Angefasst Knuddel-Computer zum kleinen Preis

Kaum ein Kilo schwer, robust und mit Software vollgestopft: Der EeePC von Notebookhersteller Asus ist anders als übliche Mobilrechner - vor allem, was den Preis angeht.

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Der EeePC wiegt nur 920 Gramm, ist "leichter als der neueste Harry-Potter-Band", erklärte Asus-Pressesprecher Holger Schmidt bei der offiziellen Vorstellung des Mobilrechners in Hamburg. Damit reiht sich das neue Asus-Gerät mühelos in die Riege der ultraportablen Notebooks ein - allerdings ohne deren Premium-Preis.

Denn je kleiner und leichter Notebooks sind, desto teuer sind sie meist auch. Insbesondere im Verhältnis zu ihrer Rechenleistung. Lenovos 1,2 Kilo leichtes Thinkpad X61s beispielsweise kostet je nach Ausstattung ab rund 1500 Euro - und ist damit fast ein Schnäppchen. Für den EeePC hingegen muss man nur einen Bruchteil dieser Summe investieren: 299 Euro.

Das muss auch so sein, denn die Zielgruppen, die Asus mit dem Leichtgewicht anvisiert, haben naturgemäß nur spärlich gefüllte Geldbeutel: Schüler, Studenten und junge Familien. Denen soll der EeePC einen günstigen Einstieg ins Internet und alles, was man sonst noch mit Computern machen kann, ermöglichen.

Sparmaßnahmen

Daher kommt auch der arg konstruiert wirkende Name des Geräts. Mit dem Gerät soll es Einfach sein, zu lernen, zu arbeiten und zu spielen. Er soll ein Exzellentes Interneterlebnis bieten und zudem ein echter Entertainer sein - aber bitte zu einen Kampfpreis. So die Logik der Asus-Marketing-Manager.

Um zu einem so zu beschreibenden Produkt zu kommen, musste an einigen Ecken gespart werden. Am auffälligsten ist der Verzicht beim Bildschirm. Der bringt es auf eine Diagonale von gerade mal sieben Zoll (knapp 18 Zentimeter). Da würde man sich schon ein paar Zentimeter mehr wünschen. Zudem beschränkt das Winz-Display die Auflösung auf 800 x 480 Bildpunkte. Das reicht oft nicht einmal, um Webseiten in voller Breite darzustellen. Als Standard gelten im Web 1024 mal 768 Pixel. Trotzdem kann das Bildschirmchen Punkte sammeln. Entgegen dem allgemeinen Trend ist es nämlich entspiegelt, kann auch bei schwierigen Lichtverhältnissen gut abgelesen werden.

Speicherprobleme eingebaut

Gespart wurde auch am Speicher. Magere 512 Megabyte RAM sind eingebaut. Immerhin: Die können bequem über eine Klappe an der Rückseite erweitert werden. Ein Gigabyte des benötigten DDR-2-Speichers ist für rund 20 bis 30 Euro zu bekommen.

Noch knapper ist allerdings der Festspeicher bemessen. Anstelle einer Festplatte baut Asus sogenannten Flash-Speicher ein, wie er auch in vielen MP3-Playern verwendet wird. Das hat seine Vorteile: Flash benötigt wenig Strom, ist unempfindlich gegen Erschütterungen. Aber Flash ist auch teuer. Wohl deshalb hat Asus dem Gerät nur vier Gigabyte eingepflanzt. Davon belegen Betriebssystem und Programme schon rund 2,5 Gigabyte. Netto bleiben nur etwa 1,3 Gigabyte für eigene Dateien übrig.

Wer damit nicht klarkommt, muss erweitern. Dafür stehen verschiedene Wege offen. Etwa der eingebaute SD-Kartenleser. Den kann man nutzen, um Speicherkarten von Digcams auszulesen oder einfach, um mehr Platz für Eigenes zu schaffen. Pro Gigabyte werden etwa zehn Euro fällig. Kaum billiger sind USB-Sticks. Der EeePC hat drei USB-Anschlüsse, an die sich solche Sticks, externe Festplatten, CD-Brenner und auch eine iPod anstöpseln lassen.

Software-Vollausstattung

Als Betriebssystem dient Linux. Windows-Programme lassen sich also nicht installieren. Das ist freilich kein großer Nachteil, da die vorinstallierte Software bereits alle wichtigen Bereiche abdeckt. Fürs Internet sind unter anderem Mozillas Firefox und das Mail-Programm Thunderbird dabei, für Büroarbeiten das kostenlose OpenOffice (das problemlos Microsoft-Office-Dateien liest und schreibt). Dazu kommen diverse Lernprogramme, Spiele und Multimediasoftware, zum Musikhören oder um Bilder und Videos zu bearbeiten. Sogar die Telefonie-Software Skype ist bereits installiert. Einen USB-Telefonhörer zum Telefonieren per Internet bietet Asus als Zubehör ab.

Als Treibsatz dient ein Intel-Mobilprozessor. Welcher, das will Asus nicht verraten. Doch wer das Gerät aufschraubt und auseinandernimmt, stößt auf einen 900 Megahertz schnellen Celeron M in der besonders Strom sparenden "ULV"-Version. Zur Vernetzung stehen W-Lan und Ethernet bereit. Bluetooth hingegen fehlt und kann auch nicht nachgerüstet werden. Testweise angedockte Bluetooth-USB-Sticks ignorierte das Linux-System mangels passender Treiber.

Schwacher Akku

Trotz all der Sparmaßnahmen, erweist sich der EeePC nicht als Dauerläufer. Im Test ging dem Akku stets schon nach drei bis vier Stunden die Puste aus. Das ist zuwenig. Nervig zudem: Das mickrige Steckernetzteil braucht ebenso lange, um den Stromspeicher wieder mit Energie zu füllen.

Dennoch: Mit dem EeePC hat Asus einen potentiellen Hit im Programm. Der Winzling begeistert mit kleinen Abmessungen, großem Softwarepaket und einem überraschend günstigen Preis. Kinder sind von dem knuddeligen Kasten sofort begeistert. Aber nicht nur die.

Auch wer einen besonders tragbaren PC für unterwegs sucht, findet im EeePC einen Freund. Als billige Alternative zum teuren Subnotebook oder als Riesen-PDA mit Voll-Tastatur macht er eine gute Figur. Einzig die fehlende Option, sich unterwegs via Handynetz ins Web einzuwählen, schmälert den Nutzen.

Dann aber kommt wieder der günstige Preis zum Tragen. Selbst wenn man sich noch eine 4-Gigabyte-Speicherkarte als Erweiterung gönnt, kommt man kaum über 340 Euro hinaus. Zu diesem Preis gibt es bei vergleichbar kleinen Notebooks gerade mal den Bildschirm. So oder so ist allerdings Geduld gefragt. Denn liefern kann Asus den EeePC erst ab Mitte Dezember, reichlich knapp fürs Weihnachtsgeschäft.

Der EeePC: Technische Daten

Displaydiagonale 7 Zoll
Auflösung 800 x 480 Punkte
Prozessor Intel Celeron M ULV 900MHz
Betriebssystem Xandros Linux
W-Lan 802.11b/g (54 Mbit/s)
Lan 10/100 Mbit
Arbeitsspeicher 512 MB
Festspeicher 4 GB
Anschlüsse 3 x USB, SD-Card, VGA, Kopfhörer, Mikrofon, Ethernet
Sonstiges Webcam, Mikrofon, Lautsprecher
Gewicht 920 Gramm
Abmessungen 22,5 x 16,5 x 3,5 Cm
Preis 299 Euro

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