Apple Macbook: Außen aus Alu, innen mit Schminkspiegel

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Es geht nicht nur um Geschwindigkeit - das neue Macbook unterscheiden andere Dinge von seinem Vorgänger. Der Prozessor hat bloß moderat zugelegt, Optik, Ausstattung und Technik des neuen Geräts wurden dagegen kräftig überarbeitet. Ein paar Kritikpunkte aber bleiben.

Nur um wenige Zehntel eines Gigahertz hat Apple den CPU-Takt beim neuen Macbook erhöht. Das reicht gerade, um sich in den Auswertungen einiger Benchmark-Programme als leichte Delle nach oben hin bemerkbar zu machen. Fühlbar aber ist dieser Geschwindigkeitszuwachs nicht. Doch um Geschwindigkeit geht es bei tragbaren Computern ohnehin kaum mehr. Für die üblichen Tätigkeiten digitaler Nomaden - schreiben, surfen, mailen - sind sie sowieso allesamt schnell genug.

Vieles andere, also etwa Filmschnitt, Bildbearbeitung und 3D-Spiele, überfordert die mobilen Arbeitsgeräte jedoch meist. Genau in diesem Bereich haben die neuen Modelle zugelegt. Statt wie bisher komplett auf Intel-Chips zu setzen, lässt sich Apple bei den neuen Modelle Hardware vom Grafikspezialisten nVidia zuliefern. Und das mit Erfolg, mess- und spürbar. In Tests zuckeln Bilder bis zu viermal schneller als beim Vorgänger über den Bildschirm - sowohl unter Mac OS X als auch unter Vista (das sich problemlos installieren lässt).

Für aktuelle 3D-Spiele reicht die gebotene Leistung allerdings immer noch nicht. Im weit verbreiteten 3DMark-Test erreicht das Macbook knapp 3000 Punkte. Ein gut ausgestatteter Gamer-PC hingegen bringt es auf rund 11.000 Punkte. Dazwischen liegen Welten, und das merkt man auch. Fürs gelegentliche Daddeln reicht die Leistung aus, Viel-Spieler aber werden davon kaum begeistert sein. Die müssten zum teureren Macbook Pro greifen, in dem Apple einen zusätzlichen, schnelleren Grafikchip verbaut.

Hochglanz-Display

Das Display ist bei beiden Geräten, abgesehen von der Bildschirmgröße und -auflösung, gleich - und erstmal beeindruckend. Als Lichtquelle verwendet Apple jetzt nämlich in allen Modellen LED-Lampen. Die sind nicht nur ungeheuer hell, sondern leuchten auch sehr gleichmäßig und vor allem sparsam. In einer normalen Büroumgebung lässt sich daran nichts aussetzen.

Doch einen guten Teil seiner Brillanz erkauft sich der Bildschirm mit einer nicht entspiegelten Oberfläche. Die sorgt für kräftige Kontraste und tiefschwarzes Schwarz. Allerdings sorgt sie auch für kräftige Reflexionen, sobald Lichtquellen aus schrägen Winkeln darauf einstrahlen. Damit nicht genug: Die glänzende Oberfläche verfügt über eine scheinbar unwiderstehliche Anziehungskraft für Fingerabdrücke. Von solchen ist der Bildschirm flugs übersät, wenn man zur Spezies der Bildschirmanfasser gehört.

Offen für Aufrüster

Immerhin liefert Apple eigens für den Kampf gegen Schlieren und Streifen ein Mikrofasertuch mit. Das kann man auch gleich benutzen, um die edle Alu-Hülle abzuwischen. Das matte Metall reagiert ebenfalls recht stark auf Berührung mit fettigen Fingerspitzen. Mit der Schmutzempfindlichkeit einher geht allerdings ein grandioses Design. Der Alu-Block sieht nicht einfach nur schicker aus, er macht auch einen hochwertigeren und stabileren Eindruck als das weiß gefärbte Plastik des Vorgängers.

Wirklich aus einem Stück, wie es Apples Werbung verspricht, ist das Gehäuse freilich nicht. Klar, der größte Teil des Korpus ist aus einem Rohling gebaut. Die Unterseite allerdings wird von zwei Aluminiumpanelen abgedeckelt. Und das ist auch gut so. Denn das untere der beiden lässt sich über einen Hebel öffnen, gibt die Festplatte und vor allem den Akku frei. Die zweite Abdeckung wird von acht Schräubchen fixiert. Sind die entfernt, liegen unter anderem die Steckplätze für den Arbeitsspeicher frei. Leichter hat sich wohl noch kein Macbook Aufrüstungsbemühungen geöffnet.

Kleinerer Akku, gleiche Laufzeit

Beim Blick in die Innereien offenbart sich allerdings auch, dass der neue Akku kleiner ausfällt als das Vormodell. Im weißen Macbook steckte noch ein Stromspeicher mit 55 Amperestunden Kapazität, der neue Akku liefert bloß 45. Trotzdem hält das neue Macbook ähnlich lange, nämlich rund vier Stunden, ohne Steckdose durch. Das sparsame Display, genügsame Prozessoren und insgesamt weniger Chips dürften hierfür verantwortlich sein.

Neben all der Technik und den Design-Novitäten hat das Macbook freilich auch eine Neuerung in Sachen Bedienung vorzuweisen. Vor der Tastatur nämlich prangt ein riesiges Touchpad, das gleich mehrere Innovationen mitbringt. Zum einen gibt es keine Klicktaste mehr. Einen Mausklick löst man aus, indem man einfach auf das Panel drückt. Unklar ist, ob Apples Ingenieure dessen Empfindlichkeit bewusst von unten nach oben abnehmend eingestellt haben. So ist es aber, und so bleibt man bei der schon erlernten Art, Mausklicks mit dem linken Zeigefinger oder dem rechten Daumen am unteren Ende des Touchpads auszuführen.

Monitor-Anschluss gegen Aufpreis

Einige Umgewöhnung erfordert es, die Gestenfunktionen zu nutzen. Wie beim iPhone kann man mit zwei Fingern bestimmte Gesten auf dem Touchpad ausführen, um beispielsweise ein Bild zu vergrößern, ein Dokument zu drehen oder zu scrollen. Hat man das erlernt, mag man darauf kaum mehr verzichten.

Ein Verzicht, der dagegen schmerzt, ist die Streichung der Firewire-Schnittstelle. Wer bisher beispielsweise einen Camcorder oder eine externe Festplatte über diesen Anschluss anstöpselte, muss künftig umdenken beziehungsweise neue Hardware besorgen. Der Displayport-Anschluss für Monitore hingegen hat nur kurzzeitig lästige Auswirkungen. Passende Monitore sind derzeit noch spärlich gesät. Apple selbst hat nur ein einziges Modell im Portfolio. Die meisten Macbook-Interessenten sollten sich daher gleich mit dem Notebook einen passenden Displayport-Adapter zum Anschluss anderer Monitore kaufen. Zwischen 29 und 99 Euro kassiert Apple für ein solches Spezialkabel.

Beinahe professionell

Diese Summe macht den Kohl allerdings auch nicht mehr fett. Schließlich kostet das neue Macbook in der billigsten Ausführung schon stattliche 1199 Euro, ist mithin alles andere als ein Sonderangebot. Von der Leistung her vergleichbare Windows-Laptops dürfte man rund ein bis zweihundert Euro billiger bekommen. Ob die dann aber auch mit einem vergleichbar robusten Alugehäuse und einem Hightech-LED-Bildschirm daherkommen, darf bezweifelt werden.

Als Komplettpaket, so viel ist klar, kann das Macbook überzeugen. Gegenüber seinem Vorgänger hat es einiges wettgemacht, wirkt insgesamt professioneller als irgendein anderes Macbook zuvor. Lästig bleibt, dass Apple keine Variante mit entspiegeltem Bildschirm anbietet, was den professionellen Anspruch unterstreichen würde. Lästig ist auch der Wegfall der einst von Apple hochgejubelten Firewire-Schnittstelle. Wer mit diesen beiden Mankos leben kann, wird derzeit allerdings kaum ein besseres Notebook finden können - zumindest nicht in diesem Preisbereich.

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