht werden, dass sie möglichst wenig Platz ungenutzt lassen. Wenn eine Reihe komplett ohne Lücke gefüllt ist, verschwinden die Bauklötze und machen Platz für die von oben nachfallenden Spielsteine. Ist der Behälter bis oben hin gefüllt, hat man verloren.

Nintendos Gameboy-Strategie kann man so zusammenfassen: Billig, einfach, kreativ und für die meisten Spieler gut genug. Nicht die theoretischen Möglichkeiten der Hardware sollten die Spieler fesseln, sondern die Vielfalt und Güte der tatsächlich verfügbaren Spiele. Mit der Hardware nach der Gut-Genug-Methode hatte Nintendo beim Gameboy einen unglaublichen Erfolg, genauso wie Jahre später mit der Wii und dem beigelegten Spiel Wii Sports.

Für Spielwarenhändler unbekannter Digitalkram

In Japan kaufen im ersten Monat nach Einführung des Gameboys 200.000 Menschen das Spielgerät. In den Vereinigten Staaten war die erste Lieferung von einer Million Gameboys laut dem Fachjournalisten Steven L. Kent einige Wochen nach Verkaufsbeginn im August 1989 ausverkauft. Diesen Erfolg kann man sicher nicht auf geschicktes Marketing und teure Werbung zurückführen - schließlich wussten viele Spielzeughändler mit dem Digitalkram 1989 wenig anzufangen. Ein Toys'R'Us-Manager erzählte der "New York Times" 1989 noch von einem interessanten "russischen Spionagespiel" namens " Tetrus".

Nintendos Gameboy war ein wirklich fesselndes Spielzeug, keine Werbe-Luftnummer. Der Erfolg des Unternehmens in Deutschland lässt sich mit einem kleinen Vergleich veranschaulichen: 1989 gründete Nintendo eine deutsche Tochterfirma, 1990 machte diese 500 Millionen Euro Umsatz und hatte einen Marktanteil von 15 Prozent am deutschen Spielwarenmarkt - vor Lego.

Um die 160 Mark kostete ein Gameboy, 50 bis 70 Mark ein Spiel. Zwei Millionen Stück hatte Nintendo im ersten Jahr verkauft. Anfang 1992 hatte Nintendo 35 deutsche Mitarbeiter allein dafür abgestellt, am Telefon Fragen von Spielern zu beantworten - tausend Briefe und 12.000 Anrufe kamen damals pro Woche bei dem Unternehmen an. Die meisten Leute wollten wissen, wie sie in vertrackten Spielen weiterkommen.

In einem "Der Teufel persönlich" betitelten Artikel nannte " Die Zeit" den Gameboy 1991 dann sogar eine "Elektronik-Droge". Das Gerät habe "einen fast unerklärlichen Erfolg", hieß es damals. Und über den Spielklassiker Tetris: "Viele Süchtige berichten, dass seine seltsamen fallenden Klötzchen sie bis in den Traum hinein verfolgen."

Das waren noch Zeiten.

Spielkonsolen: Die aktuelle Generation
Wii
Der kleine Konkurrent kann im Gegensatz zu den Konsolen der Rivalen keine hochauflösende Grafik bieten, sondern liefert herkömmliche Fernsehauflösung. Trotzdem ist das Gerät so beliebt, dass der Hersteller bisher keine Preissenkung angekündigt hat. In den USA überholte die Wii im Juli 2008 Microsofts Xbox 360, was die Verkaufszahlen angeht. Die Konsole zeichnet sich durch einen bewegungssensitiven Controller und bewegungsorientierte Zusatzgeräte wie das "Balance Board" aus. Mit simplen Sport- und Spaß-Spielen hat sie für die Branche neue Zielgruppen erobert. 2009 führte Nintendo eine Erweiterung für den Controller namens Wii Motion Plus ein, die Bewegungen der Spieler noch präziser erfassen helfen soll. Einen ausführlichen Wii-Test finden Sie hier .
Playstation 3 und 2
Der direkte Konkurrent von Microsofts Xbox 360 - die beiden Konsolen konkurrieren um die Hardcore-Gamer, die auch bereit sind, für hochauflösende Spielgrafik einen entsprechenden Fernseher zu kaufen. Im März 2007 kam die Konsole in Europa auf den Markt. Im Juli 2008 gab es sie entweder mit 40- oder mit 60-GB-Festplatte - im August 2009 wurde die PS3 slim vorgestellt, mit 120-GB-Festplatte und für einen niedrigeren Preis als das Vorgängermodell. Damit ist sie immer noch die teuerste unter den aktuellen Modellen. Die PS3 gibt ein hochauflösendes Videosignal über einen HDMI-Ausgang aus. Als einzige, momentan erhältliche Spielkonsole enthält sie ein Blu-ray-Laufwerk, mit dem sich auch hochauflösende Blu-ray-Discs abspielen lassen. Einen ausführlichen Test des ersten PS3-Modells finden Sie hier.

Im September 2010 kam in Deutschland die Erweiterung Playstation Move auf den Markt. Das Bewegungssteuerungs-System basiert auf der Konsolenkamera Playstation Eye und Controllern, die leuchtende Kugeln an der Spitze tragen. Die Kamera verfolgt die Bewegungen dieser Kugeln, gleichzeitig sorgen Lage- und Bewegungssensoren für ein noch genaueres Bewegungs-Abbild. Ein sogenanntes Starter-Pack enthält die Kamera und einen Move-Controller, es kostete im Herbst 2010 etwa 80 Euro. Weitere Controller sowie die mit einem Joystick ausgestatteten "Navigation Controller" müssen jeweils extra gekauft werden. Eine Ausrüstung für vier Spieler kann schnell so viel kosten wie eine ganze Konsole. Es sind jedoch auch im Preis reduzierte Bündel-Angebote erhältlich.

Sony hat als einziges der großen Unternehmen noch eine zweite Wohnzimmer-Konsole im Rennen: Die Playstation 2 verkauft sich noch immer, und es geht auch nach wie vor eine Menge Software für das Gerät weg, das in seiner Ur-Version im Jahr 2000 auf den Markt kam. In erster Linie verkaufen sich für das inzwischen geschrumpfte Gerät Partyspiele wie "SingStar" und das Quiz-Spiel "Buzz".
Xbox 360
Microsofts High-Definition-Konsole ist von den drei aktuellen Konkurrenten am längsten auf dem Markt, nämlich seit Ende 2005. Microsoft schraubte seitdem mehrmals an Preis und Ausstattungsmerkmalen. Die 360 hat ein normales DVD-Laufwerk.

Die aktuellen Modelle geben HD-Bilder über einen HDMI-Ausgang aus. Im Juni 2010 stellte Microsoft eine neue, kleinere, nun durchgägnig schwarze Xbox 360 vor, die serienmäßig mit einem HDMI-Ausgang und einem Wifi-Modul für drahtlosen Netzzugang ausgestattet ist. Das Gerät soll zudem deutlich leiser sein als die vorangegangenen Modelle. Sie kostete in Deutschland zunächst gut 300 Euro. Eine preiswertere Version mit nur vier Gigabyte Flashspeicher, aber ohne Festplatte kostete im Herbst 2010 etwa 180 Euro. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen Xbox 360 finden Sie hier.

Im November 2010 kam Micorosofts Bewegungssteuerungs-System Kinect auf den Markt. Es funktioniert ohne physische Controller, erfasst werden die Bewegungen der Spieler von zwei Kameras. Zudem sind in die balkenförmige Kinect-Erweiterung Mikrofone eingebaut. Das System erfasst Bewegungen des ganzen Körpers und kann außerdem auf gesprochene Anweisungen reagieren. Mit Kinect lassen sich nicht nur Spiele steuern, sondern auch die Benutzeroberfläche der Konsole bedienen, Filme starten, pausieren und stoppen und Videochats führen. Kinect kostete bei der Einführung etwa 150 Euro, inklusive eines Spiels. Diverse Bündel-Angebote mit samt einer Konsole sind ebenfalls erhältlich.
Sony PSP
Die Playstation Portable, auf dem Markt seit 2005, ist Sonys erster Versuch, von dem traditionell von Nintendo ("Gameboy") beherrschten Markt für mobile Spielgeräte ein Stückchen abzuzwacken. Seit 2007 gibt es eine etwas dünnere Version namens Slim and Lite. Die Mobilkonsole kann nicht nur Spiele darstellen, sondern auch Filme und Musik abspielen. Außerdem lässt sie sich per W-Lan mit dem Internet verbinden. Filmdownloads und andere Inhalte können von der PS3 auf die PSP verschoben werden, außerdem kann die Mobilkonsole über einen Internetzugang als eine Art Fernbedienung für die PS3 benutzt werden. Die PSP ist auf dem Markt für mobile Spielgeräte Zweiter hinter Nintendos DS. Im Juni 2009 wurde das neue Modell PSP go vorgestellt, das ein herausschiebbares Unterteil mit den Bedienelementen darauf aufweist und deshalb deutlich kleiner ist, dafür aber kein Laufwerk mehr für Sonys UMD-Disk-Format hat. Spiele, Bilder, Filme und Musik sollen darauf direkt heruntergeladen werden. Die 2008 eingeführte PSP 3000 mit UMD-Laufwerk soll aber weiterhin produziert werden. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen PSP finden Sie hier .
Nintendo DS
Der Nintendo DS ist seit 2005 in einer ersten Version auf dem Markt, seit 2006 in einer schlankeren Ausgabe namens DS Lite (abgebildet). DS steht für "dual screen". Die Konsole hat einen normalen und in der unteren Hälfte einen Touch-Screen. Spiele werden über Tasten oder aber einen Stylus, mit dem der Touchscreen bearbeitet wird, gespielt. Der DS lässt sich wie die PSP über W-Lan mit dem Internet verbinden, auch Online-Spiele und Spielereien wie Bilder-Chat sind so möglich. Mit Spielen wie "Nintendogs" und "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" erschloss der DS neue Zielgruppen für Mobilkonsolen. Der DS ist das derzeit meistverkaufte mobile Spielgerät. Seit der Markteinführung wurden der kleinere DS Lite und zuletzt, Ende 2008 bzw. Anfang 2009 der DSi nachgeschoben. Letzterer weist als Neuerung unter anderem zwei etwas größere Bildschirme und zwei VGA-Kameras auf (eine auf der Bildschirm-Seite, eine auf der Gehäuse-Außenseite). Einen Testbericht über die erste Version des Nintendo DS finden Sie hier , einen Bericht über den aktuellen DSi finden Sie hier . Seit März 2010 gibt es den DSi XL, der einen größeren Bildschirm (4,2 Zoll) verfügt. Bei der Electronic Entertainment Expo im Juni 2010 in Los Angeles stellte Nintendo ein neues Gerät namens 3DS vor, das dreidimensionale Darstellungen auf einem der beiden Bildschirme erlaubt, ohne eine Spezialbrille erforderlich zu machen. Preis und Erscheinungstermin wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht genannt.



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.